Lost and Found Special

Wert­voller Fund. Der Finder muss die Börse abgeben. Tut er das nicht, macht er sich strafbar. Ein Handy-Finder in Franken musste zum Beispiel 1 500 Euro Strafe zahlen.

Wenn Schlüssel, Bank­karte, Ausweis oder Handy weg sind, ist einiges zu tun. Findern steht oft eine Belohnung zu. Finanztest erklärt, was nach einem Verlust zu tun ist, wie Wert­sachen wieder zu ihren Eigentümern kommen – und warum Fund­unter­schlagung kein Kavaliers­delikt ist.

Liegengelassen, verloren, geklaut?

Der Mann aus Köln hatte eine Jeans anpro­biert. Doch im Kauf­haus ließ er bei seinem Bummel im Jahr 2014 nicht nur die Beinkleider zurück, die nicht passten, sondern auch sein Smartphone. Ein Malheur dieser Art ist fast jedem schon einmal passiert. Mal bleibt die Geldbörse in der U-Bahn liegen, mal fällt der Schlüssel­bund mit den abge­tragenen Kleidern in den Altkleidercontainer. Oft lässt sich im Nach­hinein nicht mehr fest­stellen, ob sich Lang­finger an den Wert­sachen bedient haben oder ob ihr Besitzer sie aus Unacht­samkeit irgendwo vergessen hat.

So schnell wie möglich handeln

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Der Audio-Podcast: Was beim Verlust von Wert­sachen zu tun ist.

Wer einen Verlust bemerkt, sollte in jedem Fall schnell reagieren. Nur so lassen sich die Kosten in Grenzen halten, die unehr­liche Zeitgenossen durch ihre Einkäufe, Zahlungen und Telefon­anrufe auflaufen lassen. Richter verlangen viel Sorgfalt von den Eigentümern der verschwundenen Dinge. Heben Diebe kurz nach ihrer Tat schon Geld mit der Girocard und der Geheimzahl am Geld­automaten ab, gehen Richter davon aus, dass die Pin zusammen mit der Karte aufbewahrt wurde (Bundes­gerichts­hof, Az. XI ZR 210/03). Die Bestohlenen bleiben auf dem Schaden sitzen. Wer sich schon vor einem Verlust erkundigt hat, was er im Ernst­fall zu tun hat, spart wert­volle Zeit – und Nerven (siehe So kommen Wertsachen rasch wieder zu ihrem Eigentümer). Zum Glück ist eine Sperrung in vielen Fällen einfach, vor allem bei Bank­karten.

Zentraler Sperr­notruf für viele Fälle

Über den zentralen Sperr­notruf 116 116 lassen sich viele Bank­karten und sogar einige andere Karten telefo­nisch lahmlegen. Das funk­tioniert auch aus dem Ausland, wenn die Länder­vorwahl für Deutsch­land voran­gestellt wird. In der Regel ist das die 0049. Auch die elektronische Funk­tion des neuen Personal­ausweises lässt sich so sperren. Ist die eID-Funk­tion akti­viert, soll ein sicherer Identitäts­nach­weis per Internet möglich sein. Sogar Behördengänge sollen über­flüssig werden. Das ist praktisch, aber gefähr­lich, wenn die eID in falsche Hände gerät.

Diebstahl bei der Polizei anzeigen

Gibt es Grund zur Annahme, dass Diebe ihre Hände im Spiel hatten, ist eine Anzeige bei der Polizei sinn­voll. Bei Auto­schlüsseln und Geldkarten legen die Versicherungs­gesell­schaften und die Karten­heraus­geber oft Wert darauf. Verschwinden Personal­ausweis oder Pass, ist es gesetzliche Pflicht, den Verlust unver­züglich bei der Pass­behörde zu melden. Dort müssen Eigentümer die Papiere auch vorlegen, wenn sie wieder auftauchen.

Online­suche nach Fund­stücken

Lässt sich am vermuteten Verlustort keine Spur von Handy oder Geldbörse entdecken, beginnt die Suche über offizielle Fund­stellen. Das zentrale Fundbüro einer Stadt ist oft die beste Anlauf­stelle. Das gilt allerdings nicht, wenn ein Gegen­stand in den öffent­lichen Verkehrs­mitteln, am Flughafen oder in einer Behörde abhanden gekommen ist. Die Verkehrs­betriebe, die Bahn und die Flughäfen und Behörden haben eigene Stellen für Fundsachen. Wer etwas sucht, muss nicht alle Stellen persönlich abklappern. Fund­stücke lassen sich auch über telefo­nische Anfragen und eine Online­suche abfragen. Dennoch ist Geduld gefragt. Denn es dauert bis zu vier Wochen, bis ein Fund­stück im Fundbüro ankommt. Es lohnt sich, mehr­fach zu fragen.

Fund­unter­schlagung ist strafbar

Finder dürfen laut Gesetz nur Gegen­stände mit einem Wert von weniger als 10 Euro behalten. Wert­vollere Funde müssen sie so schnell wie möglich in einem Fundbüro, bei der Polizei oder im Bürger­amt melden. Tun sie das nicht, machen sie sich strafbar. Bis zu drei Jahren Haft oder eine Geld­strafe sieht Paragraf 264 des Strafgesetz­buchs für die Unter­schlagung eines Fundes vor. Sogar der Versuch der Unter­schlagung ist strafbar.

1500 Euro Geld­strafe

Das ist keinesfalls nur Theorie. Ein Handy-Finder aus Franken musste 1 500 Euro Geld­strafe zahlen, weil er nachts auf einem Fest ein Mobiltelefon einge­steckt und wochen­lang in seiner Wohnung liegen lassen hatte. Der Eigentümer meldete es in der Zwischen­zeit als gestohlen und nannte dabei auch die 15-stel­lige Serien­nummer „Interna­tional Mobile Station Equipment Identity“ (IMEI) des Geräts. Das erleichterte die Rück­gabe an ihn, als die Polizei das Handy später fand.

Fund unver­züglich melden

Einen Strafbefehl über 800 Euro sollte der junge Mann bezahlen, der das Handy im Kauf­haus in Köln fand, das der Jeans­käufer verloren hatte. Er hatte den Fund nicht unver­züglich ange­zeigt und das Handy wurde schließ­lich bei ihm geortet. Nur weil er vor Gericht darlegte, dass er wegen gesundheitlicher Probleme nicht schneller handeln konnte, wurde er schließ­lich frei­gesprochen.

Finder­lohn geltend machen

Auf der sicheren Seite sind Finder, wenn sie sich eine Bestätigung geben lassen, dass sie den Fund abge­geben haben. Sie sollten auch ihre Adresse hinterlassen. Denn nur so können sie Finder­lohn geltend machen. Die Höhe des Finder­lohns ist gesetzlich geregelt: Ist eine Fundsache bis zu 500 Euro wert, beträgt der Finder­lohn 5 Prozent davon. Bei teureren Gegen­ständen sind es 3 Prozent. Geringere Sätze gelten bei Funden in öffent­lichen Verkehrs­mitteln oder in Behörden. Dort muss ein Fund­stück in der Regel mindestens 50 Euro wert sein, bevor der Finder über­haupt etwas bekommt. Außerdem erhält er nur die Hälfte des sonst vorgesehenen Lohns.

Freiwil­lig gezahlte Belohnung

Schwierig wird es bei Fund­stücken, die keinen materiellen Wert haben. Es ist in solchen Fällen fair, wenn die Eigentümer freiwil­lig eine Belohnung zahlen, sobald sie ihre Sachen wieder in den Händen halten. Oft bieten sie zum Beispiel schon in Such­anzeigen eine solche Zahlung an, wenn sie noch gar nicht wissen, ob ihr gutes Stück wieder auftauchen wird.

Software half beim Orten des Handys

Der Kölner Jeans­käufer hatte sich mehr als sorgfältig auf den Ernst­fall vorbereitet und wäre wohl auch dann wieder an sein Smartphone gekommen, wenn der Finder nicht vorgehabt hätte, es abzu­geben. Der Software­experte hatte auf sein Handy ein Spezial­programm herunter­geladen, das nicht nur die Position orten konnte. Es sorgte zudem dafür, dass ein fremder Benutzer Fahndungs­fotos von sich selbst anfertigte. Die Kamera schoss auto­matisch ein Bild von ihm, sobald dieser einen falschen Pin-Code eingab und über­mittelte es an den Rechner des Handy-Eigentümers.

Tipp: Die meisten Sicher­heits-Apps können das Handy nicht nur online orten, sperren und löschen, sondern auch per SMS. Das klappt auch dann, wenn das Smartphone keine Internet­verbindung hat, aber im Mobil­funk­netz einge­loggt ist, etwa im Ausland. Die Stiftung Warentest hat aktuell Sicherheits-Apps getestet. Ergebnis: 5 von 13 Programmen schützen zuver­lässig.

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