MP3-Kopfhörer von Aldi Schnelltest

Was zurzeit Aldi Nord für 49,99 Euro anbietet, sieht aus wie ein normaler Stereokopfhörer. So stehts auch auf der Verpackung. Wer genauer hinschaut, erkennt rechteckige Tasten auf der rechten Ohrmuschel und liest die klein gedruckten Worte „mit eingebautem MP3 Player“. Jetzt dürfte Freude aufkommen bei allen Kabelhassern: Kein Gefummel mehr zwischen Kopfhörer und MP3-Player. Doch es könnte schnell vorbei sein mit der Freude: Wenn der Kopfhörer drückt, schlecht klingt und der eingebaute Player seine Macken hat. test.de hat das Medion-Gerät für den Schnelltest aufgesetzt.

Gefangen in der Muschel

Der von Aldi Nord angebotene Stereokopfhörer ist auf dem MP3-Player-Markt ein recht neues Produkt. JVC bietet mit dem XA-A55CLE ein ähnliches und rund doppelt teures Produkt an. Nachteil solcher Modelle: Der Kopfhörer hat keinen Line-Out-Ausgang. Das bedeutet: Der eingebaute MP3-Player kann ausschließlich über den jeweiligen Kopfhörer genutzt werden. Hat der Kopfhörer schlechte Qualität oder geht er kaputt, bringt der MP3-Player dem Kunden wenig. Deshalb geht's beim Schnelltest gleich ans Eingemachte: den Kopfhörer.

Wenig Bass und Höhen im Ohr

Der Vorteil von Kopfhörern im Gegensatz zu Ohrstöpseln ist normalerweise, dass sie Bässe besser wiedergeben können. Genau hier liegt das Problem des Medion-Geräts: Der Kopfhörer hat schwache Bässe - gerade für Popmusik wären diese wünschenswert. Aber auch die Höhen kommen nicht genügend heraus. Die im Klangspektrum mittigen Töne klingen manchmal verfärbt. Der Kopfhörer hat insgesamt nur mittelmäßige Klangqualität. Im Vergleich zu den meisten Ohrstöpseln, die MP3-Playern üblicherweise beiliegen, ist ihr Klang allerdings immer noch besser.

Etwas lahm und wenig Speicher

Der Musiktransfer ist denkbar einfach: Aldi-Kunden schließen ihren Kopfhörer mit dem beiliegenden und etwas zu kurz geratenen USB-Kabel an ihren Rechner. Windows ME/2000/XP erkennt das Gerät als Wechseldatenträger. Dann können die MP3- oder WMA-Dateien einfach vom Explorer auf den Wechseldatenträger gezogen werden. Da Medion den Player nur mit einer USB-1.1-Schnittstelle ausgerüstet hat, ist der Transfer etwas lahm. Je nach Rechner dauert das Übertragen von 100 Megabyte schon mal knapp fünf Minuten. Der Kopfhörerspeicher ist relativ rasch ausgeschöpft. 256 Megabyte sind mittlerweile als Speicher etwas wenig - Standard sind zurzeit 512 Megabyte.

Zwischen Titelsprung und Lautstärke

Da der Musikfan während des Hörens die Tasten nicht sehen kann, muss er diese erfühlen können, damit er weiß, welcher Knopf welche Funktion hat. Die drei rechteckigen und eine runde Taste lassen sich gut ertasten und auseinander halten. Das Problem ist nur: Sie sind doppelt belegt - Einmaliges, kurzes Drücken und gedrückt Halten. Beispiel: Auf jeweils einer Taste liegt zum Beispiel Titel-Sprung (vor / zurück) und Lautstärke (laut / leise). Mit gedrückter Taste kann der Nutzer laut beziehungsweise leiser stellen. Nachteil: Da einmaliges Drücken Titel-Sprung bedeutet, „wartet“ der Player erst ab, ob die Taste nicht länger gedrückt wird. Dadurch reagiert der Player etwas später und verändert dann aber relativ rasch die Lautstärke. Durch diesen Effekt lässt sich die Lautstärke nicht genau einstellen. Zudem springt man aus Versehen immer mal wieder zum nächsten Titel, weil der Tastendruck zu kurz war.

Nichts für Dickköpfe

Der Kopfhörer hat kein Display. Ein bestimmter Titel lässt sich nur finden, indem der Nutzer von Titel zu Titel vor oder zurück springt. Sehr ungewöhnlich: Nach jedem „Skip“ blendet das Medion-Gerät den aktuellen Titel aus. Nett gemeint - nicht weit gedacht. Wer schnell zu seinem Lieblingssong vorankommen will, ist von den Fadeouts schnell genervt. Was übrigens nicht geht: Spontanes Löschen von Songs, um die Titelsprünge zu vermeiden. Im Pausen- und Bereitschaftsmodus schaltet sich der MP3-Kopfhörer nach 30 Sekunden ab. Der Kopfhörer lässt sich nicht auf verschiedene Ohr- und Kopfgrößen einstellen. Bei größeren Kopf- und Ohrformen kann der Bügel daher an Kopf und Ohren drücken. Der feste Sitz hat allerdings den Vorteil, dass der Kopfhörer beim Joggen in der Regel gut hält. Auch das Gewicht ist dabei okay.

Komplizierte Sprache

Das Mediongerät hat auch eine Aufnahmefunktion. Sie ist für Sprachnotizen gedacht. Die Qualität ist bescheiden. Die Handhabung der Sprachfunktion ist noch bescheidener. Ohne Display und mit der fehlerhaften Bedienungsanleitung dauert es eine gewisse Zeit, bis der Nutzer die eigenen Worte aufnehmen und wiedergeben kann. So beschreibt Medion zum Beispiel nicht korrekt, wie die Aufnahme beendet wird. Und nur die Farbe der LED-Anzeige signalisiert dem Nutzer, in welchem Betriebszustand sich das Gerät befindet. Keine Frage: Die Aufnahmefunktion funktioniert - wenn auch sehr umständlich.

Rot und grün verwechselt

Die Bedienungsanleitung ist komplett in deutsch und ist recht übersichtlich und bis auf Ausnahmen detailliert geschrieben. Sie enthält allerdings auch Fehler: So wird des öfteren bei der Beschreibung des LED-Anzeige-Status rot und grün verwechselt. Das kann den Nutzer verwirren, wenn er sich strikt an die Anleitung hält. Zum Schluss noch eine kleine Schwäche, auf die Stiftung Warentest in den MP3-Player-Tests generell hinweist: Das Medion-Gerät hat einen eingebauten, nicht auswechselbaren Akku. Der hält zwar 8,5 Stunden. Doch wenn der Akku irgendwann in die Knie geht, ist auch das Gerät nicht mehr zu gebrauchen. Auswechselbare Akkus sind da die bessere Wahl.

Dieser Artikel ist hilfreich. 577 Nutzer finden das hilfreich.