Magenmittel Test

Viele Menschen werden von Magenproblemen geplagt, nicht nur zu Weihnachten und Silvester. Medikamente können helfen – welche, lesen Sie hier.

Wortmeldungen des Magens gehören nicht zum guten Ton. Ein Rülpser zum Beispiel gilt in der Öffentlichkeit als Entgleisung. Dabei entlastet er den Magen. Ein Krankheitszeichen ist zu viel Luft im Bauch zunächst noch nicht. Doch wenn der Magen öfter aufmuckt, kann mehr dahinterstecken: Sodbrennen zum Beispiel zählt zu den am meisten verbreiteten Beschwerden von Magen und Darm.

Häufiges Sodbrennen ist ein Risiko

Medizinisch wird Sodbrennen und saures, manchmal geräuschvolles Aufstoßen eruktieren genannt: Fast jeder Dritte in Ländern mit westlichem Lebensstandard leidet an Sodbrennen. Gelegentlich wird es von brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein begleitet. Auch Kinder können ab dem dritten Lebensjahr betroffen sein. Viele Menschen haben sogar täglich Sodbrennen – nicht erst nach fetten und süßen Mahlzeiten an Festtagen. Bei jedem zehnten Betroffenen entwickelt sich durch den „Sohr“ (norddeutsch) eine Speiseröhrenentzündung. Bleibt sie über Jahre bestehen, kann sich daraus Krebs entwickeln. Es ist also wichtig, den Beschwerden nachzu­gehen und sie konsequent zu behandeln.

Zu fett, zu süß, zu viel

Die Störung beginnt meist nach dem Essen in der Magengrube und geht oft mit einem unangenehmen sauren Aufstoßen einher. Ursache des Sodbrennens ist ein saures Zurückfließen von Säure aus dem Magen in die Speiseröhre. Getränke und Nahrungsmittel wie scharf Gewürztes, Fettreiches, Hefeteig, Zitrusgetränke, Tomatensaft, koh­lensäurehaltige und alkoholische Getränke und Kaffee können Auslöser sein. Begünstigt wird Sodbrennen durch viele Faktoren. Dazu zählen erhebliches Übergewicht, ein Zwerchfellbruch oder eine stark vergrößerte Gebärmutter im letzten Drittel der Schwangerschaft. Rauchen, Stress, Hetze, Konflikte, anhaltende Überforderung regen die Magenschleimhaut dazu an, vermehrt Säure zu produzieren.

Beschwerden selbst behandeln

Dem Sodbrennen sollte man vorbeugen und es erst einmal ohne Medikamente behandeln, auch mit Ernährungsum­stellung und Stressabbau (siehe „Vorbeugen“). Erst wenn das nicht hilft, sollten Medikamente ins Spiel kommen – zur Selbst­be­handlung säurebindende Mittel (Antazida) oder niedrigdosierte säurehemmende H2-­Blocker (siehe „Magenmittel“). Antazida bestehen häufig aus aluminium- und/oder magnesiumhaltigen Verbindungen, die den säurehaltigen Magensaft binden. Beide Stoffe werden kombiniert: Magnesium wirkt schneller, aber nicht so lange wie Aluminium. Es kann die Säure etwas besser neutralisieren, wirkt leicht abführend, Aluminium eher stopfend. Der Inhaltsstoff Almasilat steht für synthetisches Aluminium-Magnesium-Silikathydrat. Es wird zum Beispiel in Megalac und Simagel eingesetzt.

Sind Aluminium und Magnesium gitterartig miteinander vernetzt, ist die Verbindung besonders stabil, Aluminium wird kaum freigesetzt. Zu diesen Schichtgitterantazida gehören Hydrotalcit (in Talcid) und Magaldrat (in Magaldrat-ratiopharm, Marax, Riopan). Auch hält die Wirkung dieser Mittel länger an als bei einfachen säurehemmenden Antazida wie Natriumhydrogencarbonat (zum Beispiel Bullrich Salz).

Tipps zum Einnehmen

Tritt das Sodbrennen häufig nach dem Essen auf, sollten die rezeptfreien Medikamente etwa eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden. Bildet der Magen aus Gründen wie Stress, Ärger oder Anspannung vermehrt Säure, dann die Mittel bereits bei den ersten Anzeichen einnehmen, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Wirkung setzt innerhalb von etwa 20 Minuten ein und hält bis zu drei Stunden an. Für die Nacht hilft eine letzte Dosis unmittelbar vor dem Schlafengehen. Zerkauen Sie Kautabletten sorgfältig. Der dabei vermehrt gebildete Speichel trägt zusätzlich dazu bei, überschüssige Säure zu neutralisieren. Deshalb wirken Kautabletten möglicherweise etwas besser als Tabletten.

Tipp: Mit Nachahmer­prä­pa­raten (Generika) können Sie im Vergleich zu den rezeptfreien Originalpräparaten meist Geld sparen (siehe Tabellen). Die Preise in den Tabellen basieren auf den unverbindlichen Empfehlungen der Anbieter. Weitere Magenmittel finden Sie auch in unserer Datenbank www.medikamente-im-test.de.

Wann zum Arzt?

Wenn in der Speiseröhre oder im Magenbereich trotz der Selbstbehandlung Schmerzen auftreten oder Sodbrennen länger als zwei, maximal vier Wochen anhält, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der Arzt muss abklären, ob es Schädigungen in der Speiseröhre gibt, eine Entzündung, ein Magen­ge­schwür oder eine andere ernsthafte Erkrankung vorliegt. Je nach Diagnose und Beschwerdebild kann er stärker wirkende Mittel verordnen wie zum Beispiel höher dosierte H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer (siehe „Magenmittel“). Laut dem Arzneiverordnungsreport 2008 entfallen auf Protonenpumpenhemmer mit 992 Millionen Euro drei Viertel des Umsatzes der Magen-Darm-Mittel. Auch bei Medikamenten, die der Arzt verordnet, kann gespart werden (günstige siehe Tabellen).

Diagnose von Magenbeschwerden

Symptome wie Magendrücken, Bauchschmerzen und Völlegefühl zeigen an, dass mit der Verdauung im oberen Magen-Darm-Trakt etwas nicht stimmt. Die meisten kurzfristig auftretenden Verdauungsbeschwerden müssen nicht speziell behandelt werden. Sie verschwinden durch Ernährungs- und Verhaltensumstellungen meist von selbst.

Beschwerden dieser Art, die länger als drei Monate anhalten oder immer wieder auftreten, für die es aber keine organbedingte Erklärung gibt, werden unter dem Begriff „Reizmagen“ (Dyspepsie etc.) zusammengefasst. Wichtig ist, dass der Arzt eine Infektion mit Helicobacter pylori ausschließt, bei der ähnliche Symptome auftreten. Eine solche Infektion, in den meisten Fällen auch verantwortlich für Zwölffingerdarmgeschwüre, muss mit rezeptpflichtigen Mitteln behandelt werden.

Krampfartige Beschwerden im rechten Oberbauch sind häufig Anzeichen für Gallensteine oder eine Gallenblasenentzündung. Schmerzen im linken Oberbauch, Auflagen von erstarrtem Fett im Stuhl deuten auf eine Funktionsstörung oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hin. Die zusätzliche Gabe von Enzymen ist nur sinnvoll, wenn die Bauchspeicheldrüse in ihrer Funktion gestört ist und selbst zu wenig Enzyme ausschüttet. Das kann zum Beispiel Folge einer chronischen Entzündung oder einer Mukoviszidoseerkrankung sein und lässt sich nur mit einer ärztlichen Untersuchung feststellen.

Verdauungsbeschwerden durch reichliches, zu fettes oder zu spätes Essen am Abend lassen sich mit Enzymen im Allge­meinen weder verhindern noch bessern.

Bei schmerzhaften Krämpfen im Verdauungstrakt wirken krampflösende Mittel mit dem Wirkstoff Butylscopolaminium gut, wenn sie in die Vene gespritzt werden. In dieser Form ist der Wirkstoff geeignet, kann aber nur vom Arzt gegeben werden. Aus Tabletten oder Zäpfchen gelangt der Wirkstoff nur unzureichend ins Blut und wirkt allenfalls lokal im Magen-Darm-Trakt schwach krampflösend. Deshalb sind diese Mittel nur mit Einschränkung geeignet (siehe auch www.medikamente-im-test.de).

Alternative pflanzliche Mittel

Pflanzliche Präparate mit Pfefferminzöl wirken krampflösend, lösen Blähungen. Zur Behandlung von Verdauungsbe­schwerden sind sie aber nur mit Einschränkung geeignet. Es sind weitere Studien notwendig, um die therapeutische Wirksamkeit abschließend nachzuweisen. Auch Tees sind in der Lage, missmutige Mägen etwas zu besänftigen. Dazu reicht schon eine „kleine“ Mixtur mit drei verschiedenen Pflanzen. So können zum Beispiel Tees aus Kamille, Malve und Eibisch helfen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2316 Nutzer finden das hilfreich.