„Lunchtime-Beauty“ Meldung

Aus den USA ist wieder ein neuer Trend über den Teich geschwappt: Lunchtime-Lifts. Statt zum Imbiss führt der Weg in der Mittagspause zum Schönheitschirurgen. Der lasert mal eben die Falten und die Altersflecken weg oder polstert die Lippen auf.

Für jede Falte gibt es eine Idealtherapie“, sagt Dr. Udo Janssen. Der Arzt am Zentrum für Plastisch-Ästhetische Lasermedizin in Berlin kennt einige Verschönerungsverfahren, die nicht länger dauern als eine ausgedehnte Mittagspause. Wenn alles glatt geht, hinterlassen diese Behandlungen selbst unmittelbar danach kaum auffällige Spuren, sodass die Kunden anschließend wieder ins Büro zurückkehren können. „Es gibt Patienten, die kommen aus einer Besprechung und gehen hinterher direkt wieder rein“, bestätigt Dr. Angelika Langford, Professorin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Virchow-Klinikums Berlin.

Wunderwaffe Laser

„Lunchtime-Beauty“ Meldung

Vorher - nachher.

Möglich machts der Laser. „Ohne größeren Aufwand und ohne großes Risiko“, so Udo Janssen, lassen sich damit Altersflecken, unerwünschte Haare, Leberflecken, Tattoos und Permanent-Make-ups entfernen. Übrigens: „Die Frauen sind zwar noch in der Überzahl, aber die Männer holen in sämtlichen Laserbehandlungen auf“, beobachtet Janssen.

Speziell gegen Falten wurde am Virchow-Klinikum die Methode der „Lunchtime-Beauty“ entwickelt. Sie könnte das Resurfacing ersetzen, bei dem mit einem Kohlendioxid-Laser die gesamte obere Hautschicht abgetragen wird. Bis die nässenden Wunden, Rötungen und Schwellungen abgeklungen sind, dauert es rund zwei Wochen. Erst dann sind die äußere Hülle und die Gesellschaftsfähigkeit wieder hergestellt. Anders bei der „Lunchtime-Beauty“. Nach Auskunft der Lasermediziner dringen die speziellen Wellenlängen des Lasers spurlos durch die Hautoberfläche wie Licht durch Fensterglas, während in den tieferen Schichten die Kollagenbildung angeregt wird. Infolge dieser Laserimpulse erweitern sich die Blutgefäße. Die Haut sieht also schon deshalb frischer aus, weil sie besser durchblutet ist. Der Haupteffekt spielt sich aber im Bindegewebe ab. Angelika Langford beschreibt die Wirkungsweise: „Immunstoffe treten aus, aktivierte Immunzellen durchforsten das Gewebe und regen die Tätigkeit der Bindegewebszellen an. Hierdurch wird die natürliche Hauterneuerung beschleunigt.“

Der Nachteil: Eine Behandlung reicht in der Regel nicht aus. Um denselben Effekt wie beim CO2-Skin-Resurfacing zu erzielen, sollte der Patient sechs bis zehn Mittagspausen einplanen. Die meisten sind aber auch schon mit dem Ergebnis von drei bis fünf Behandlungen zufrieden. Wenn sie das ganze Gesicht behandeln lassen, sind sie pro Sitzung um 500 Euro ärmer. Für einzelne Partien liegt der Preis zwischen 100 und 260 Euro.

Eine Wunderwaffe gegen die Hautalterung ist die „Lunchtime-Beauty“ nicht. Ein bereits stark erschlafftes Gesicht wird auch weiterhin komplexer behandelt werden müssen. Doch: „Ein Face-Lift kann damit nach hinten verschoben werden“, sagt Angelika Langford.

Irgendwann hilft auch die beste Lasertechnik nicht mehr. Zwar regt sie die Kollagenbildung an, doch der Körper produziert in diesem Fall nur „Reparatur“-Kollagen: „Die Haut wird dadurch nicht dicker. Ich kriege sie glatt, aber die Elastizität kommt nicht zurück“, sagt Professor Dr. Hans-Peter Berlien, Chefarzt der Klinik für Lasermedizin im Klinikum Berlin-Neukölln. So kann es zu maskenhaften Effekten kommen. Auch Pigmentveränderungen sind nicht auszuschließen.

Risiko Narbenbildung

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Vorher - nachher.
Die Aufnahmen entstanden in der Klinik für Plastische Gesichtschirurgie der Charité, Berlin (Virchow-Klinikum).

„Jede Laserbehandlung soll eine lang anhaltende Veränderung bewirken und kann damit auch dauerhafte Nebenwirkungen zur Folge haben“, warnt Berlien. Die Kühlung an der Haut – meist wird mit Kälteschocks zu den Laserimpulsen gearbeitet – biete keinen 100-prozentigen Schutz gegen Verbrennungen. Zwar seien die Soft-Lift-Methoden lange nicht so reich an Nebenwirkungen wie das Resurfacing, aber: „Jedes Risiko einer Narbenbildung bedeutet eine Verschlechterung gegenüber vorher. Dieser Preis ist einfach zu hoch“, begründet der Laserspezialist seine Skepsis gegenüber derartigen Faltenbehandlungen.

Bei Besenreisern, Alterswarzen, Pigmentflecken oder Couperose (sichtbaren Äderchen) setzt Berlien den Laser dagegen sehr gern ein. Einmal entfernt, wachsen die Störenfriede nicht wieder nach. Das Ergebnis ist dauerhaft. „Eine Veranlagung kann ich jedoch nicht weglasern“, schränkt Udo Janssen ein. So kann es sein, dass das Übel an anderer Stelle wiederkommt. Für Berlien, der die Entwicklung der Lasertechnik von ihren Kinderschuhen an verfolgt und mitgestaltet hat, ist der Laser auf diesem Gebiet allen anderen Instrumenten überlegen: „Der Nutzen liegt in der Einfachheit der Anwendung, aber genau darin liegt auch die Gefahr. Die einfache Anwendung verleitet zum leichtfertigen und laienhaften Einsatz.“

Ob ein Arzt das Lasern beherrscht, ist für die Patienten derzeit noch schwer zu erkennen. Ein neuer, europaweit anerkannter Aufbaustudiengang in Greifswald soll für die Zukunft Orientierung bieten. Wer dann den Titel „Bachelor for Lasermedicine“ trägt, hat zwei Jahre lang die fachgerechte Handhabung der Geräte erlernt. Bisher können Spezialisten nur bei den Fachgesellschaften erfragt werden.

Klassiker Kollagen und Co.

Die sanfte Laserbehandlung am Virchow-Klinikum findet großen Anklang. Seit das Angebot im Frühjahr 1999 startete, haben etwa 800 Menschen die „Lunchtime-Beauty“ zur Faltenglättung in Anspruch genommen. Doch auch die traditionellen Methoden der Faltenunterspritzung stehen noch hoch im Kurs: Ob mit Kollagen, Hyaluronsäure oder Botox – die Ärzte haben im Kampf gegen Falten einiges zu bieten.

Kollagen und Hyaluronsäure kommen ohnehin im Körper vor. Welche Substanz im Einzelfall die geeignetere Wahl ist, muss mit dem Arzt besprochen werden. Zu kosmetischen Zwecken wird Hyaluronsäure, eine Zuckerverbindung, meist aus Pflanzen gewonnen. Kollagen hat seinen Ursprung überwiegend in der Rinderhaut. Nach Einschätzung von Experten braucht man keine Angst vor BSE zu haben – die Prozedur der Kollagengewinnung sei derart aufwendig, dass eventuelle BSE-Erreger keine Überlebenschance hätten.

Auch wenn es sich bei beiden Substanzen um körperverwandte Stoffe handelt, sind allergische Reaktionen möglich. Selbst ein Allergietest kann keine absolute Sicherheit bringen, denn manchmal entwickelt sich die Sensibilität erst ein halbes Jahr später. Die Unterfütterung mit Kollagen oder Hyaluronsäure hält den Zahn der Zeit nur vorübergehend auf. Nach rund einem halben Jahr hat der Körper die Substanzen abgebaut. Dann muss nachgepolstert werden.

So auch bei einer Botox-Injektion. In der Regel muss sie nach vier bis acht Monaten wiederholt werden. Botulinum Toxin A, so der komplette Name der Ehrfurcht einflößenden Substanz, wird in der Medizin schon lange verwendet, zum Beispiel zur Behandlung von Spasmen oder übermäßiger Schweißproduktion. Es ist ein Nervengift und deshalb auch für die biologische Kriegsführung interessant. Für kosmetische Zwecke kommen allerdings nur mikroskopisch kleine Dosen zum Einsatz. Botox lähmt vorübergehend den Muskel, der für die Mimikfalten verantwortlich ist. Unwillkürliche Reflexbewegungen, wie das Zusammenziehen der Augenbrauen, das die berühmte Zornesfalte auf der Stirn hervorruft, finden nicht mehr statt. Botox wirkt allerdings nicht bei jedem. Manche Menschen produzieren schon bei der ersten Behandlung Antikörper gegen das Gift.

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