Lohn­erhöhung Special

Sie bekommen mehr Gehalt und wundern sich, dass davon nicht viel bei Ihnen ankommt? Das können Sie ändern. Bedingung ist, dass Ihr Chef mitmacht. Steuern und Sozial­abgaben lassen sich zum Beispiel sparen, wenn Sie die Lohn­erhöhung in die geförderte Alters­vorsorge des Betriebs investieren. Es gibt aber noch viele andere Möglich­keiten, zu sparen. Sie könnten sich vom Chef statt einer Sonderzahlung einen Laptop und ein Smartphone schenken lassen. Checken Sie selbst, ob das lohnt.

Nach Lohn­erhöhung folgt oft die Enttäuschung

In Deutsch­land profitieren Arbeitnehmer dieses Jahr von der guten Wirt­schafts­lage. Mehr als 3 Prozent Lohn­erhöhung sind in vielen Branchen drin. Doch das Ergebnis nach Steuern und Sozial­abgaben ist oft enttäuschend Tabelle.

  • Beispiel: Verdient ein gesetzlich versicherter Single in Steuerklasse I brutto 50 000 Euro und erhält er 1 500 Euro (3 Prozent) mehr Gehalt, steigt sein Netto um 782 Euro. Von der Brutto­erhöhung bekommt er nur 52 Prozent ausgezahlt.

Finanztest-Projektleiterin Heike N. will solche Abzüge vermeiden. Statt einer Sonderzahlung von 1 100 Euro lässt sie sich vom Arbeit­geber lieber einen Laptop und ein Smartphone im Wert von 1 100 Euro schenken, Arbeitgeberleistungen. So spart die Mutter eines Sohnes in Steuerklasse II 534 Euro Steuern und Sozial­abgaben. Die Ersparnis ist optimal, weil die Firma 25 Prozent Pauschal­steuer für das Geschenk im Wert von 1 100 Euro über­nimmt. In unserer Rechnung ist außerdem berück­sichtigt, dass der Entlastungs­betrag für Allein­erziehende und der Grund­frei­betrag, bis zu dem Einkommen bei jedem steuerfrei sind, dieses Jahr rück­wirkend steigen, Special Steueränderungen, Finanztest 8/2015.

Kalte Progression: Steu­ersatz von 14 bis 42 Prozent

Vor allem die Steuer­abzüge sind oft happig, denn mit zunehmendem Gehalt steigt der Steuer­tarif lange steil an. Gleichen Tarif­ver­einbarungen nur die gestiegenen Lebens­haltungs­kosten aus, können Arbeitnehmer sich vom Netto­lohn hinterher real sogar weniger kaufen als vorher. Sie werden zum Opfer der sogenannten „kalten Progression“. Kalte Progression bedeutet: Ober­halb des geplanten Grund­frei­betrags von 8 472 Euro greift das Finanz­amt zu, der Steu­ersatz steigt von 14 Prozent auf 42 Prozent an. Erst wenn Arbeitnehmer 2015 mehr als 52 881 Euro versteuern, erhält das Finanz­amt von höheren Einkommen lange gleich­bleibend 42 Prozent. Ehepaare und gesetzliche Lebens­partner versteuern Einkommen ober­halb von 105 763 Euro mit 42 Prozent.

  • Beispiel: Verdient ein allein­stehender Arbeitnehmer in den west­lichen Bundes­ländern dieses Jahr 70 000 Euro brutto, versteuert er 60 434 Euro im Steuer­bescheid für 2015, wenn nur die üblichen Steuerpauschalen und Versicherungs­beiträge abgehen. Für eine Lohn­erhöhung von 2 100 Euro (3 Prozent) zahlt er zusätzlich 878 Euro Einkommensteuer und Solidaritäts­zuschlag. Nach Steuern hat er netto nur 1 222 Euro (58 Prozent) mehr Gehalt.

Unterschiedliche Sozial­abgaben

Noch weniger bleibt netto übrig, wenn für Lohn­erhöhungen auch Sozial­abgaben anfallen. Ob das der Fall ist, hängt vom Brutto­verdienst ab und davon, ob der Wohn­sitz in den alten oder neuen Bundes­ländern liegt.

Renten-/Arbeits­losen­versicherung. Beiträge für die gesetzliche Renten- und Arbeits­losen­versicherung sind in den west­lichen Bundes­ländern, wo Heike N. arbeitet, bis 72 600 Euro brutto fällig. Im Osten beträgt die Grenze 62 400 Euro.

  • Beispiel: In Dresden zahlen Allein­stehende mit 70 000 Euro brutto in Steuerklasse I für eine Erhöhung von 2 100 Euro keine Sozial­abgaben. So haben sie netto nach Steuern 1 169 Euro (56 Prozent) zur Verfügung. In Hamburg kommen zu den Steuern von 878 Euro noch 196,35 Euro (9,35 Prozent) gesetzlicher Renten­versicherungs­beitrag und 31,50 Euro (1,5 Prozent) Arbeits­losenbeitrag. Zusammen betragen die Abgaben 1 106 Euro. Auf dem Konto in Hamburg landen deshalb netto nur 994 Euro (rund 47 Prozent).

Kranken- und Pflege­versicherung. Verdienen Arbeitnehmer nach einer Lohn­erhöhung maximal 49 500 Euro Brutto­lohn, zahlen sie auch Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge – unabhängig vom Wohn­ort.

  • Beispiel: Eine Frau mit 40 000 Euro Brutto­lohn und Steuerklasse I muss für eine Lohn­erhöhung von 1 200 Euro neben 357 Euro Steuern und 130 Euro Renten- und Arbeits­losenbeitrag auch 115 Euro für die Kranken- und Pflege­versicherung aufbringen. Sie behält von der Erhöhung netto nur 598 Euro (rund 50 Prozent). Bei einer außer­tariflichen Erhöhung oder Sonderzahlung sind viele Arbeitnehmer – wie Heike N.– deshalb mit Extra­leistungen besser bedient.

Entlastung ab 2016

Auch künftig werden die Abzüge von Lohn­erhöhungen hoch sein. Zurzeit sind zwar zumindest keine Verluste des Real­lohns zu befürchten, weil die Gehälter stärker als die Lebens­haltungs­kosten steigen. Doch die Verbraucher­preise ziehen wieder an. Da passt es gut, dass der Bundes­finanz­minister ab 2016 die kalte Progression entschärft hat. Der Steu­ersatz für Lohn­erhöhungen steigt etwas weniger steil an. Auch der Grund­frei­betrag, bis zu dem Einkommen bei jedem steuerfrei sind, wird höher als dieses Jahr sein. Üppig ist die Steuerersparnis aber nicht: Steueränderungen: Alle zahlen weniger

  • Beispiel: Der Single mit 50 000 Euro Brutto­lohn in Steuerklasse I aus dem ersten Beispiel in unserer Geschichte zahlt für eine Gehalts­erhöhung von 3 Prozent mit dem für 2016 geplanten Einkommensteuer­tarif nur 5,27 Euro weniger Steuern und Solidaritäts­zuschlag, wenn die Sozial­abgaben gleich bleiben. Hat der Single 30 000 Euro oder 70 000 Euro Brutto­lohn beträgt seine Ersparnis lediglich 1,06 Euro.

Investiert der Mann die Lohn­erhöhung in die geförderte Alters­vorsorge des Betriebs, zahlt er für das Geld dagegen weder Steuern noch Sozial­abgaben. Das ändert sich erst, wenn er die Rente im Alter bezieht. Dann ist der volle Betrag steuer- und sozial­abgaben­pflichtig.

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