Lidkorrektur Test

Wohin zu einer kosmetischen Lidoperation – in eine Augenklinik oder eine Schönheitsklinik? Wir haben untersucht, wo die Ärzte am besten beraten.

Frauenzeitschriften und Fernsehmagazine bieten reichlich Rat, wie mit Kosmetik und Kleidung, Kalorienverzicht und Körperarbeit das äußere Erscheinungsbild zu optimieren ist. Auch das Geschäft mit der künstlichen Schönheit boomt: Am Körper wird geschnitten, gelasert, gespritzt, abgesaugt und aufgepolstert. Besonders hoch im Kurs stehen Brustvergrößerungen, Nasenoperationen und Lidkorrekturen.

Die Lidstraffung ist ein relativ kleiner Eingriff, der ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann. Häufig wird die Korrektur von Schlupflidern und Tränensäcken auch als „Einstiegsoperation“ bezeichnet, die den Weg für weitere Schönheitsoperationen bereitet. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plasti­sche Chirurgie schätzt, dass im Jahr 2006 mindestens 10 000 Patienten ihre Lider operieren ließen, jeder vierte von ihnen ein Mann.

Patienten: Zufrieden bis verzweifelt

Meist werden Lidkorrekturen aus kosmetischen Gründen gewünscht. Patienten erhoffen sich durch die Straffung ein jüngeres und frischeres Aussehen. So auch viele unserer Leser, die im vergangenen Frühjahr über ihre Erfahrungen berichteten. Viele waren mit dem Operationsergebnis zufrie­den: „Das Auge ist frei und ich sehe trotzdem nicht renoviert aus“, heißt es in einer Zuschrift, in einer anderen: „Meine Augen wirken größer und der Gesichtsausdruck wirkt klarer und schöner.“

Etliche äußerten sich auch skeptisch: „Bei mir ist zwar alles gut gelaufen, aber die Risiken werden für meinen Geschmack zu sehr verniedlicht.“ Eine Leserin war verzweifelt: „Ich bin tiefunglücklich mit dem Ergebnis. Da ich immer wieder auf mein krank und ,fertig‘ aussehendes Gesicht angesprochen wurde, habe ich den Arbeitsplatz und das Bundesland gewechselt und lebe weitgehend isoliert.“

Test: Beratung geprüft

Wir wollten wissen, welche Ärzte Patienten vor einer kosmetischen Lidkorrektur am besten beraten und auch über Risiken informieren. Drei Testpersonen besuchten vier große Augenkliniken an öffentli­chen Krankenhäusern und sechs überregional tätige private Klinikketten für plastisch-ästhetische Chirurgie. Die Patientinnen zwischen 45 und 70 Jahren erkundigten sich, was sie gegen ihre erschlafften Oberlider und Fettablagerungen unternehmen könnten. Sie besuchten auch niedergelassene Ärzte, und ein Experte ließ sich in unserem Auftrag auch in Schönheitskli­niken im Ausland beraten (siehe „Organisations- und Sprachprobleme“).

An die Beratung vor einer kosmetischen Operation sind besonders hohe Anforderungen zu stellen, denn es handelt sich um einen Eingriff an gesunden Menschen. Sie gehen ohne medizinische Notwendigkeit ein gewisses Risiko ein. Nur in einigen Fällen wird aus medizinischen Gründen zu einer Lidkorrektur geraten, wenn zum Beispiel überhängende Lidhaut das Gesichtsfeld stark beeinträchtigt. Der Arzt muss im Beratungsgespräch auch etwaige unrealistische Vorstellungen der Patienten über ihr „Wunschgesicht“ erkennen und dann von einem Eingriff dringend abraten.

Ein Laie kann aber nicht erkennen, wo er in guten Händen ist. Schließlich darf sich jeder Arzt Schönheitschirurg oder kosmetischer Chirurg nennen, eine geschützte Berufsbezeichnung gibt es dafür nicht, auch keine ge­regelte Ausbildung. Nur bei Fachärzten für „plastisch-ästhetische Chirurgie“ oder bei Augenärzten kann man Spezialisten erwarten.

Augenkliniken: Berieten am besten

Die Augenkliniken schneiden bei der medi­zini­schen Beratung am besten ab (siehe Tabelle „Beratung vor einer Lidkorrektur“). Die St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe berieten „sehr umfassend“, zwei weitere Augenkliniken an öffentli­chen Krankenhäusern „umfassend“. Die Ärzte der St. Vincentius-Kliniken erkundigten sich eingehend nach den Operationserwartungen und der Krankengeschichte der Testpatientinnen, informierten sie ausführlich über mögliche Operationen, Komplikationen und Risiken. Außerdem machten alle Augenkliniken „umfangreiche“ oder „sehr umfangreiche“ Untersu­chungen von Gesichtshaut und Augen. Das ist wichtig, um medizinische Probleme auszuschließen und über Art und Umfang einer Lidoperation zu entscheiden.

In den Augenkliniken erhielten die Patientinnen meist einen schriftlichen Bericht mit Diagnose. Einziger Wermutstropfen: In den öffentlichen Kliniken müssen Patienten mit umständlichen Terminvereinbarungen, langen Wartezeiten und spärlichen Vorabinformationen rechnen.

Schönheitskliniken: Tops und Flops

Auch vier der sechs getesteten privaten Klinikketten berieten die Patientinnen „umfassend“: ArteMedic, Figura Ästhetica, Mang Medical One, Neutor-Klinik. Allerdings zeigten sich die anderen zwei nicht von der schönsten Seite. Clinic im Centrum beriet die Frauen „lückenhaft“, Collegium sogar „sehr lückenhaft“. Auch die Untersu­chungen waren hier „sehr lückenhaft“, in zwei der drei Testfälle wurden die Patientinnen gar nicht untersucht. Auch die anderen Privatkli­niken glänzten nicht bei den Untersu­chun­gen, vielmehr waren sie auch bei ihnen „lückenhaft“.

Beispielsweise wurde das Sehvermö­gen in keiner der privaten Schönheitskliniken geprüft, die Patientin auch nicht an einen Augenarzt überwiesen. Auch andere einfa­che, aber für die Auswahl einer geeigneten Operationsmethode wichtige Unter­su­chun­gen wurden nicht immer durchgeführt, wie etwa die Bestimmung von Lidöffnung und Lidfurchenhöhe.

Collegium und Clinic im Centrum nahmen es auch mit der Aufklärung über Komplikationen und Risiken einer Lidkorrektur nicht so genau. Doch die Operation mit Skalpell oder CO2-Laser erfordert millime­tergenaue Präzisionsarbeit. Wenn zu viel Haut entfernt wird, kann das Auge nicht mehr vollständig geschlossen werden. Dann kann das Augenlid den Tränenfilm nicht mehr gleichmäßig verteilen, Hornhaut und Bindehaut können austrocknen.

Über die extrem seltene, aber dramatischste aller möglichen Komplikationen – die Erblindung – klärten alle geprüften Kliniken nicht einmal in jedem zweiten Beratungsgespräch auf. Häufiger informierten sie die Testpatientinnen über mögliche ästhetisch unbefriedigende Ergebnisse – die Asymmetrie –, die medizinisch allerdings nicht von Bedeutung ist.

OP-Erfolg: Nicht garantiert

Die medizinische Beratung, ein ausführliches Patientengespräch mit einer individuellen Behandlungsempfehlung und einer gründlichen Aufklärung über mögliche Risiken einer Lidkorrektur sind ebenso wie umfangreiche Untersuchungen wichtige Anhaltspunkte für die Qualität einer Klinik. Ein gutes Operationsergebnis ist damit aber noch nicht garantiert. Deshalb ist es so wichtig, sich einen kosmetischen Eingriff gut zu überlegen und eine Klinik oder Praxis sorgfältig auszuwählen.

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