Medizinisch oberflächlich: Bei neun niedergelassenen Ärzten

Lidkorrektur Test

Auch niederge­las­sene Ärzte bieten Schönheitsoperationen an. Wir ließen unsere Testpatientinnen exemplarisch in neun Praxen von plastisch-ästhetisch tätigen Ärzten in Hamburg, Düsseldorf und München zur Lidkorrektur beraten – aufgrund ihrer Spezialisierung müssten sie gute Leistungen zeigen. Doch gleich vier der neun Ärzte berieten „lückenhaft“, die anderen fünf „umfassend“. Nur ein Arzt führte „umfangreiche“ Untersuchungen durch, bei seinen Kollegen war das Untersuchungsprogramm „weniger umfangreich“ bis „sehr lückenhaft“.

Zum Beispiel fragten nur zwei Ärzte nach früheren Eingriffen am Lid oder im Gesicht. In jeder dritten Praxis (alle in München) wurden die Testpatientinnen nicht untersucht, nur drei Ärzte bestimmten die Lidöffnung und Lidfurchenhöhe – wichtige Untersuchungen für die Auswahl einer geeigneten OP-Methode. Bei der Empfehlung bestimmter Operationen zeigten sie häufig Vorher-nachher-Bilder anderer Patienten. Das kann falsche Erwartungen wecken, da die Voraussetzungen möglicherweise völlig andere sind. In einer Praxis gab es sogar die Falschinformation: „Die Operation ist ungefährlich, sie verläuft ohne Komplikationen.“

Bei der Praxisorganisation konnten die niedergelassenen Ärzte punkten: Vorabinformation und Service waren in sieben Praxen „umfassend“, die Terminvereinbarungen unkompliziert, die Wartezeiten kurz. Die Ärzte drückten sich verständlich aus und gingen auf die Patienten ein. Auch war die Beratung meist kostenlos.

Fazit: Das Ergebnis ist kritisch, weil die gute Stimmung die oberflächliche medizinische Beratung überdecken kann. Denn viele Patienten können die me­dizini­sche Qualität von Beratung und Untersuchungen kaum beurteilen.

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