Make-up Test

Mehr als jedes zweite Long-lasting-Make-up verpasste die Note „gut“. Viele halten bei weitem nicht so lange wie versprochen.

Unter dem „Schleier des Westens“, wie der bekannte Berliner Visagist René Koch das Make-up nennt, sollen alle kleinen Unregelmäßigkeiten der Haut verschwinden. Dabei darf das geschminkte Gesicht aber keinesfalls maskenhaft starr oder zugekleistert wirken. Heutzutage sind leichte, natürliche Make-ups gefragt, darunter auch solche, die eine lange Haltbarkeit ausloben, sogenannte Long-lasting-Produkte.

Die Werbestrategen versprechen viel, zum Beispiel „Hochleistungs“-Make-ups, die „den ganzen Tag perfekt in Form“ bleiben. Andere verheißen ein perfektes Aussehen für bis zu 16 Stunden. Wir wollten wissen, was diese Make-ups – oft auch als Grundierung, Fond de Teint, Base oder Foundation bezeichnet – wirklich leisten und nahmen 15 davon unter die Lupe. Und zwar nicht nur Fläschchen und Tuben mit flüssig-cremigem Inhalt, sondern auch zwei Kompaktpuder (alle in hellen Farbtönen). Ob man sich nun für die feste oder die flüssige Variante entscheidet, ist vor allem Geschmacksache, wie unser Test zeigt. Eingekauft haben wir die Produkte beim Discounter, im Drogeriemarkt, in der Apotheke oder Parfümerie. Pro Gramm beziehungsweise Milliliter kosten sie zwischen 9 Cent (dm/P2) und 2,19 Euro (Puder von Estée Lauder).

Haltbarkeit: Oft zu viel versprochen

Wenn sich die Grundierungen im Allgemeinen auch unkompliziert auftragen lassen und in der Deckkraft ebenfalls überzeugen, in puncto Haltbarkeit versprechen etliche doch zu viel: Den ganzen Tag lang sieht man mit keinem dieser Make-ups makellos aus. Nach spätestens zwölf Stunden gefielen sich die meisten Probandinnen nicht mehr gut, auch nicht mit den besten und beständigsten Foundations des Tests: Maybelline Jade, Rimmel, L’Oréal, Avon und Revlon.

Anders als diese „guten“ Long-lasting-Make-ups kommen die restlichen schon deutlich früher an ihre Grenzen, besonders dm/P2, das schon nach weniger als acht Stunden nicht mehr akzeptabel aussah. Damit reichte es für dieses Make-up auch im test-Qualitätsurteil nur noch zum „Ausreichend“. So ist es auch bei Shiseido, wenn auch aus einem anderen Grund. Dazu später mehr. Die anderen erzielten im Gesamturteil „befriedigend“.

Die Erfahrungen von mehr als 400 Probandinnen stehen hinter diesem Ergebnis. Sie erprobten die Grundierungen eine Woche lang im Alltag. An einem Tag mussten sie ihr Aussehen sogar im Zwei-Stunden-Rhythmus beurteilen. Zusätzlich schminkten sich auch drei Profitesterinnen, um das Testergebnis abzurunden.

Deckkraft: Überwiegend „gut“

An der Deckkraft hatten die Probandinnen wenig auszusetzen. Nur bei dm/P2 wurde sie als etwas schwach beurteilt. Generell ist die Deckkraft vor allem eine Frage der Vorliebe: Manche wollen mehr, andere weniger. Sie ist abhängig von der Pigmentdichte des Make-ups. Angaben dazu suchen die Kunden auf den Produkten aber meist vergeblich. In dieser Hinsicht kaufen sie also die Katze im Sack oder sind auf kundige Beratung im Fachhandel angewiesen. Denn die Auswahl kann schnell danebengehen: Jede Haut ist anders, verändert sich zudem laufend, reagiert unterschiedlich auf Umwelteinflüsse und persönliche Befindlichkeiten.

In der Anwendungsprüfung kamen nur Avon, Revlon, Vichy und Shiseido über „befriedigend“ nicht hinaus. Schuld dar­an sind ihre großen Flaschenöffnungen, die dazu führen, dass sich das Make-up nur schlecht dosieren lässt. Ansonsten gab es hier ausschließlich positive Urteile.

Tipp: Tragen Sie Long-lasting-Make-ups zügig auf. Dank spezieller Fixierer trocknen sie sehr schnell und lassen sich dann nicht mehr gleichmäßig verteilen.

Achtung: Verkeimungsgefahr

Mikrobiologisch waren die Produkte fast alle einwandfrei. Meist sind sie durch Konservierungsstoffe ausreichend vor Verderb und Keimbefall geschützt. Ausnahme: Shiseido, das teuerste Flüssig-Make-up im Test für 1,20 Euro pro Milliliter. Es enthält zwar keine Keime, zeigte aber Mängel im Belastungstest. Bei dieser Prüfung werden bewusst Keime – unterschiedliche Bakterien und Pilze – in die Make-ups eingeschleust. So wie es auch im Alltag passieren kann. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die potenziellen Krankheitserreger nach einer gewissen Zeit ab. Das schaffte die Foundation von Shiseido nicht in befriedigendem Maße, was ihr Minuspunkte und entsprechend ein „Ausreichend“ im test-Qualitätsurteil einbrachte.

Verträglichkeit: Durchweg gut

Alle Probandinnen vertrugen die Produkte problemlos. Trotzdem kann es – wenn auch äußerst selten – zu allergischen Reaktionen kommen. Auslöser können beispielsweise Konservierungsstoffe, Parfüms oder Lichtschutzfilter sein. Menschen, die in dieser Hinsicht empfindlich reagieren, finden in der Tabelle eine Aufstellung der entsprechenden Stoffe.

Wer sich im Einzelnen über die Inhaltsstoffe informieren will, kommt nicht umhin, die Deklaration auf der Verpackung zu lesen. Ist sie dort nicht zu entdecken, muss in der Nähe des Verkaufsregals eine Auflistung zu finden sein. Gut leserlich sind die Angaben allerdings nicht immer.

Tipp: Für ältere, zur Trockenheit neigende Haut sind Long-lasting-Make-ups nichts. Hier müssen cremigere Varianten gewählt werden (siehe „Für Ältere 50+“).

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