Besondere Haltbarkeit und Pflege – das ver­heißen langhaftende Lippenstifte. Einer hält seine Versprechen „sehr gut“ ein: Maybelline Jade Superstay für 8,40 Euro.

Künstliches Rot auf Frauenlippen sieht René Koch, Berliner Visagist, auch als Ausdruck der Emanzipation: „Schließlich heißt es nicht umsonst: Mal  ’ne Lippe riskieren oder Farbe bekennen.“ Er rät: „Um gut sortiert zu sein, sollte eine Frau mindestens fünf Lippenstifte haben.“ Ob fünf, acht oder drei: Die meisten Frauen werden nicht nur einen, sondern mehrere besitzen – je nach Anlass und Garderobe. Und manche Frau geht ohne aufgetragenes Lippenrot nicht einmal bis zum Laden um die Ecke.

Was auch immer die Gründe sein mögen: Die Mehrzahl der Frauen tut es, die meisten tun es regelmäßig. Auf besonderes Interesse sto­ßen zurzeit Lippenstifte, die lange Haltbarkeit auslo­ben, sogenannte Long-lasting-Produkte. Bis zu 16 Stunden Halt verspricht zum Beispiel Maybelline Jade Superstay.

Ganz so lange hielten die 14 langhaftenden Lippenfarben im Test nicht. Nach spätestens 12 Stunden hatten die Probandinnen das Bedürfnis, die Farbe aufzufrischen. Damit halten diese Lippenfarben aber deutlich länger als „normale“ Lippenstifte. Auch in den pflegenden Eigenschaften haben sie Fortschritte gemacht. Wurden sie früher oft als austrocknend empfunden, ist die Industrie heute offensichtlich in der Lage, Lippenfarben zu produzieren, die nicht nur lange halten, sondern auch gut pflegen.

Das zeigte sich vor allem bei den neun Kombinationsprodukten. Sie bestehen meist aus flüssiger Lippenfarbe und zusätzlich dem „Topcoat“, einem farblosen Gloss oder Balsam, der im Anschluss auf die Farbe aufgetragen wird, die Lippen pflegt und ihnen mehr oder weniger Glanz verleiht. Diese Kombiprodukte werden meist mit einem Applikator, einer Art Pinsel, aufgetragen. Für René Koch „die beste Methode, um sich perfekt die Lippen zu schminken“.

Unsere Testerinnen waren meist angetan von den Long-lasting-Lippenfarben der neuen Generation. Besonders gefielen ihnen die kosmetischen Eigenschaften der Kombinationsprodukte Maybelline Jade Super­stay, Revlon Colorstay Overtime Lipcolor und Max Factor by Ellen Betrix Lipfinity. Sie pflegen nicht nur gut, sondern halten auch am längsten und hinterlassen keinerlei Farbspuren an Tassen und Gläsern. Sogar nach dem Verputzen fetthaltiger Kartoffelchips waren sie noch ansehnlich. Maybelline Jade erzielte zusätzlich noch die Bestnote für die Deckkraft.

K.o. nach vier Stunden

Die Kombiprodukte aus Farbe und Topcoat schnitten meist besser ab als die Monoprodukte, die Pflege und Haltbarkeit auf einen Streich versprechen. An deren pflegenden Eigenschaften, der Konturenfestigkeit, der Deckkraft und beim Abfärben gab es zwar ebenfalls wenig auszusetzen, doch sie verschwanden deutlich schneller als die meisten Kombis. Der Lippenstift Astor Color Last war sogar schon nach vier Stunden unansehnlich. Im Vergleich zur Testkonkurrenz bedeutet das „ausreichend“. So das Urteil der Testerinnen. Jeder Lippenstift – ausgewählt hatten wir Braun-Rosé-Töne – wurde von 30 Frauen erprobt. Sie schminkten sich damit eine Woche lang. Dabei mussten sie einen ausführlichen Fragenkatalog beantworten und alle Qualitätsmerkmale eines Lippenstifts beurteilen.

Noch stärker als die Qualität klaffen die Preise auseinander: Umgerechnet auf ein Gramm kostet das Lippenrot zwischen 45 Cent (Rossmann/Rival de Loop) und 6,10 Euro (Nivea). Dass gute Lippenstifte nicht teuer sein müssen, beweist der Spitzenreiter des Tests: Maybelline Jade Superstay kostet pro Gramm 1,75 Euro.

Viel Farbe, viel Öl

Langhaftendes Lippenrot enthält hauptsächlich Farbpigmente sowie flüchtige Öle und Silikonöle, die kurz nach dem Auftragen verdunsten. Was auf den Lippen bleibt, ist ein eher matter Farbfilm, manchmal fixiert durch Polymere. Die Monoprodukte enthalten zusätzlich Pflegestoffe. Bei den Kombiprodukten pflegen die ölhaltigen Topcoats: Werden sie aufgetragen, nachdem die Farbe gut durchge­trocknet ist, halten sie die Lippen geschmeidig und verhindern Feuchtigkeitsverluste. Zum Teil dienen sie auch als Farbfixierer. Im Endeffekt entscheidet die Gesamtrezeptur über die Qualität.

Ein ganzer Stift wird „verspeist“

Die Inhaltsstoffe müssen natürlich unbedenklich sein. Wer regelmäßig, mehrmals täglich Lippenstift benutzt, verspeist im Laufe eines Jahres ohne weiteres einen ganzen Stift so nebenbei. Kein Grund zur Sorge: Wir fanden im Test keine gesundheitsgefährdenden Substanzen. Weder Schwermetalle, die früher einmal zu Beanstandungen bei Lippenstiften führten, noch krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Falls im Einzelfall doch einmal Unverträglichkeitsreaktionen auftreten sollten, sind meist Konservierungs-, Farb- oder Aromastoffe die Verursacher. Wenn diese Substanzen enthalten sind, haben wir es in der Tabelle erwähnt. Unsere Testerinnen vertrugen die Lippenstifte jedenfalls alle problemlos. Nur René Koch ist da zurückhaltend: „Frauen mit sehr spröden, trockenen Lippen würde ich diese Farben nach wie vor nicht empfehlen.“

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