Lidl-Ergometer im Schnelltest Schnelltest

Während der stürmischen Herbst- und kalten Wintertage leeren sich die Wälder und Straßen von Joggern, Powerwalkern, Inlineskatern und Radfahrern. Einige haben das Ausdauertraining wegen des Wetters bis zum nächsten Sommer eingestellt. Andere brauchen immer noch Bewegung: Sie strampeln zum Beispiel zu Hause auf dem Hometrainer. Für sie hat Lidl ein Ergometer für 229 Euro im Angebot. Ob das Gerät die morgendliche Joggingstrecke ersetzen kann und bis zum nächsten Sommer hält, haben die Ingenieure im Labor getestet.

Erst schrauben, dann treten

Raus aus dem Lidl, rein in die Wohnung und ran an das Ergometer. Unterwegs kommt der Käufer schon ein wenig ins Schwitzen. Das Gerät inklusive Verpackung wiegt circa 32 Kilogramm. Bevor er sich aufs Tretkurbeltrainingsgerät schwingen kann, muss der Hometrainierende montieren. Es müssen zwar relativ viele Teile an den Grundkörper geschraubt werden. Aber die mitgelieferte Anleitung beschreibt den Aufbau korrekt und die einzelnen Teile passen gut.

Auf der Stelle treten

Auch Schwergewichtler müssen die Bewegung auf dem Lidl-Ergometer nicht fürchten. Das Gerät ist bis 150 Kilogramm ausgelegt. Gleich gehts los: Sportklamotten anziehen, Sattel und Lenker richtig einstellen, rauf auf den Sattel, Füße unter die Pedalriemen schnallen und strampeln. Heimsportler können ruhig richtig Gas geben: Das Gerät gibt keine lästigen Pfeif- oder Reibgeräusche von sich, es steht sicher und kippt nicht. Quetschen können sich die Strampelnden auch nicht. Höchstens schneiden: Ein Gerät hatte eine scharfe Kante an der Lenkerklemme.

Am Puls der Zeit

Wille ist gut - Kontrolle ist besser. Über ein Display programmiert der Heimradler eine individuelle Trainingsfahrt. Der Trittwiderstand wird in 5-Watt-Schritten eingestellt. Insgesamt siebzig Steigerungen sind möglich: von der leichten Abfahrt bis hin zum steilen Berg. Während der Tour misst das Gerät den Puls. Und zwar über Handschalenpuls-Sensoren an den Lenkergriffen. Diese Messmethode ist zwar üblich, aber nicht unproblematisch: Freihändiges Radfahren bedeutet keine Pulsanzeige. Aber auch schwitzige Hände und lockere Griffhaltung führen manchmal zu falschen Werten. Abhilfe: Ein zusätzlicher Brustgurt für circa 50 Euro, für den auch schon ein Adapter am Gerät vorhanden ist.

Sport ja - Medizin nein

Lidl wirbt damit, dass das Ergometer auch für „therapeutisches Training nach EN 957-1/5 Klasse A“ geeignet sei. Doch das Gerät schafft die Kriterien nicht. Statt der zulässigen zehn Prozent weicht die eingestellte von der tatsächlichen Leistung um bis zu dreißig Prozent ab. Die Folge: Eigentlich müsste das Gerät mit dem Warnhinweis „Für therapeutische Zwecke nicht geeignet“ versehen werden. Gefahr für die Gesundheit beim Training besteht jedoch kaum: Die größten Abweichungen traten bei geringer Drehzahl und wenig Widerstand auf. Bei höherer Leistung ist die Abweichung geringer.

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