Beschiss in neuem Gewand

"Courtagefreie Wohnungen, die nicht in der Zeitung angeboten werden!" So lockt die bundesweit tätige Mieterdatei24 im Internet Wohnungssuchende.

Angebote sind auf der Homepage der Mieterdatei24 und in deren Zeitungsannoncen nicht zu finden. Für "einmalig 90 Mark" verspricht sie jedoch, Mietgesuche an Hausbesitzer oder Baugesellschaften weiterzuleiten, die sich bei Interesse melden würden.

Finanztest hat erhebliche Zweifel, dass das Geld bei diesem Dienst gut angelegt ist. Testsucher bekamen jedenfalls keine Anrufe von Anbietern. Auch als sich Finanztest-Mitarbeiter als Vermieter anmeldeten, bekamen sie nur in einem von drei Fällen Wohnungssuchende benannt, obwohl alle fingierten Angebote verlockend waren.

Bei Vermietern unbekannt

Zweifelhaft ist auch die Werbeaussage der Mieterdatei, dass Wohnungsgesellschaften Suchenden über die Mieterdatei24 Angebote machen würden. Finanztest hat bei zahlreichen führenden Gesellschaften in Hamburg, Frankfurt a. M. und Wiesbaden nachgefragt. Stets kam die gleiche Antwort: "Die Mieterdatei24 kennen wir nicht." Mit wem die Mieterdatei zusammenarbeitet, will ihr Geschäftsführer Stephan Heise allerdings auch nicht verraten.

Vorkasse unseriös ...

Bei den Mietervereinen gilt Heises Dienst als "alter Beschiss in neuem Gewand". Nach den Machenschaften unseriöser Vermittlungsvereine laufe das Geschäft nun im Internet. Für Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum steht fest: "Vermittler, die vorab kassieren, sind potenzielle Abzocker. Wir kennen niemanden, der über solche Angebote eine Wohnung gefunden hat." Geschäftsführer Stephan Heise rührt das nicht. Seine Geschäfte liefen gut, sagt er. Im Übrigen sei ein Dateieintrag für 90 Mark günstiger als Zeitungsannoncen, die mindestens 130 Mark kosten würden.

Tatsächlich gibt es einen Fünfzeiler etwa im Berliner Tagesspiegel schon für 30 Mark. Dort können Suchende auch sehen, dass die Anzeige nicht in dunklen Kanälen verschwindet. Bei der Mieterdatei ist das ungewiss. Zwar wirbt sie mit erfolgreichen Vermittlungen, die neuen Mieter der "Superwohnungen" bleiben aber anonym. Nachfragen bei den Glücklichen werden nicht ermöglicht.

und wahrscheinlich illegal

Die Mieterdatei24 lässt sich nicht in die Karten schauen ("Mit der Presse reden wir nicht!"). Wohl aus gutem Grund, denn selbst wenn sie wirklich in nennenswerter Zahl Wohnungen vermitteln sollte, könnte sich herausstellen, dass das Angebot illegal ist: Leistet die Datei mehr, als nur Gesuche ungefiltert weiterzuleiten, könnten Juristen das als Maklertätigkeit bewerten. Maklern ist es jedoch durch das Gesetz ausdrücklich verboten, Vorkasse zu verlangen.

Makelei könnte möglicherweise schon dann vorliegen, wenn die Dateibetreiber die Gesuche anhand der Kundenwünsche vorsortieren und den Anbietern nur passende Sucher melden. Anhaltspunkte dafür und damit für mögliche Makelei gibt es: Zumindest auf ein Testangebot hat Finanztest eine Liste von 14 Suchenden erhalten. Nachfragen ergaben, dass deren Gesuche häufig aufs Angebot passten. Für die angebotene Zwei-Zimmer-Wohnung (600 Mark Kaltmiete) wurden vornehmlich Datei-Kunden gemeldet, die genau so eine Wohnung suchten.

Geld zurück für Suchende

Sollte ein Gericht nun zum Schluss kommen, dass die Mieterdatei24 Maklertätigkeiten ausübt, können enttäuschte Wohnungssucher zur Kasse bitten ­ die Betreiber müssten dann die 90 Mark erstatten. Hartmann Vetter vom Berliner Mieterverein ist sich sicher, dass es dazu kommt: "Die Firma ist eindeutig als Maklerfirma zu qualifizieren."

Der Mieterverein Bochum will jetzt Klagen von Betroffenen finanzieren. Zumindest wegen ihrer Werbung mit Wohnungen, die sich nur als fiktive Lockangebote entpuppten, ist die Mieterdatei bereits erfolgreich vor den Kadi gezogen worden. Ein erneutes Verfahren wegen möglicherweise unlauterer Werbung läuft vor dem Landgericht Stuttgart. Zeitungen wie die Berliner Morgenpost lehnen es bereits ab, Anzeigen der Mieterdatei abzudrucken.

Finanztest rät in jedem Fall: Finger weg von der Mieterdatei24 und ähnlichen kostenpflichtigen Angeboten wie etwa der so genannten Mieterdatenbank, die mit dem Hamburger Unternehmen kooperiert. Wohnungen lassen sich online in den kostenlosen Internetangeboten von Zeitungen und Immobiliendiensten wie etwa immobilienscout24.de finden. Dort, so berichten Vertreter der Wohnungswirtschaft, würden auch die Wohnungsgesellschaften Angebote veröffentlichen.

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