Luft­entfeuchter Was sie leisten – und was nicht

24.08.2021
Luft­entfeuchter - Was sie leisten – und was nicht
Behälter. Das Wasser muss immer wieder entleert werden. © picture alliance / Shotshop / Iordache Magdalena

Klein, praktisch, effektiv: Ist es im Wohn­raum oder Keller zu feucht, können Luft­entfeuchter helfen. Die Ursachen bekämpfen sie nicht. Die Stiftung Warentest klärt auf.

Warum ist hohe Luft­feuchtig­keit in Räumen ein Problem?

Auch ohne Stark­regen oder massiven Wasser­einbruch: Ist die Luft­feuchtig­keit in Wohn­räumen über einen längeren Zeitraum zu hoch, drohen Gesund­heits­gefahren. Als ideal gilt eine relative Luft­feuchtig­keit von 40 bis 60 Prozent und maximal acht Gramm Wasser pro Kubik­meter Raum­luft (absolute Feuchte).

Die wichtigste Ursache für das Wachs­tum von Schimmelpilzen in Gebäuden ist erhöhte Feuchtig­keit. Fürs Schimmelpilz­wachs­tum genügt eine relative Luft­feuchte von 70 bis 80 Prozent über wenige Tage. „Dabei ist die relative Luft­feuchtig­keit abhängig von der Temperatur“, sagt der Bausach­verständige Karl-Heinz Rosenkranz. “Wo es wärmer ist, ist es in der Regel auch feuchter.“

Wann reicht Lüften nicht?

Keller sind je nach Bauart aufgrund sommerlicher Kondensation besonders gefährdet. Kondens­wasser kann sich etwa durch mangelhafte Abdichtungen sammeln. Dringt Wasser ein, kühlen diese Stellen aufgrund der Verduns­tungs­kälte stärker als die übrigen Stellen ab.

An der Innenseite kalter Außenwände sollte die Luft daher möglichst gut zirkulieren können. Tipp: Schränke am besten einige Zenti­meter von der Wand abrü­cken und auf Füße stellen.

Nicht immer genügt Lüften. An schwülwarmen Tagen kann es sogar schaden. Die Flüssig­keit aus der feucht­warmen Außen­luft kondensiert, sobald sie auf die kalten Kellerwände trifft.

Wie funk­tionieren Luft­entfeuchter?

Die meisten Geräte arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie ein Kühlschrank. Ein Kompressor verdichtet zunächst ein Kühlgas, das in einem Verdampfer einen Wärmetauscher abkühlt. Über diesen Wärmetauscher wird mit einem Ventilator die feuchte Raum­luft geleitet, die dort an diesem kalten Bauteil kondensiert und in den darunter­liegenden Behälter abtropft.

Luft­entfeuchter - Was sie leisten – und was nicht
Hat Feuchtig­keit und Schimmel­bildung den Kampf angesagt: der Bausach­verständige Karl-Heinz Rosenkranz. © http://remussirion.deviantart.com/

Das Wasser kann in einem Behälter aufgefangen werden. „Im Prinzip arbeiten kleine Geräte nicht anders als professionelle Bautrockner“, sagt Fachmann Karl-Heinz Rosenkranz. Die Regel­technik sei anspruchs­voller. Aber in großen Räumen seien drei kleine Geräte ohnehin sinn­voller als ein großes. Bei der professionellen Bautrock­nung werde zudem zusätzliche Wärme einge­setzt, etwa mittels Infrarotheizplatten.

Worauf achten?

Die Zielfeuchtig­keit sollte möglichst einstell­bar sein, im besten Fall als eine bestimmte Prozent­zahl. Einige Geräte haben das nicht. Andere haben zwar eine Zielzahl, verraten sie aber nicht, weil nur Stufen angegeben sind. „Prinzipiell sollten Sie so lange trocknen, bis Wand und Raumklima im Ausgleich sind“, sagt Experte Karl-Heinz Rosenkranz. „Dabei sollten Sie die Feuchtig­keit aus der Luft entziehen, das ist wichtig“, meint er. „Die Mauern trocknen nach.“

Wählen Sie den Entfeuchter passend zur Raumgröße aus. Dabei die Raumhöhe beachten, einige geben lediglich die Quadrat­meterzahl an. Tipp von Profi Rosenkranz: „Die Wasser­schale des Luft­entfeuchters sollte nach etwa einem Tag voll sein. Ist sie bereits schneller voll, ist die Kapazität möglicher­weise zu gering. Dann sollten Sie ein zusätzliches Gerät nutzen.“

Tags­über unbe­dingt die Fenster geschlossen halten. „Vor allem im Sommer“, rät der Experte. Auch nachts sollten Luft­entfeuchter weiterlaufen, rät Rosenkranz. „Unter­brechungen, die das Gerät aufgrund der voreinge­stellten Trock­nungs­schwelle selbst steuert, sind okay“, sagt Rosenkranz. Eigenhändiges Abschalten, etwa des Geräusches wegen, sei dagegen eher kontraproduktiv. Und auch die Jahres­zeit sei wichtig: „Je kälter es ist, desto weniger produktiv sind die Geräte“, so der Experte.

Tipp: Lassen Sie groß­flächigen Schimmelbefall zuerst beseitigen. Luft­entfeuchter entziehen Feuchtig­keit, bekämpfen aber nicht die Ursachen. Experten finden Sie über die Verbraucherzentralen, Netz­werke wie das Landesnetzwerk Schimmelberatung NRW oder die Industrie- und Handelskammern.

24.08.2021
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