Firmengründer Gates schwört sein Microsoft bald wohl auf einen Schmusekurs zum alternativen Betriebssystem Linux ein. Grund genug, über dessen Vor- und Nachteile zu reden.

Die Kritik an Software von Microsoft füllt Bände. Zu teuer ist es (das Betriebssystem Win­dows XP kostet rund 300 Euro, das Office-Paket mit Bürosoftware rund 800) und zu unsicher. Der Internet-Explorer und das E-Mail-Programm Outlook sind gegenüber Schadprogrammen wie Computerviren offen wie ein Scheunentor. Andere Windows-Komponenten unterliegen einem Spionageverdacht. Der Media Player von Windows XP beispielsweise übermittelte Daten von der Festplatte der Computer direkt an Microsoft.

Scheinbar spricht alles für das Betriebssystem Linux. Nicht, weil sein lustiger Pinguin ein nettes Maskottchen ist. Vielmehr zählt, dass es den Nutzer nicht ausspioniert, dass es samt Anwendungsprogrammen nahezu kostenlos zu haben ist und kaum von Viren bedroht wird. Selbst Microsoft kann das offene Betriebssystem nicht mehr ignorieren. So regt Bill Gates intern zum Nachdenken an. Was bisher undenkbar schien, eine Office-Version für Linux, könnte vielleicht irgendwann doch kommen.

Das wäre schön, denn ganz reibungslos läuft Linux nicht, und vor allem nicht mit den gewohnten Programmen. Im Moment sind die Tugenden des Linux-Nutzers Spaß am Probieren, Gelassenheit bei Fehlschlägen und die Lust, sich neuen Programmen zu widmen. Wir prüften fünf Linuxpakete von Debian, Knoppix, Mandrake, RedHat und SuSE.

Blicken nur Eingeweihte durch?

Nein. Die aktuellen Pakete helfen mit dem Tool zur Systemwartung, Linux zu installieren und aktuell zu halten. Das Paket von SuSE sucht per Knopfdruck sogar automatisch nach aktualisierten Systemkomponenten. Das ist angesichts der Probleme vor allem mit USB-Geräten wie Scannern und Speichersticks hilfreich.

Ist Linux wirklich kostenlos?

Nein. Das Betriebssystem ist zwar frei, doch nur beim Download übers Internet. Der dauerte bei uns über dsl zwischen knapp vier Stunden (Knoppix) und rund fünf Tagen (Debian). Das sind vielleicht Extreme, besser sind in jedem Fall Pakete. Diese enthalten ein startfähiges Linux, Zusatzsoftware und ein Handbuch.

Aber es gibt kaum Programme

Auch falsch. Zu jeder Distribution gehört ein komplettes Officepaket – etwa so leistungsfähig wie das von Microsoft, nur im Detail anders zu bedienen. Außerdem werden oft ein Software-DVD-Player, ein CD-Brennprogramm, ein leistungsfähiges Programm zur Bildbearbeitung und dergleichen mitgeliefert.

Linux ist sicher vor Viren & Co.

Linux ist nicht Fort Knox, doch es setzt erst einmal alle Einstellungen auf hohe Sicherheit – bei Windows ist genau das Gegenteil der Fall. Wichtig für Linux: Der Nutzer kann und sollte immer ohne Administratorenrechte arbeiten. Dadurch sind Betriebssystem und Internetzugang vor Manipulationen, auch vor einem Wählprogramm „Dialer“ sicher. Und durch die Vielfalt der unter Linux genutzten Internetbrowser und Mailprogramme sind Schadprogramme ohnehin schwer zu programmieren. Der Beleg: Es sind nur ein Dutzend Linux-Viren bekannt.

Linux ist fehlerfrei

Falsch. Aber die Gemeinschaft an Linuxentwicklern kommuniziert Fehler blitzschnell im Internet. Bereinigte Programmteile stehen oftmals schon nach Stunden bereit. Den Vorteil dieser Transparenz und Geschwindigkeit kann nutzen, wer den Update-Assistenten (SuSE) wöchentlich aufruft.

Der Umstieg auf Linux ist schwer

Das stimmt halb. Ehe auch die Maus mit Rollrad und die Grafikkarte mit hoher Auflösung und flimmerfreiem Bild läuft, dauert es. Handbücher und Diskussionsforen im Internet oder die Hotline werden oft gebraucht. Allerdings ist es leicht, Linux einmal auszuprobieren – mit Knoppix, das von CD startet und das bestehende Betriebssystem nicht antastet oder parallel zu Win­d­ows installiert werden kann. Beim Start hat man die Wahl.

Linux holt mehr Leistung raus

Tatsächlich arbeitet Linux viel effizienter mit den Ressourcen des Rechners als Windows. Allerdings wird es spürbar langsamer, wenn es mit einer grafischen Bedienoberfläche (Mausbedienung, wie Windows) läuft. Eine dieser grafischen Oberflächen wie „KDE“ oder „Gnome“ liegt jeder Distribution bei.

Windows-Programme laufen auch

Fast falsch – und ein bisschen richtig: Tatsächlich gibt es die Software „Wine“, die unter Linux so tut, als wäre sie Windows. Sie liegt beispielsweise der SuSE-Distribution bei. Allerdings läuft sie langsam und fehlerhaft, wenngleich auch mit Office 2000 (siehe dazu „Win­dows für Pinguine“).

Linux war lange Zeit vor allem für Netzwerkinstallationen interessant. Erst in jüngster Zeit steigt das Interesse dank grafischer Benutzeroberfläche und Unterstützung von USB auch für den Einzelplatz-Computer. Vor allem beim Internetzugang überzeugt es durch hohe Sicherheit. Wer noch den Umgang mit Dos kennt, wird sich schnell einarbeiten. Doch eins ist Linux noch immer nicht: ein Betriebssystem für alle, die sich am Rechner nur für den Einschalter interessieren und denen jede Minute zu schade ist, die sie dem Computer widmen müssen, damit er überhaupt läuft.

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