Nach­haltig, aber nicht alle zurück­zuver­folgen

MSC Test

„Wo MSC drauf­steht, ist auch MSC drin“, sagt Stefanie Kirse, MSC-Programm­direktorin für Deutsch­land. Die Regeln schreiben vor, alle Stationen von den Fang- bis zu den Verpackungs­betrieben zu zertifizieren. Wir baten den MSC, die Lieferkette für neun Wildlachse aus dem jüngsten Lachs-Test, test 3/2018, offen­zulegen.

Begrenzter Über­blick

Ernüchternd: Für einzelne Produkte kann der MSC die Lieferkette nicht problemlos belegen, er hat keine Rück­verfolgungs­daten­bank. Er kennt nur die Station, die den Fisch „verzehr­fertig und manipulations­sicher verpackt“: den Weiterver­arbeitungs­betrieb. „Für eine komplette Rück­verfolgung brauchen wir bis zu drei Monate“, so die Reaktion des MSC. Wir räumten ihm neun Wochen ein, mehr als in unseren Nach­haltig­keits­tests üblich. Schließ­lich stellte uns der MSC doch Dokumente zu. Für die Produkte von Aldi (Nord) und Süd, Costa, Lidl und Netto Marken-Discount bekamen wir voll­ständige Belege. Lückenhaft blieben sie für die Wildlachs­filets von Rewe, Femeg und Landur. Für Iglo sahen wir keine Nach­weise – auch nicht für den konkreten Fang­betrieb.

Aus Alaska und Russ­land

Außer für das Produkt von Iglo konnte der MSC die Fang­betriebe für alle Filets belegen. Sie liegen in zwei Fang­gebieten im Pazifik. Die Angaben konnten wir über Dokumente oder – im Fall von Femeg, Landur und Rewe – durch Rück­schlüsse nach­voll­ziehen. Sechs Produkte kamen aus Alaska vom Fischerei­verbund Alaska Salmon. Er erfüllt MSC-Anforderungen auf hohem Niveau. Im US-Bundes­staat Alaska ist der Schutz von Wildlachs in der Verfassung verankert und wird über ein anspruchs­volles Schutz­programm umge­setzt. Der Wildlachs von Aldi (Nord) und Rewe stammt von der russischen Insel Iturup im Nord­west­pazifik vom Fischerei­verbund Iturup Island Pink & Chum Salmon. Russ­land schreibt den Schutz der Fische gesetzlich vor. Die Betriebe arbeiten mit Netzfallen, die Lachse und ungewollten Fang am Leben halten, bis sie sortiert werden. Sie erfüllen die meisten MSC-Auflagen gut – müssen bei einer aber nachbessern, sonst drohen Sanktionen.

Fazit: Keine lückenlose Rück­verfolgung

Acht der neun Wildlachs­produkte aus aus dem jüngsten Lachs-Test, test 3/2018, stammen von Fang­betrieben, die Lachs­bestände schonen. Nicht alle Produkte konnte der MSC lückenlos zurück­verfolgen. Zwei der neun Filets erhielten das test-Qualitäts­urteil gut: Costa und Iglo. Besser waren viele Filets aus Aquakultur. Testsieger: Frische Lachs-Filets mit Haut von Deutsche See.

Dieser Artikel ist hilfreich. 35 Nutzer finden das hilfreich.