Live Stream Meldung

Viele Fußball­fans nutzen Live-Streaming, um schon vor der ARD-Sport­schau ein Spiel ihres Lieblings­ver­eins online zu sehen. Bislang bewegten sie sich in einer recht­lichen Grauzone. Jetzt hat der Europäische Gerichts­hof (EuGH) geur­teilt. Im Gespräch mit test.de ordnet Christian Solm­ecke, Rechts­anwalt und Experte für Medien- und IT-Recht, die neue Rechts­lage ein und erklärt, wann Nutzer sich illegal verhalten.

Beim Streaming werden Inhalte nicht dauer­haft gespeichert

Live Stream Meldung

Christian Solm­ecke

Dass Filesharing über Internettauschbörsen strafbar ist, dürfte sich mitt­lerweile herum­gesprochen haben (siehe Meldung Warum Eltern manchmal doch für Kinder haften). Doch wie sieht es mit Echt­zeit­über­tragungen im Internet aus? Über zahlreiche ausländische Websites wie liveTV.sx oder laola1.tv können Fußball­fans Spiele per Live-Streaming im Internet anschauen. Hierbei werden Audio- oder Video­dateien zwar auf den heimischen PC über­tragen, anders als beim Download aber nicht dauer­haft gespeichert, sondern nur vorüber­gehend im Zwischenspeicher abge­legt. Ist das legal? Wir fragen Rechts­anwalt Christian Solm­ecke.

Interview: Wann Nutzer sich illegal verhalten

Ist das Nutzen von Bundes­liga-Live-Streamings rechts­widrig?

Ja, in vielen Fällen schon. Nach der neuesten Recht­sprechung des Europäischen Gerichts­hofs vom 26. April gilt: Das Anschauen von illegalen Live-Streamings ist eine Urheber­rechts­verletzung (Az: C-527/15). Nutzer verhalten sich rechts­widrig, wenn erkenn­bar ist, dass der Stream illegal verbreitet wurde. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein Nutzer auf einer russischen Internetseite das Logo von Sky sieht. Denn der Bezahlsender Sky hat in Deutsch­land die Rechte für die Live­über­tragung von Bundes­ligaspielen.

Das heißt es drohen Abmahnungen?

Nein. Eine neue Abmahnwelle – wie wir sie im Zusammen­hang mit zahlreichen Tauschbörsen-Verfahren erleben – ist nicht zu befürchten. Abmahnen kann nur der Rechte­in­haber. Er müsste dazu aber die IP-Adressen der Nutzer kennen. Sie sind jedoch nur dem illegalen Streaming-Portal bekannt, welches meist anonym im Ausland arbeitet und außerdem häufig keine IP-Adressen speichert. Das Entdeckungs­risiko ist also sehr gering.

Gilt das für alle Streaming-Seiten?

Nein. Bei manchen Streaming-Seiten, wie etwa myp2p.ec müssen die Nutzer eine kleine Software installieren: Während sie Fußball live streamen, läuft gleich­zeitig im Hintergrund ein Programm, das das Spiels an andere Nutzer über­trägt, ähnlich wie bei einer Tauschbörse. In diesem Fall liegt ebenfalls eine Urheber­rechts­verletzung vor, weil der Nutzer die Inhalte vervielfältigt. Das Risiko entdeckt zu werden, ist hier ungemein höher.

Filme schauen im Netz

Nicht nur Sport­fans nutzen das Internet, um über­all dabei zu sein. Auch Film- und Serien­fans sind nicht mehr vom Fernseh­programm abhängig. Dank Platt­formen wie Youtube, Netflix oder Amazon können Zuschauer ihr Programm gestalten. Wie Filme aus dem Internet auf Ihren Fernseher kommen, erklären wir in unserem Special Streaming. Und wie gut das Film- und Serien­angebot im Netz ist, zeigt unser Test von acht Streamingdiensten – darunter die von Netflix, Amazon, Maxdome, iTunes und Sky.

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