Mammographie/Brustkrebs Meldung

Die Qualität der Früherkennung von Brustkrebs muss besser werden. Modellprojekte sollen klären, ob es sinnvoll ist, die Brust regelmäßig zu röntgen. Ärzte müssen künftig ihre Qualifikation unter Beweis stellen.

Kaum eine ärztliche Diagnose wird so sehr gefürchtet wie Brustkrebs. Mit ihr sind nicht nur Angst vor Leiden und Sterben verbunden, sondern ebenso die Furcht vor dem drohenden Verlust der Weiblichkeit und des Selbstwertgefühls. Solche Ängste sind ein wesentlicher Grund dafür, dass nur etwa ein gutes Drittel der Frauen die Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrnimmt.

Brustkrebs ist bei Frauen in jeder Altersstufe die häufigste Krebserkrankung, mit einer deutlichen Zunahme nach dem fünfzigsten Lebensjahr. Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 50.000 Frauen, 19.000 sterben. Die Häufigkeit dieser Krebsform hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. Wenn die Krankheit jedoch so frühzeitig entdeckt wird, dass die wuchernden Zellen noch an der Ausbreitung gehindert werden können, ist der Brustkrebs meist heilbar. Besonders im Frühstadium sind brusterhaltende Operationen möglich.

Doch das Dilemma ist groß: Gäbe es in Deutschland ein effektives Früherkennungsprogramm, meinen Experten, könnten bis zu 4.000 Brustkrebs-Todesfälle im Jahr verhindert werden. Auf der anderen Seite stehen der hohen Todesrate jährlich über 100.000 überflüssige Operationen gegenüber ­ bei Frauen, die keinen Brustkrebs haben.

Zurzeit wird in Deutschland die Einführung des flächendeckenden Mammographie-Screenings diskutiert, wie es etwa in den Niederlanden, Schweden oder Großbritannien schon seit Jahren durchgeführt wird. Drei deutsche Modellprojekte in Bremen, Wiesbaden und der niedersächsischen Weser-Ems-Region sollen seinen Nutzwert ergründen. Dort werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ohne Brustkrebsverdacht alle zwei Jahre schriftlich zur Mammographie eingeladen. Der Bremer Projektleiter Professor Hans Junkermann verspricht durch die Kontrolle und die Konferenzen der beteiligten Ärzte eine verbesserte Qualitätssicherung.

Pro und contra Röntgen

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Röntgenaufnahme der Brust, unten: gesunde Brust, oben: bösartiger Tumor

Der Knackpunkt des Röntgens von gesunden Frauen ist das Herausfiltern bösartiger Tumoren. Von 1.000 Frauen, die kommen, werden etwa 990 keinen Krebs haben. Doch derzeit ist die Zahl der Diagnosen hoch, die fälschlicherweise Brustkrebs feststellen. Einer der Gründe hierfür: Es mangelt an geschulten und erfahrenen Radiologen in Deutschland.

Befürworter des regelmäßigen Screenings hoffen, mit dem Massen-Röntgen die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 30 Prozent senken zu können. Die Gegenrechnung der Hamburger Epidemiologin Professor Ingrid Mühlhauser lautet dagegen: "Ohne Mammographie sterben über einen Zeitraum von zehn Jahren 4 von 1.000 Frauen an Brustkrebs ­ mit Mammographie sind es 3 von 1.000 Frauen." Nur eine von ihnen profitiere also vom massenhaften Röntgen.

Eine schwierige Situation. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt muss jede Frau das Für und Wider einer Röntgenuntersuchung selbst abwägen.

- Da die Qualität des Mammographierens deutschlandweit so unterschiedlich ist, empfiehlt es sich, sich an ein Brustkrebszentrum oder eine Mamma-Sprechstunde (Mamma = lat. Brust) in einer Klinik zu wenden.

- Selbsthilfegruppen, Fachgesellschaften, Krebsinitiativen oder Tumorzentren können meist Brustkrebsspezialisten nennen. Auch längere Anfahrtswege sollten für eine Untersuchung in Kauf genommen werden.

- Und bevor operiert wird, sollte jedes Ergebnis von mehreren Ärzten bestätigt werden ­ inklusive Tasten, Ultraschall und Biopsie.

Ärzte, Krankenkassen und Gesundheitspolitiker fordern, dass auch in Deutschland speziell für die Mammographie Qualitätsstandards entwickelt werden, die den europäischen Richtlinien entsprechen. Die Geräte sollten auf dem neuesten Stand der Entwicklung sein und die Röntgenärzte eine Spezialausbildung und ausreichend Erfahrung haben ­ die europäischen Richtlinien etwa fordern, dass sie jährlich mindestens 5.000 Mammographien machen. Die meisten Ärzte in Deutschland liegen weit unter dieser Zahl.

Erster Schritt zur Qualitätssicherung: Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen planen eine Vereinbarung, nach der jeder niedergelassene Arzt, der Mammographie-Untersuchungen mit den Krankenkassen abrechnen will, eine Prüfung ablegen muss. Wer jetzt schon eine Genehmigung hat, muss die Prüfung innerhalb von 18 Monaten nachholen. Weitere Voraussetzungen sind die Verpflichtung zur Fortbildung sowie Kontrollen der in den jeweiligen Arztpraxen gemachten Röntgenaufnahmen und deren ärztliche Beurteilung. Wenn Mängel nachgewiesen werden, kann die Abrechnungsgenehmigung entzogen werden.

Die Mammographie zu verbessern, könne nur mit dem Einstieg in ein übergreifendes Konzept zur Früherkennung einhergehen, meint Professor Klaus Dieter Schulz von der Konzertierten Aktion Brustkrebs-Früherkennung. In der Initiative arbeiten wissenschaftliche Fachgesellschaften, ärztliche Berufsverbände und Selbsthilfegruppen zusammen. Bei den Röntgenreihenuntersuchungen sei vor allem eine ärztliche Begleitung notwendig. "Darüber hinaus müssen alle Fachdisziplinen qualitätsgesicherte Arbeit abliefern", erklärt der Marburger Gynäkologe. Das gelte für die gesamte Diagnosekette, beginnend mit der Risikoanalyse bis hin zu feingeweblichen Untersuchungen und operativen Techniken.

Unabhängig vom Ausgang der Modellversuche will der Bundestag so schnell wie möglich ein Gesetz verabschieden, das die Einführung eines flächendeckenden Mammographie-Screenings vorsieht ­ spätestens bis 2003. Alle im Bundestag vertretenen Parteien sind sich hierin einig.

Therapie

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Wenn eine Brustkrebserkrankung sicher diagnostiziert ist, sollte sich die Frau so genau wie möglich über ihren ganz spezifischen Tumor und die geeignete Behandlung informieren. Die wichtigsten Behandlungsformen sind neben der Operation die Strahlentherapie, Chemotherapie, Hormontherapie sowie die Immuntherapie.

Per

Operation

wird ein Tumor entfernt. Zu etwa 70 Prozent wird heute brusterhaltend operiert. Üblicherweise werden bei der Operation auch die Lymphknoten aus der Achselhöhle mit entfernt, da sich hier ganz früh Metastasen bilden können. Sollte die Brust amputiert werden, ist es möglich, sie mit einem Implantat oder mit körpereigenem Gewebe vom Rücken oder Bauch wieder aufzubauen.

Besonders nach brusterhaltender Operation wird eine unterstützende lokale

Strahlentherapie

empfohlen. Sie soll möglicherweise noch verbliebene Krebszellen oder weitere Tumorherde zerstören und der Entstehung von neuen Geschwülsten vorbeugen.

Hormon-, Chemo-

oder

Immuntherapie

hingegen werden unterstützend bei Krebserkrankungen eingesetzt, die sich bereits im Körper ausgebreitet haben. Die neuesten Therapieempfehlungen legen auch bei den meisten Frauen mit einem lokal begrenzten Tumor eine solche Weiterbehandlung nahe.

Die Entscheidung, welche Therapie empfohlen wird, hängt vom Alter der Patientin und von der Anzahl der Hormonrezeptoren im Tumorgewebe ab. Sind Hormonrezeptoren vorhanden, wird im ersten Schritt mit

Hormonen

therapiert: Anti-Östrogene, in erster Linie Tamoxifen, sollen die Wirkung von Östrogen unterbinden, so genannte Aromatasehemmer seine Bildung blockieren. Bei jungen Frauen mit bestehender Regelblutung wird dagegen die Östrogenproduktion der Eierstöcke mit einem Medikament ausgeschaltet.

Die

Chemotherapie

richtet sich gegen versteckte Krebszellen außerhalb der Brust. Einige Nebenwirkungen wie Erbrechen können heute medikamentös behandelt werden. Auch kann eine Chemotherapie vor der Operation helfen, einen großen Tumor zu verkleinern, sodass brusterhaltend operiert werden kann. Eine

Immuntherapie

mit dem Tumor-Wachstumshemmer Herceptin (Wirkstoff Trastuzumab) verbessert nur die Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebspatientinnen im fortgeschrittenen Stadium, deren Tumor übermäßig viele spezielle Rezeptoren dafür hat.

Grundsätzlich legen viele Experten den Frauen ans Herz, sich im Rahmen klinischer Studien behandeln zu lassen: Dies garantiere ihnen dank verbesserter Qualitätssicherung ein längeres Überleben. Durch die vorgegebenen Studienprotokolle ist eine ständige Überwachung und permanente Begutachtung gewährleistet.

Noch während eines Krankenhausaufenthalts kann beim behandelnden Arzt oder beim Krankenhaussozialdienst eine Anschlussheilbehandlung beantragt werden. Das geht auch noch bis zu einem Jahr nach der Operation. Bei der Vorbereitung auf den Alltag können zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe sowie Selbsthilfe- und Sportgruppen vor Ort weiterhelfen.

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