Das MSC-Siegel im Check

MSC Test

Die Siegel­organisation, der Marine Steward­ship Council (MSC), ist eine gemeinnützige Einrichtung mit Haupt­sitz in London. Gegründet wurde er 1997. Das Siegel wird derzeit für 141 Arten von Fischen und Meeresfrüchten vergeben. Lizensiert sind Fischerei­betriebe in 38 Staaten. Sie holen laut MSC 12 Prozent des welt­weiten Wild­fangs aus dem Meer. Hier der Check Punkt für Punkt: Was der MSC leistet – und was nicht.

Fazit

Auf seinem Logo verheißt der MSC „zertifizierte nach­haltige Fischerei“. Er achtet dabei fast ausschließ­lich auf den Schutz von Fisch­beständen und Meereslebens­räumen. Aspekte wie Tier­wohl oder Soziales bleiben weit­gehend außen vor.

Die Anforderungen des Siegels schließen die Gefahr einer zeitweiligen Über­fischung nicht aus. Bei unserer Stich­probe konnte der MSC die Lieferkette einiger Wildlachs­produkte nicht lückenlos belegen.

Andere Siegel mit hoher Markt­bedeutung für Wild­fisch existieren nicht. Wir empfehlen deshalb, Produkte mit MSC-Siegel zu bevor­zugen.

Fisch­bestände

Was der MSC für sein Siegel verlangt

  • Fischerei­betriebe müssen sich verpflichten, gesetzliche Fang­quoten einzuhalten und keine gefähr­deten Bestände zu befischen.
  • Sie müssen nach­weisen, dass sie Fisch­bestände und -lebens­räume schonen – mit effektivem Management und Daten, die nach wissenschaftlichen Methoden erhoben wurden.
  • Die Vorgaben folgen zum Beispiel den Empfehlungen des Interna­tionalen Rats für Meeresforschung (ICES), einem Netz­werk von Wissenschaft­lern aus 20 Ländern.

Was der MSC nicht verlangt

  • Was den Schutz der Bestände betrifft, verlangt er kaum mehr als nationale und interna­tionale Gesetze.
  • Fischerei­betriebe dürfen bis zum Bestands­limit fischen – der Grenze, ab der nach Einschät­zung von Institutionen wie dem ICES das Risiko besteht, dass ein Bestand zusammenbricht.
  • Bei unsicheren Daten für eine Bestands­größe wäre ein Extra-Puffer bei der Bestands­bewertung sinn­voll. Der MSC verzichtet darauf.
  • Er weist im Fall von gefähr­deten Ökosystemen keine Schutz­gebiete aus, in denen einge­schränkt oder nicht gefischt werden darf.

Fang­methoden

Was der MSC für sein Siegel verlangt

  • Fischerei­betriebe müssen nach­weisen, dass ihre Fang­methoden das Ökosystem nicht irre­versibel schädigen.
  • Säugetiere, Reptilien oder Vögel sollen möglichst nicht im Netz landen.
  • Fischerei­betriebe müssen belegen, wie sie Beifang vermeiden, also Fang anderer Meerestiere als der erwünschten Fisch­art.

Was der MSC nicht verlangt

  • Grund­schlepp­netze sind erlaubt, sofern sie nicht das Ökosystem irre­versibel schädigen. Der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) und Greenpeace lehnen sie ab. Ihre Kritik: Die Netze würden am Meeresboden großen Schaden anrichten.
  • Um Beifang zu über­wachen, fordert der MSC keine Mittel wie Kameras oder Beob­achter an Bord der Schiffe.

Engagement für Umwelt, Tier und Mensch

Ziele des MSC

  • Bestände von Fischen und Meeresfrüchten schonen.
  • Den Lebens­raum Meer schonen.
  • Vorbild­lich gemanagte Fischerei­betriebe fördern.

Worum sich der MSC nicht kümmert

  • Keine Vorgaben zum Tier­wohl beim Fisch­fang.
  • Über­lässt Engagement für nied­rigere Fang­quoten anderen, etwa Fischerei­betrieben.
  • Keine Vorgaben zum inner­betrieblichen Umwelt­schutz.
  • Keine Vorgaben zu Mindest­löhnen und Arbeits­schutz.

Rück­verfolg­barkeit der Produkte

Was der MSC verspricht

  • Laut MSC sind Produkte mit seinem Siegel vom Geschäft bis zu den Fang­betrieben lückenlos zurück­verfolg­bar.
  • Jeder Zwischenhändler, der mit unver­packter Ware in Kontakt kommt, muss zertifiziert sein.

Was der MSC nicht leistet

  • Im Test von Lachsfilet, test 3/2018, blieb der MSC für neun Wildlachs­produkte den Beweis für die Rück­verfolg­barkeit teil­weise schuldig. Wir baten ihn, die Lieferkette bis zu den Fang­betrieben offen­zulegen. Das gelang ihm für einige der Produkte nur lückenhaft: Nachhaltig, aber nicht alle zurückzuverfolgen.

Zertifizierung

Was der MSC für sein Siegel verlangt

  • Die Begut­achtung der Fischerei­betriebe erfolgt durch unabhängige Zertifizierer.
  • Gutachter müssen der interna­tional anerkannten Akkreditierungs­stelle ASI belegen, dass sie fach­kundig sind.
  • Jeder Fang­betriebe wird individuell begut­achtet und bewertet.
  • Die Gutachten sind sehr umfang­reich und detailliert. Das zeigen die Gutachten zu den Wildlachsfilets aus test 3/2018, die wir einge­sehen haben.

Was der MSC nicht verlangt

  • Fang­betriebe bekommen die Zertifizierer nicht zugewiesen, sondern dürfen sie sich aus einem Pool an anerkannten Gutachtern selbst heraus­suchen.

Trans­parenz für Verbraucher

Was der MSC für sein Siegel leistet

  • Alle Regeln für das Siegel sind im Internet einsehbar.
  • Prüfbe­richte der Zertifizierer sind auf der Website des MSC einsehbar.
  • Verbraucher können Packungen mit MSC-zertifiziertem Fisch am Logo klar erkennen.

Was der MSC nicht leistet

  • Die MSC-Regeln sind oft schwer greif­bar, da sie teils vage und unkonkret bleiben.
  • Der für jede Packung vorgeschriebene Code führt nur zum weiterver­arbeitenden Betrieb oder Händler. MSC über­lässt es den Händ­lern, ob sie die Fang­betriebe nennen. Für Verbraucher ist es aufwendig bis unmöglich, diese auf den Internet­seiten des MSC heraus­zufinden.

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