Lidl-Bluetooth-Kopfhörer Schnelltest

Lidl hat etwas im Angebot für Kabelfeinde und Musikfreunde: einen Bluetooth-Kopfhörer für 79,99 Euro. Der MusiCool 300 funktioniert ähnlich wie ein Funkkopfhörer: Das Set besteht aus einer an eine Musikanlage anschließbaren Basisstation, die angeblich bis zu 20 Meter die Signale an den Kopfhörer sendet. Laut Lidl gibts beim MusiCool aufgrund der Bluetooth-Technologie „weniger Störgeräusche als bei herkömmlichen Funkkopfhörern“. Das wäre wünschenswert, denn das ist meist das Problem bei diesen Geräten. Stiftung Warentest hat sich im Schnelltest den MusiCool angehört.

Mit Verspätung

Lidl-Bluetooth-Kopfhörer Schnelltest

Zunächst war es gar nicht so leicht, Lidls Angebot zu beschaffen. Einige Filialen klagten über Lieferschwierigkeiten. Zwei Tage später waren die Kopfhörer zwar dann zu bekommen. Aber manche Filialen hatten gerade mal zwei bis drei Produkte an der Kasse liegen. Zudem galt das Angebot nicht in allen Lidl-Filialen: Vorwiegend in den neuen Bundesländern, sowie in Hessen und im Saarland konnten Lidl-Kunden den Bluetooth-Kopfhörer kaufen - wenn sie früh genug in den Filialen waren.

Mit Fehlbedienen

Ärger über verzögerte Anlieferungen ist schnell verflogen, wenn man nach dem Warten ein Schnäppchen ergattert hat. Doch der MusiCool zeigte von Anfang an Schwächen. Beispiel: Funkverbindung herstellen. Am Kopfhörer ist eine so genannte Pairing-Taste. Um das Funksignal zwischen Basisstation und Kopfhörer herzustellen, muss diese Taste gedrückt werden. Problem: An-/Ausschalter, Pairingtaste und Lautstärkeregler liegen so dicht beieinander, dass ein Fehlbedienen sehr wahrscheinlich ist. Und so kam es auch: Durch das versehentliche Drücken der Powertaste schaltete sich der Kopfhörer ab und die Prüfer mussten ihn wieder neu mit der Basisstation justieren.

Ohne klaren Sound

Jetzt wirds ernst: Die Tester beurteilen den Klang des MusiCool. Lidl behauptet: „Kristallklarer Sound, frei von Hintergrundgeräuschen.“ Stiftung Warentest hört: Dumpfen Klang mit störendem Geräuschpegel. Lidls Bluetooth-Angebot ist also im Vergleich zu Funkkopfhörern, bei denen ein Hintergrundrauschen normal ist, kein wirklicher Gewinn. Der MusiCool hört sich deutlich höhenarm und verfärbt an. Und „tiefere Höhen“ wie etwa Flöten oder Sopranstimmen gibt das Gerät viel zu laut wieder. Das klingt überhaupt nicht kristallklar und auch nicht ausgewogen. Auch im Bassbereich siehts nicht besser aus: Dort fehlen Tiefbassanteile. Bei leiser Musik pfeift der MusiCool ab und zu. Und volle Dröhnung ist mit dem Lautstärkeregler auch nicht zu erzielen.

Geringe Reichweite

Der Zweck von Bluetooth- und Funkkopfhörern ist nicht nur, dass kein Kabelsalat entsteht. Wer Musik mit solchen Geräten hört, sollte sich auch frei in der Wohnung bewegen können: vom Wohnzimmer ins Bad über die Küche und wieder zurück. Musik nonstop. Das macht der MusiCool nur in kleinen Wohnungen mit. Die versprochene Reichweite von bis zu 20 Metern reduzierte sich im Test faktisch auf 10 bis 15 Meter. Da kann die Verbindung beim Gang vom einen Ende der Wohnung zum anderen schon mal reißen. Funkkopfhörer schaffen da deutlich weitere Distanzen.

Ohne Akku

Um die Signale empfangen zu können, braucht der Kopfhörer eine Stromversorgung. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder stecken in den Ohrmuscheln Akkus. Das funktioniert dann folgendermaßen: Die Basisstation hat eine Halterung für den Kopfhörer, die diesen über einen Kontakt oder Kabel mit Strom versorgt. Dadurch werden die Akkus des Kopfhörers beim Abstellen immer wieder aufgeladen. In der Regel ist die Betriebsdauer über zehn Stunden. Die andere Möglichkeit: Batterien versorgen den Kopfhörer - wie etwa beim MusiCool. Die müssen Vielhörer nach zirka dreieinhalb Stunden wechseln. Das funktioniert nicht reibungslos, weil die Abdeckung hakt und darunter auch nicht viel Platz ist. Wer den Kopfhörer häufig nutzen will, sollte sich auf jeden Fall Akkus zulegen. Das Handhabungsproblem ist dann allerdings immer noch nicht gelöst.

Am Notebook und Handy

Zum Schluss noch ein paar Stärken: Der Kopfhörer ist leicht und lässt sich bequem tragen. Seine Vorteile gegenüber einem Funkkopfhörer: Die Bluetooth-Schnittstellen von Handy oder Notebook lassen sich mit dem Kopfhörer problemlos koppeln. Das bedeutet: Diese Geräte erkennen den Kopfhörer als Bluetooth-Gerät. Notebookbesitzer könnten beispielsweise MP3s abspielen und kabellos diese anhören. Offen bleibt, wann jemand den Kopfhörer so einsetzt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 523 Nutzer finden das hilfreich.