Vier Augen sehen oft mehr als zwei. In bestimmten Fällen kann es ratsam sein, einen zweiten Arzt hinzuzuziehen.

Wer gesetzlich kranken­versichert ist und operiert werden soll, kann eine zweite ärzt­liche Meinung einholen. Dafür kamen die Kassen auch bislang schon auf. Künftig können Patienten in bestimmten Fällen das „strukturierte Zweitmeinungs­verfahren“ in Anspruch nehmen. Der Arzt muss Sie vor der Operation entsprechend belehren und auf geeignete Fach­ärzte hinweisen. Die neue Regel gilt zunächst für zwei Eingriffe: Operationen an Gaumen- oder Rachenmandeln sowie bei Entfernung der Gebärmutter.

Arzt muss künftig aktiv über Patientenrechte informieren

Die recht­liche Änderung hat Ende 2018 der Gemein­same Bundes­ausschuss (G-BA) beschlossen. Das Gremium regelt, welche Leistungen Krankenkassen über­nehmen. Patienten können das strukturierte Zweitmeinungs­verfahren bereits in Anspruch nehmen. Empfiehlt der Arzt eine entsprechende Operation, muss er den Patienten spätestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff darüber aufklären, dass er das Recht auf eine zweite ärzt­liche Meinung hat.

Der Zweit­gut­achter darf den Patienten nicht selber operieren

Der Arzt muss Patienten vor dem geplanten Eingriff ein Patientenmerk­blatt aushändigen, das über das Zweitmeinungs­verfahren informiert, inklusive eines Links zur Arzt­suche. Patienten können sich aber auch an die zuständige Kassen­ärzt­liche Vereinigung (KV) wenden. Am Verfahren mitmachen dürfen nur lang­jährig erfahrene Fach­ärzte in dem jeweiligen Gebiet. Sie müssen bei Diagnostik und Therapie auf dem neuesten medizi­nischen Stand sein. Die unabhängige Zweitmeinung darf nicht gefährdet sein: Behand­lung oder Operation durch den beratenden Fach­arzt sind nicht erlaubt.

Befund besprechen und Behand­lungs­alternativen nennen

Im Zweitmeinungs­gespräch beur­teilt der beratende Arzt, ob der geplante Eingriff medizi­nisch notwendig ist oder ob es Behand­lungs­alternativen gibt. Zur Beur­teilung reichen meist Befunde und Unter­suchungs­ergeb­nisse, die Patienten von ihren Ärzten erhalten. Diese müssen die Daten aushändigen.

Viele Kassen bieten auch zu anderen Diagnosen Zweitmeinung an

Für Patienten ist das geregelte Verfahren kostenlos. Es gilt zunächst für Eingriffe an den Mandeln und der Gebärmutter. Viele Krankenkassen bieten ein Zweitmeinungs­verfahren aber bereits jetzt für weitere Diagnosen an – etwa bei ortho­pädischen Erkrankungen an Knie und Hüfte sowie bei kardiologischen Beschwerden. Die Kassen haben hierzu Verträge mit bestimmten Ärzten geschlossen. In unserem Krankenkassenvergleich bieten 53 von insgesamt 76 Kassen das Zweitmeinungs­verfahren an. Unabhängig davon können Kassenpatienten weiterhin auch auf eigene Faust zu einem zweiten Arzt gehen – etwa wenn sie unsicher sind, ob eine empfohlene Behand­lung wirk­lich notwendig ist.

Diese Meldung ist erst­mals am 12. Januar 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde am 16. April 2019 aktualisiert.

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