Vier sind mangelhaft

Lichtschutzmittel für Kinder Test

Lichtschutzmittel für Kinder sind angesagt. Auch Erwachsene mit trockener Haut nehmen diese Mittel gern. Aus dem Test im Juni empfehlen sich aber nur zwei „gute“. Zum Glück kommen im August neun gute Produkte hinzu.

Die Sonne gehört zum Sommer wie das Gelbe zum Ei – auch für Kinder. Doch ihre Haut ist dünner, durchlässiger und empfindlicher als die von Erwachsenen. Die hauteigenen Schutzme­chanismen – die Fähigkeit zu bräunen und die Verdickung der obersten Hautschicht (Lichtschwiele) – bilden sich erst langsam ab dem zweiten Lebensjahr. Erst mit der Pubertät ist die Entwicklung abgeschlossen. Bis dahin müssen die Eltern für ausreichenden Schutz sorgen, um Kinder vor Sonnenbrand und Spätschäden wie vorzeitiger Hautalterung oder Hautkrebs zu bewahren: Wer sein Kind im Freien nicht nackt, sondern mit Hemd, Höschen, Sonnenhut und Sonnenbrille herumtollen lässt, hat schon gut vorgesorgt. Cremt man es dann noch mit einem starken Lichtschutzmittel reichlich mehrmals ein und beachtet einige Tipps, ist man auf der sicheren Seite.

Avon und Rossmann „mangelhaft“

Lichtschutzmittel für Kinder Test

Doch nicht alle Lichtschutzmittel schützen so stark, wie sie versprechen. Auf der Spray-Lotion von Avon und der Sonnencreme Rossmann/babydream ist der Schutzfaktor 30 ausgelobt. Tatsächlich erreichen beide aber nicht einmal Faktor 25. Aufgrund dieser hohen Abweichung um knapp 20 Prozent kann auch das test-Qualitätsurteil nur „mangelhaft“ lauten. Schließlich droht hier der Sonnenbrand schneller als erwartet. Die anderen Produkte halten den aufge­druck­ten Lichtschutzfaktor ein. Alle dürfen sich zu Recht auch als „wasserfest“ bezeichnen. Aber aufgepasst: Nach langem Aufenthalt im Wasser nimmt der Schutz ab.

Durchweg „gut“ sind nur zwei: Penaten Baby Sonnencreme und Nivea Sun Sonnenmilch. Die restlichen Sonnenschützer erreichen das Ziel nur „befriedigend“ oder „ausreichend“: Zum Teil sind sie so pastös, dass sie sich nur schwer aus der Tube drücken lassen. Andere kleckern und spritzen dem Benutzer viel zu dünnflüssig entgegen. Da wird das gleichmäßige Verteilen zum Problem. Manchmal sind es verwirrende Beschriftungen, manchmal lückenhafte Anwendungshinweise, die Anlass zu Kritik geben.

Die Ilrido Sonnenmilch erhält Minuspunkte, weil sie den Lichtschutzfilter 4-Methylbenzylidene Camphor enthält. Das Bundesamt für Risikobewertung sieht diese Substanz kritisch, weil der Verdacht auf hormonelle Wirkungen bislang nicht widerlegt werden konnte (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“: Link unterhalb der Tabellen).

Hohe Schutzfaktoren im Test

Insgesamt haben wir neun Kinder-Lichtschutzmittel getestet. Wegen ihrer Zusammensetzung werden sie übrigens auch gern von Erwachsenen mit trockener Haut benutzt. Alle loben hohe Schutzfaktoren zwischen 30 und 50+ aus und kosten zwischen 2,65 und 14,70 Euro – umgerechnet auf 100 Milliliter.

Weitere neue Produkte waren zum Teststart noch nicht im Handel erhältlich. Wir werden die Testergebnisse nachreichen.

Der Lichtschutzfaktor bezieht sich nur auf Ultraviolett-B-Strahlen. Er gibt einen Anhaltspunkt dafür, wie lange man sich mit dem Mittel in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Beispiel: Wer ungeschützt nach 10 Minuten eine rote Haut bekommt, kann mit Faktor 30 eingecremt dreißigmal länger in der Sonne bleiben – also 300 Minuten. In der Praxis sind die Zahlen aber mit Vorsicht zu genießen. Schließlich ist der Lichtschutzfaktor ein unter Laborbedingungen ermittelter Durchschnittswert. Beim Sonnenbaden an frischer Luft können sich je nach Hauttyp, Klima, aufgetragener Menge des Mittels Abweichungen ergeben. Deshalb sollte man den Lichtschutzfaktor nur als Richtwert betrachten: Für besonders empfindliche, sehr hellhäutige Kinder empfiehlt sich – zumindest zu Beginn des Urlaubs – Faktor 50+. Alle anderen sind auch mit Faktor 30 gut versorgt.

Die Mittel versprechen auch Schutz vor den langwelligen UVA-Strahlen, die für vorzeitige Hautalterung, krankhafte Hautreaktionen und möglicherweise auch für Hautkrebs verantwortlich gemacht werden. Wie hoch der UVA-Schutz tatsächlich ist und wie lange er vorhält, lässt sich bislang aber nicht verlässlich angeben. Ein Grund mehr, den Aufenthalt in der Sonne nicht zu lange auszudehnen.

Kinderhaut ist noch viel durchlässiger für die vielfältigen Inhaltsstoffe der Sonnenschutzmittel. Deshalb sollte bei diesen Produkten soweit wie möglich auf Bestandteile verzichtet werden, die die Haut – wenn auch nur im Einzelfall – irritieren könnten. Das sind vor allem Konservierungs- und Parfümstoffe, aber auch Farbstoffe und Emulgatoren (sie halten die Bestandteile einer Emulsion zusammen). Garnier, dm, Ilrido und Rossmann schaffen es, auf diese Substanzen in ihren Mitteln fast völlig zu verzichten.

Manch einer verträgt auch die Filtersubstanzen nicht. Deshalb sind einige Anbieter dazu übergegangen, ausschließlich anorganische Filter (Titandioxid oder Zinkoxid) einzusetzen, die als besonders hautfreundlich gelten. Dass auch diese Filter den versprochenen Sonnenschutz gewährleisten können, zeigen Penaten Baby Sonnencreme und dm/babylove.

Bei aller Fürsorge für ihre Kleinen sollten Eltern aber nicht vergessen: Sonne in Maßen tut gut, stärkt Kreislauf und Immunabwehr, bringt die für Knochen und Zähne wichtige Vitamin-D-Bildung in Gang. Und gute Laune macht sie auch.

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