MSC

Nach­haltig, aber nicht alle zurück­zuver­folgen

MSC - Ein Siegel im Check
© Stiftung Warentest (M)

Die Regeln des MSC schreiben vor, alle Stationen vom Fang bis zum Verpacken zu zertifizieren. Wir baten den MSC, die Lieferkette für Wildlachs offen zu legen.

Inhalt
  1. Überblick
  2. Das MSC-Siegel im Check
  3. Nach­haltig, aber nicht alle zurück­zuver­folgen
  4. So sind wir vorgegangen
  5. Artikel als PDF (5 Seiten)

Begrenzter Über­blick

Ernüchternd: Für einzelne Produkte kann der MSC die Lieferkette nicht problemlos belegen, er hat keine Rück­verfolgungs­daten­bank. Er kennt nur die Station, die den Fisch „verzehr­fertig und manipulations­sicher verpackt“: den Weiterver­arbeitungs­betrieb. „Für eine komplette Rück­verfolgung brauchen wir bis zu drei Monate“, so die Reaktion des MSC. Wir räumten ihm neun Wochen ein, mehr als in unseren Nach­haltig­keits­tests üblich. Schließ­lich stellte uns der MSC doch Dokumente zu. Für die Produkte von Aldi (Nord) und Süd, Costa, Lidl und Netto Marken-Discount bekamen wir voll­ständige Belege. Lückenhaft blieben sie für die Wildlachs­filets von Rewe, Femeg und Landur. Für Iglo sahen wir keine Nach­weise – auch nicht für den konkreten Fang­betrieb.

Aus Alaska und Russ­land

Außer für das Produkt von Iglo konnte der MSC die Fang­betriebe für alle Filets belegen. Sie liegen in zwei Fang­gebieten im Pazifik. Die Angaben konnten wir über Dokumente oder – im Fall von Femeg, Landur und Rewe – durch Rück­schlüsse nach­voll­ziehen. Sechs Produkte kamen aus Alaska vom Fischerei­verbund Alaska Salmon. Er erfüllt MSC-Anforderungen auf hohem Niveau. Im US-Bundes­staat Alaska ist der Schutz von Wildlachs in der Verfassung verankert und wird über ein anspruchs­volles Schutz­programm umge­setzt. Der Wildlachs von Aldi (Nord) und Rewe stammt von der russischen Insel Iturup im Nord­west­pazifik vom Fischerei­verbund Iturup Island Pink & Chum Salmon. Russ­land schreibt den Schutz der Fische gesetzlich vor. Die Betriebe arbeiten mit Netzfallen, die Lachse und ungewollten Fang am Leben halten, bis sie sortiert werden. Sie erfüllen die meisten MSC-Auflagen gut – müssen bei einer aber nachbessern, sonst drohen Sanktionen.

Fazit: Keine lückenlose Rück­verfolgung

Acht der neun Wildlachs­produkte aus aus dem jüngsten Lachs-Test, test 3/2018, stammen von Fang­betrieben, die Lachs­bestände schonen. Nicht alle Produkte konnte der MSC lückenlos zurück­verfolgen. Zwei der neun Filets erhielten das test-Qualitäts­urteil gut: Costa und Iglo. Besser waren viele Filets aus Aquakultur. Testsieger: Frische Lachs-Filets mit Haut von Deutsche See.

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Ingrid1877 am 04.08.2018 um 20:15 Uhr
MSC-Siegel ist für mich wertlos geworden

Das MSC-Siegel ist für mich wertlos geworden, nachdem ich gestern in der ARD-Mediathek des „Ersten“ das Video: „Das Geschäft mit dem Fischsiegel“ vom 23.04.2018 gesehen habe. (Verfügbar bis 23.04.2019). Ich halte mich nunmehr an den aktuellen Fischratgeber (2016) von Greenpeace und hoffe, damit nachhaltigen Fischfang zu unterstützen. Um eine umweltbewusste Wahl zu treffen, reicht es nicht zu wissen, welche Fischart ich am ehesten verzehren sollte. Ausschlaggebend sei es auch, wo und wie der Fisch gefangen oder gezüchtet wurde. Die praktische App unterstützt mich dabei im Laden bei der Orientierung der zahlreichen Fang- und Zuchtmethoden.