Liberalisierung des Marktes Meldung

Die Liberalisierung des Strommarktes 1998 hat den Strompreis nur kurz im darauf folgenden Jahr gebremst. Seit 2000 steigt er wieder kontinuierlich. So hat eine Familie, die jährlich 4 000 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht, im Jahr 2000 nur 564 Euro bezahlt. 2004 muss sie 756 Euro berappen – 192 Euro mehr. Ein Single mit 1 600 kWh Stromverbrauch im Jahr zahlt zurzeit 69 Euro mehr als vor vier Jahren.

Für das Jahr 2005 haben die vier großen Energieversorger Eon, RWE, EnBW und Vattenfall angekündigt, ihre Strompreise um etwa 6 Prozent zu erhöhen. Das begründen sie mit erhöhten Kosten für Öl und Kohle sowie für die Einspeisung erneuerbarer Energien. Außerdem seien die Kosten für die Nutzung fremder Stromnetze gestiegen.

Vertreter der Verbraucherzentralen und der Bund der Energieverbraucher halten nur 1 bis 2 Prozent Steigerung für gerechtfertigt. Der fehlende Wettbewerb und die mangelnde Regulierung bescherten Deutschland europäische Höchstpreise beim Strom, kritisieren sie. Die vier großen An­bieter beherrschen rund 80 Prozent der Stromproduktion und einen Großteil der Verteilernetze.

Der Bund der Energieverbraucher hat errechnet, dass ein Durchschnittshaushalt bei funktionierendem Wettbewerb rund 120 Euro weniger pro Jahr zahlen müsste. Es liege der Schluss nahe, dass die Stromversorger noch einmal ihre Gewinne erhöhen wollen, bevor 2005 – fast ein Jahr später als von der Europäischen Union gefordert – die Regulierungsbehörde für Strom ihre Arbeit aufnimmt. Sie soll dann die Preise für Strom und Gas überwachen und Missbrauch bei den Netznutzungsgebühren verhindern.

Bis dahin haben Verbraucher nur wenig Sparchancen: Sie können in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Stromversorger wechseln. Gehen sie zu einem neuen Anbieter, bringt das derzeit kaum mehr als 30 Euro Ersparnis im Jahr.

Eine größere Ersparnis erreichen manche bei Stromanbietern aus ihrer Region.

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