Limetten Test

Ausgerechnet in Berlins Nobelkaufhaus KaDeWe fanden wir die am höchsten belasteten Limetten. Ökoware überzeugte.

Behandelt oder nicht behandelt – das ist hier die Frage. Denn an Limetten schätzt man nicht nur die sanfte Säure des Safts, sondern auch die Schale, die gerieben so manchem Süßen erst den Kick gibt. Und für Caipirinha, den brasilianischen Nationalcocktail, geht ohne die kleinen grünen Zitrusfrüchte gar nichts. Da ließe sich eher auf die Cachaça, den brasilianischen Zuckerrohrschnaps, verzichten: An heißen Tagen erfrischt der Caipi ganz ohne Alkohol mit reichlich frischer Minze, Rohrzucker und möglichst unbehandelten Limetten im Mineralwasser. Schön, wenn man sicher sein könnte, dass sie keine Pestizide enthalten.

Doch Fehlanzeige: Wir haben in 16 Berliner und zwei Hamburger Geschäften Limetten eingekauft, bei denen es keinen Hinweis auf eine Behandlung mit Pestiziden gab, auch nicht der Schalen. Trotzdem war mehr als jede zweite Probe mit Pestiziden belastet, drei aber nur sehr gering: Auf eine Schalenbehandlung deuten die sehr geringen Pestizidspuren nicht hin. Sie können schon durch die Lagerung neben belasteten Früchten auf die Limetten geraten sein. Anders die Limetten aus dem KaDeWe, der ersten Berliner Adresse für Gourmets mit gut gefülltem Geldbeutel. Die Limetten aus dem Kaufhaus des Westens waren mit 20 Cent pro Stück ausnahmsweise sogar recht billig, ermuntern aber trotzdem nicht zum Kauf: Sie hatten die meisten Schadstoffe.

Auf Obstgeschäfte und Supermärkte ist offenbar nicht immer Verlass. Nur die Biolimetten überzeugten. Bis auf eine Ausnahme fanden wir hier keine Pestizide. Bio verlangt, dass auch am Strauch keine Pestizide verwendet werden.

Pestizide können auch im Fruchtfleisch stecken. In einem Fall fanden wir dort sogar viermal mehr als auf der Schale. Vermutlich wurden sie schon am Strauch aufgebracht. Pestizide könnten sich auch von der Schale ins Innere vorarbeiten. Im Labor ist das aber nicht nachzuweisen.

Caipi kein Pestizidgebräu

Aber selbst mit stark belasteten Limetten wird ein Caipi nicht zum ungenießbaren Pestizidgebräu. Wir haben ihn mit den KaDeWe-Früchten zubereitet: Im Glas fanden sich dann doch deutlich weniger Schadstoffe als in und auf der Frucht. Das ist erfreulich, aber kein Grund, behandelte Limetten ohne Hinweis zu verkaufen.

Kein Verlass auf die Angaben

Vor der Ernte eingesetzte Pestizide haben oft Zeit, sich ganz oder weitgehend abzubauen. Anders die, die nach der Ernte auf den Schalen landen, um die Zitrusfrüchte länger haltbar zu machen. Dem dient auch eine hauchdünne Wachsschicht, die den Feuchtigkeitsverlust verringert. Wachs ist zulässig, auch wenn konservierende Antischimmelstoffe drinstecken. Die Behandlung sollte aber angegeben werden. Wird dabei Thiabendazol verwendet, ist die Angabe sogar Pflicht. Für andere Pestizide wie Prochloraz, das wir ebenfalls fanden, gilt das nicht.

Die Regelungen sorgen also nicht gerade für einen klaren Durchblick. Wird aber nichts zur Behandlung angegeben, sollte man sich dar­auf verlassen können, Limetten ohne Pestizide zu bekommen. Doch Verlässlichkeit ist hier Mangelware. Zum Beispiel bei Cali und El Frutal mit der Deklaration „Mit Naturwachs überzogen“ – Pestizide erwartet man da eigentlich nicht. Bei Galeria Kaufhof hieß es für diese lose Ware: „Nach der Ernte unbehandelt“. Auch das stimmte nicht.

Meist mehrere Pestizide auf einmal

Von den elf belasteten Proben im Test überschritt nur die aus dem KaDeWe einen Schadstoffhöchstwert. Solche Werte haben hohe Sicherheitsmargen, direkt gesundheitsschädigend sind einzelne Überschreitungen generell nicht. Doch gerade angesichts weiterer Umweltbelastungen muss auch hier das Minimierungsprinzip gelten: Je weniger Pestizide, desto besser.

Bei den meisten belasteten Limetten fanden wir zwei oder mehr Schadstoffe. Dass immer häufiger Mehrfachrückstände nachgewiesen werden, liegt auch an den genaueren Analysemethoden. Außerdem setzen Produzenten kleinere Mengen verschiedenster Pestizide ein, die gezielter wirken sollen. So vermeiden sie auch Überschreitungen zulässiger Werte bei einzelnen Pestiziden. Über die gesundheitliche Bewertung solcher Mehrfachrückstände gibt es bislang aber kaum gesicherte Erkenntnisse.

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