Light-Produkte Meldung

Weniger Fett, kein Zucker – Light-Produkte machen Hoffnung, dass sich mit ihnen leicht Kalorien einsparen lassen. Nicht immer stimmt das.

Silberstreifen, hellblauer Himmel oder Wattewölkchen – die Schönwetteraufmachungen von Light-Produkten stimmen optimistisch, dass ihr Inhalt nicht zu schwer auf den Hüften lastet. Aufschriften wie „leicht“ und „balance“ verstärken die Aussicht. Laut Umfragen greift jeder vierte Bundesbürger regelmäßig zur Light-Ware.

Doch lohnt sich das? Ein exemplarischer Einkauf leichter Lebensmittel von test ergab: Einige sind dem Etikett nach kaum energieärmer als das herkömmliche Pendant. Das traf etwa zu auf Eis, Kakaogetränkepulver, Chips, Kekse. Dagegen waren fettgeminderte Milchprodukte und Wurst wirklich leichter (siehe „Beispiele für fettreduzierte Produkte“).

Zu den Light-Produkten zählen Lebensmittel, bei denen eine Zutat – meist Fett oder Zucker – oder der gesamte Kaloriengehalt um mindestens 30 Prozent reduziert ist (was hinter den Auslobungen steckt, erklärt unsere Tabelle). Der Handel mit den leichten Lebensmitteln blüht seit den frühen 80er Jahren. Von vielen Markenprodukten gibt es heute Light-Ausgaben, die selten mehr kosten. Vor etwa sechs Jahren lancierten auch die Discounter eigene Light-Linien, deren Artikel aber oft etwas teurer sind als die des übrigen Sortiments. Aldi bewertet die Nachfrage nach leichten Produkten zurzeit übrigens als verhalten.

Übergewichtige greifen öfter zu

Laut einer repräsentativen Umfrage kaufen Übergewichtige etwa 20 Prozent mehr Light-Produkte als Normalgewichtige. Vielfach steht dahinter der Wunsch, abzunehmen. Ist das realistisch?

Der Ernährungsmediziner Thomas Ellrott von der Universität Göttingen beurteilt Light-Produkte differenziert. In schlechten Fällen nutzen Verbraucher sie als Alibi, um ungehemmt schlemmen zu dürfen.

6 Pfund weniger durch weniger Fett

Doch Light-Produkte können laut Ellrott durchaus positiv wirken, vor allem die fettgeminderten. Weniger Fett täte vielen Bundesbürgern gut, deren Nahrungsenergie im Durchschnitt zu 40 statt zu 30 Prozent aus Fett besteht. Studien zeigen, dass leicht Übergewichtige mit fettreduzierter Kost in wenigen Monaten bis zu 6 Pfund abnahmen. Das gelang aber nur denjenigen, die sich insgesamt fettarm ernährten. Dabei brauchten sie nicht einmal kürzer zu treten bei Kohlenhydratreichem wie Brot und Kartoffeln. Vorsicht: Light-Produkte helfen nicht bei schwerem Übergewicht.

Fettarme Chips als Bumerang

Allerdings werden fettreduzierte Genussmittel wie Chips und Eis oft zum Bumerang. Selbst wenn sie nicht so vor Fett strotzen wie die Originale, können sie umso mehr Kohlenhydrate haben. Und die liefern auch Energie, sodass die leichten Varianten unterm Strich wenig Kalorienvorteile bieten. Sie erleichtern aber das Gewissen – man greift unbedacht zu und isst mehr.

Zuckerarme Kekse als Kalorienfalle

Auch zuckerreduzierte Kekse und Kuchen sind oft Kalorienfallen. Denn den üblichen Zucker, der dem Gebäck sonst Kruste und Konsistenz verleiht, ersetzen Zutaten mit ähnlichen Backeigenschaften wie Fruchtzucker und Sirupe. Sie klingen gesünder, liefern aber so viel Energie wie Zucker. Kalorienfreie Süßstoffe scheiden für Gebäck meist aus, da sie kein Volumen bieten.

Fettarme Jogurts mit mehr Zucker

Nicht immer bringt es Vorteile für die Energiebilanz, wenn von grundsätzlich fettarmen Lebensmitteln wie Jogurt und Quark noch Fett abgezwackt wird. Darunter leiden Vollmundigkeit, Cremigkeit und Aroma. Die Folge: Dem Geschmack sollen extra Zucker, Süßstoffe und Aromen auf die Sprünge helfen, für Konsistenz sorgen Bindemittel. Immerhin gelten die Zusatzstoffe als gesundheitlich unschädlich.

Light-Limos gewöhnen an Süße

In Flüssigkeiten wie Limonaden können Süßstoffe den Zucker einfach und wirkungsvoll ersetzen. So liefert etwa Coca-Cola light null Kalorien, das Original aber je 0,2-Liter-Glas enorme 84 Kilokalorien. Doch die Süßstoff-Drinks sind – gerade für Kinder – keine guten Durstlöscher, da sie an süßen Geschmack gewöhnen können. Das trifft auch auf zuckerfreie Bonbons zu. Zuckeraustauschstoffe machen sie zwar uninteressant für Karies, senken die Kalorien aber nur zum Teil und können zudem Bauchweh und Durchfall verursachen.

Fettgeminderte Wurst hilft in Maßen

Wenn fettes Fleisch in Wurst durch mageres getauscht wird, können Wurstfans ohne größere Geschmackseinbußen profitieren. Eine Studie der Universität Göttingen zeigte, dass Männer durch Light-Wurst etwas an Gewicht verloren und bessere Blutwerte gewannen. Noch mehr Effekt haben aber fettarmer Schinken oder Putenaufschnitt.

Leichter Käse empfiehlt sich

Fettreduzierter Käse empfiehlt sich, um Fett zu sparen. Er enthält oft sogar mehr Mineralstoffe wie Kalzium als das Original. Das Minus an Milchfett wirkt obendrein noch günstig auf Herz und Kreislauf. Einzige Wermutstropfen: Stark fettreduzierter Schnittkäse kann gummiartig im Biss sein. Und im Test erwies sich fettarmer Frischkäse im Mund als leicht mehlig und erinnerte an Magerquark (Test „Frischkäse“ aus test 03/2009).

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