Magellan Maritime Services Meldung

Rund 9 000 Anleger, die beim Container-Leasing­unternehmen Magellan Direkt­investments in Form von Containern gekauft haben, müssen um ihr Geld fürchten. Die Magellan Maritime Services hat am 31. Mai 2016 beim Amts­gericht Hamburg Insolvenz beantragt. Hier lesen Sie die Details und erfahren, was Betroffene jetzt noch tun können.

Insolvenz­verwalter einge­setzt

Das Hamburger Amts­gericht hat Rechts­anwalt Peter Alexander Borchert als vorläufigen Insolvenz­verwalter einge­setzt. Rund 9 000 Anleger müssten sich jetzt fragen, was sie mit ihren Containern anstellen, die im chinesischen Meer herum schippern. Nach ersten Schät­zungen sollen bis zu 350 Millionen Euro auf dem Spiel stehen, erklärt Rechts­anwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke Rechts­anwälte in Siegburg.

So läuft das Container­geschäft für Privat­anleger

Die Magellan-Gruppe ist seit 35 Jahren im Container­geschäft unterwegs. Die jetzt insolvente Magellan Maritime Services, die das Geschäft mit Container-Investments für Anleger betreibt, hat nach eigenen Angaben seit 1995 fast 250 000 Stan­dard-Container vermietet. Privat­anlegern wurden dabei Direkt­investments in Schiffs­container angeboten. Da eine Privatperson einen Container in der Regel nur schwer selbst vermieten kann, versprach Magellan, die Container an Reedereien zu einem guten Preis zu vermieten und die Mieten an Anleger auszuschütten. Magellan warb mit Mietrück­flüssen von über zehn Prozent im Jahr. Schließ­lich wollte Magellan die Container der Anleger nach fünf Jahren zu einem attraktiven Preis zurück­kaufen.

Containermarkt gerät immer mehr in Bredouille

Ein lukratives Geschäft – das aber nur solange funk­tionierte, wie sich der Welt­markt gut entwickelte. Das ist aber nun seit einiger Zeit vorbei. Mit Magellan gerät nach der Buss-Unternehmensgruppe eine weitere Firma, die Anlegern über Jahr­zehnte Direkt­investments in Container anbot, in die Bredouille. Die bereits seit Monaten anhaltende negative Markt­entwick­lung mit stark gesunkenen Stahl- und Ölpreisen sowie das weiterhin nied­rige Zins­niveau habe die Container­preise massiv fallen lassen, klagen mehrere Anbieter von Container Direkt­investments. Das habe zu drastisch gesunkenen Miet­raten für Neu- und Gebraucht­container geführt. Magellan hatte deshalb schon vor einigen Wochen die Ausschüttungen an Anleger ausgesetzt.

Die Pleite hat noch andere Gründe

Die Pleite hat aber auch noch andere Gründe. So befindet sich das Neucontainer­geschäft welt­weit auf einem Zwölf-Jahres-Tief, was sich negativ auf die Miet­preise ausgewirkt hat. Zudem ist das Container -Direkt­investment­geschäft noch nicht dem grauen Kapitalmarkt entwachsen, wie Stefan Loipfinger von Investment­check.de erklärt. Loipfinger hält die an Anleger von den Firmen gegebenen Informationen für skandalös. Unter anderem müssten die Anbieter nicht einmal einen Verkaufs­prospekt veröffent­lichen, wenn sie keine feste Rück­kaufs­garantie für die Container geben. Dass dennoch so viele Anleger auf die Container-Investmentofferten eingehen, dürfte an den in Aussicht gestellten Renditen liegen. Sie erscheinen in Zeiten nied­riger Zinsen attraktiv. Weiterer Grund: Die Anbieter können relativ ungehindert durch gesetzliche Rege­lungen und Finanz­aufsicht am Markt agieren, sagt Loipfinger.

Gesetz­geber plant Regulierung

Mit dem freien Agieren ist allerdings bald Schluss. In Berlin wird derzeit an einem Finanzgesetz gearbeitet, dass auch diese Anlageform unter staatliche Aufsicht bringen soll. Für die jetzt betroffenen Anleger kommt das freilich zu spät.

Diese Hand­lungs­optionen haben Anleger jetzt

Nach Ansicht der Rechts­anwalts­kanzlei Göddecke haben Anleger zwei Hand­lungs­möglich­keiten. Da sie Eigentümer der Container seien, könne der Insolvenz­verwalter die Container nicht einfach verkaufen, um das Geld in die Insolvenzkasse zuste­cken. Sie könnten deshalb vom Verwalter die Heraus­gabe ihrer Container verlangen. Die Kanzlei kläre derzeit, ob es eine Möglich­keit gibt, die Container zu einem akzeptablen Preis an einen Investor zu verkaufen. Alternativ könnten Anleger die Kauf­verträge widerrufen. Das gehe, wenn sie die Verträge über das Internet abge­schlossen hätten, was meistens der Fall gewesen sei. Eine erste Prüfung durch die Kanzlei habe ergeben, dass die Widerrufs­belehrung zu den Verträgen fehler­haft sei. Anleger würden dann Gläubiger und könnten aus der Insolvenzmasse bedient werden – immer voraus­gesetzt, dass es über­haupt noch Masse gibt.

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