Lippen­stifte Test

Klassische Stiftform oder flüssige Farbe mit Pfle­gegloss? Im Test liegen die flüssigen klar vorn. Sie halten länger als die Klassiker. Zwei über­zeugen auf ganzer Linie.

Fünf Millionen Dollar Schaden­ersatz – so teuer kann ein falsches Werbe­versprechen werden. Zumindest in den USA. Dort haben kürzlich drei Frauen Klage gegen den Kosmetik­konzern Maybelline einge­reicht. Ein Grund: Das US-Unternehmen lobt für einen seiner Lippen­stifte 14 Stunden Farb­kraft aus. Stimmt nicht, sagen die Klägerinnen. Ob sie mit ihrer Millionen-Forderung durch­kommen, ist unklar.

Was ist dran an solchen Werbeaussagen? Wir haben 14 lang­haftende Lippen­stifte getestet – klassische Lippen­stifte sowie Kombinations­produkte, die aus Lippenfarbe und einem „Topcoat“ bestehen. Das kann ein Pfle­gestift oder Gloss sein, der die Farbe versiegeln oder den Lippen Glanz und Geschmeidig­keit verleihen soll.

Auch in Deutsch­land wirbt der amerikanische Konzern Maybelline mit hehren Versprechen. Die Farbe seines Super Stay 24h soll gar bis zu 24 Stunden halten. Macht sie aber nicht. Spätestens nach 14 Stunden muss frau nach­schminken. Das gibt Minus­punkte für das Werbe­versprechen. Dennoch ist die Farbe von Maybelline eine der halt­barsten im Test. Noch besser, nämlich sehr gut, halten die drei Kombis von Kiko, Mac und MaxFactor. Kiko undMac schaffen sogar insgesamt die Note sehr gut. Schluss­lichter sind die Lippen­stifte von Catrice und Astor.

Acht Stunden sollte er halten

Lippen­stifte Test

Flüssige Farbe liegt im Test vor den klassischen Lippen­stiften.

Unabhängig vom Zeit­versprechen – acht Stunden, also etwa einen Arbeits­tag, sollte ein lang­haftender Lippen­stift schon halten. Das schafften alle Kombis. Sie haben sich auch insgesamt bei den Teste­rinnen klar durch­gesetzt. Jeweils eine Woche lang schminkten sich je Produkt 25 Probandinnen, drei Experten testeten zusätzlich. Ausgewählt haben wir klassisches Rot. Der Mac Pro Longwear Lipcolour, ausgelobt mit acht Stunden Halt, konnte im Anwendungs­test auch acht Stunden nach dem Auftragen klar über­zeugen. Damit erfüllt Mac als Einziger sein Zeit­versprechen. Die Farbe der Mono­produkte blieb meist nur vier Stunden auf den Lippen erhalten.

Auch den Kuss­test bestanden

Aber wie halten die Lippen­farben in Stress­situationen? Wir setzten sie alltags­typischen Belastungen aus. Mit geschminkten Lippen tranken zehn Probandinnen zum Beispiel Kaffee und aßen mehrere Hände voll Chips. Auch hier glänzten die Kombipro­dukte. Gerade den vier Kombis aus flüssiger Farbe machten heißer Kaffee oder fettige Chips so gut wie nichts aus. Auch den Kuss­test bestanden diese Kombis problemlos. Mehrere Küsse auf ein Kleenex-Tuch konnten ihnen fast nichts anhaben.

500 Stifte verspeist frau im Leben

Etwa 2 Kilo Lippen­stift soll eine Frau im Laufe ihres Lebens verspeisen. Bei 4 Gramm Farbe je Stift macht das 500 Stück. Da sollten die Inhalts­stoffe unbe­denk­lich sein. So kann zum Beispiel der gelbe Farb­stoff Tartrazin allergie­auslösend wirken. Wichtig für Allergiker: In der Liste der Inhalts­stoffe, der Inci, versteckt er sich hinter der Farb­nummer CI 19140. Auf 10 der 14 Produkte war Tartrazin deklariert, aber nur 6 enthielten es tatsäch­lich. Wieso? Lippen­stifte einer Serie unterscheiden sich in den Farbtönen, enthalten also unterschiedliche Farb­stoffe. Hersteller müssen nicht für jeden einzelnen Lippen­stift ein Etikett erstellen. Sie dürfen die Inhalts­stoffe gesammelt angeben. Unsere Teste­rinnen vertrugen die Lippen­stifte alle gut. Auch bei Schad­stoffen können wir beruhigen. Kein Produkt war etwa mit Nickel oder Blei belastet.

Schutz­los ausgeliefert

Bis zu 30 Euro kosten die Lippen­stifte im Test. Da wäre es ärgerlich, wenn der Stift in der Hand­tasche ausölt oder die Form verändert. Wir haben die Produkte hohen Temperaturen und Minusgraden ausgesetzt. Ob preis­wert oder teuer – nicht alle haben das problemlos über­standen.

Nicht nur ärgerlich, auch unhygie­nisch: Wenn der neugekaufte Stift bereits benutzt wurde. Wir über­prüfen auch die Originalitäts­sicherung. Nur zwei waren folien­versiegelt und somit sicher vor fremden Lippen. Die meisten steckten immerhin in einem Umkarton. Schutz­los stehen dagegen die drei preis­wertesten im Laden. Dafür gab es Punkt­abzüge im Urteil Verpackung.

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