Lippen­pflege Kritische Stoffe in jedem zweiten Stift

22.02.2017
Lippen­pflege - Kritische Stoffe in jedem zweiten Stift
Schutz­bedürftig. Lippen brauchen regel­mäßig fett­reiche Pflege, damit sie geschmeidig bleiben. © Getty Images

Ob Labello oder Blistex, als Stift oder aus der Tube – viele Menschen nutzen Lippen­pflege­mittel oft und reichlich. Umso wichtiger, dass die Produkte frei von kritischen Substanzen sind. Denn über den Mund gelangen sie leicht in den Körper. Die Stiftung Warentest hat 35 Lippen­pflege­mittel untersucht. In 18 Produkten fanden die Tester kritische Substanzen, auch in bekannten Marken. Die gute Nach­richt: 15 Lippen­pflege­mittel können wir empfehlen – darunter fast alle Naturkosmetik­produkte im Test.

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[Update 21.4.2021] Lieber mit pflanzlichen Ölen und Fetten

Viele Anbieter von Lippen­pflege­mitteln haben ihre Rezepturen verändert, darunter Marken wie Labello oder Blistex. Statt Zutaten auf Mineral­ölbasis – auf Inhalts­stoff­listen erkenn­bar an Worten wie etwa Paraffin oder Petrolatum – setzen sie pflanzliche Öle und Fette sowie Bienenwachs ein. Das zeigt ein aktueller Blick auf 35 Produkte, die wir 2017 im Labor geprüft haben. In 18 hatten wir kritische Kohlen­wasser­stoffe nachgewiesen, sogenannte Mosh, Posh und Moah, die sich im Körper anreichern können. Die gesundheitlichen Folgen sind nicht ganz geklärt. In die Pflege­mittel gelangen sie in der Regel über erdöl­basierte Zutaten. Jetzt enthalten 11 der Produkte oder ihre Nach­folger die Substanzen laut der Inhalts­stoff­listen nicht mehr.

Tipp:
Wer sicher­gehen will, nutzt für die Lippen zertifizierte Naturkosmetik. Sie darf keine Erdöl­bestand­teile enthalten.

Kritische Substanzen auch in Marken- und Apotheken­produkten

Kritisch in Produkten zur Lippen­pflege sind vor allem bestimmte Kohlen­wasser­stoffe:

  • einige Mosh (Mineral oil saturated hydrocarbons), das sind gesättigte Kohlen­wasser­stoffe,
  • Moah (Mineral oil aromatic hydrocarbons), das sind aromatische Kohlen­wasser­stoffe
  • sowie Posh (Polymer oligomeric saturated hydrocarbons), synthetische Kohlen­wasser­stoffe, die den Mosh sehr ähnlich sind.

Bereits vor zwei Jahren haben wir stich­proben­artig verschiedene Kosmetika geprüft, darunter drei Lippen­pflege­mittel. Alle drei waren damals wegen Moah-Belastung negativ aufgefallen (Mineralöle in Kosmetika, test 5/2015). Nun wollten wir erneut wissen, wie es um diese Produkt­gruppe bestellt ist: Diesmal fanden wir kritische Mosh und Moah oder Posh in 18 Produkten – darunter solche von namhaften Herstel­lern, aber auch Apotheken­produkte.

Video: Fünf Fakten rund um die Lippen­pflege

Stoffe können sich im Körper anreichern

Regel­mäßige Anwender schlu­cken im Jahr rund 20 Gramm Lippen­stift, hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommis­sion errechnet – das sind in etwa vier Lippen­stifte. „Potenziell bedenk­lich“ ist aber schon die Menge an Mosh, die die Verbraucher über Lebens­mittel aufnehmen, schätzt die Europäische Lebens­mittel­behörde Efsa. Denn viele Mosh können sich im Körper anreichern, etwa im Fett­gewebe, in Leber oder Milz. Die gesundheitlichen Folgen sind bisher nicht voll­ständig geklärt. Das gilt auch für Posh. Moah sieht die Efsa noch kritischer: Sie stuft einige als „potenziell krebs­er­regend“ ein. Mosh und Moah in Kosmetik stammen aus Zutaten auf Mineral­ölbasis. Posh kommen über synthetisch hergestellte Inhalts­stoffe, oft aus Ausgangs­stoffen wie Kohle oder Biomasse, in die Produkte.

Naturkosmetik als Alternative

Wer sicher­gehen will, Kosmetik ohne Mosh, Posh und Moah zu kaufen, sollte einen Blick in die klein gedruckte Liste der Inhalts­stoffe werfen. Oder ein Naturkosmetik­produkt kaufen: Unter den 15 Lippen­pfle­gepro­dukten, in denen wir keine kritischen Substanzen gefunden haben, sind auch 6 der 7 Produkte mit Naturkosmetik-Siegel. In einem Pfle­gestift mit Naturkosmetiksiegel wiesen wir allerdings sehr geringe Mengen an Mosh nach. Möglicher­weise gelangten sie als Verunreinigung im Herstellungs­prozess ins Produkt. Dennoch halten wir den Balsam nicht für empfehlens­wert. Denn Verbraucher sollen bei zertifizierter Naturkosmetik davon ausgehen können, dass sie voll­ständig frei von Mineral­ölbestand­teilen ist. Das sehen die Vorgaben für zertifizierte Naturkosmetik so vor.

Nur einer patzt beim Sonnen­schutz

Bei Produkten, die einen angemessenen Sonnen­schutz auslobten, prüften wir auch, ob sie den versprochenen Licht­schutz­faktor einhalten. Bei fast allen Produkten im Test war dies der Fall. Nur ein Stift patzte beim UVA-Schutz. Die Pfle­geeigenschaften haben wir nicht untersucht, da es kein Stan­dard­verfahren gibt, mit dem sie auf den Lippen objektiv und zuver­lässig beur­teilt werden können.

Tipp: Wir haben auch Sonnen­creme getestet.Die besten Lotionen, Sprays und Gele für Erwachsene zeigt unser Test Sonnenschutzmittel, test 7/2016.

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