Organisations- und Sprachprobleme: Stippvisite in ausländischen Kliniken

Kostengünstige Angebote locken Patienten zu kosmetischen Operationen auch ins Ausland. „Sparen Sie bis zu 70% in unseren tschechischen EU-Schönheitskliniken“, wirbt etwa eine Vermittlungsagentur im Internet. Eine Straffung der Oberlider wird zum Beispiel ab etwa 500 Euro angeboten. Deutsche Agenturen organisieren Termine, schicken Infomaterial. „Kein Sprachproblem“, wird versichert.

In unserem Auftrag ließ sich ein Arzt exemplarisch in zwei tschechischen Kliniken (Pilsen, Prag) und einer polnischen Klinik (Stettin) beraten. Nicht alle Häuser waren auf deutsche Patienten eingestellt. Meist haperte es schon an Hinweisen auf die richtige Abteilung oder den zuständigen Arzt.

In Pilsen irrte unser Tester zunächst über das Klinikgelände. Als er den Arzt schließlich ausfindig machte, erläuterte dieser – in gutem Deutsch – verschiedene Operationsmöglichkeiten und eventuelle Risiken. In Prag sprach der Arzt – entgegen den schriftlichen Informationen des Vermittlers – nur gebrochen Deutsch. Eine Krankenschwester wollte dem Tester sofort Blut abnehmen, der Arzt schien vor allem an einer schnellen Operationsvereinbarung interessiert. Untersuchungen machte er keine. In Stettin verzögerte sich der Beratungstermin um Stunden. Doch dann beriet der gut Deutsch sprechende Arzt ausführlich. Er zog sogar den Klinikchef für eine weitere Konsultation hinzu.

Fazit: Insgesamt zeigten die medizinische Beratung und die durchgeführten Untersuchungen in den besuchten Schönheitskliniken deutliche Lücken. Rechnet man Reise- und Übernachtungskosten ein, schrumpft auch die Kostenersparnis.

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