Lohnt es sich, absicht­lich die Steuererklärung später zu machen, um dafür Erstattungs­zinsen zu kassieren?

Nicht so sehr, wie einige glauben. Dieser „Steuertrick“ geistert schon lange durch das Internet. Funk­tionieren soll er so: Wenn Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, können Sie für bis zu vier Jahre rück­wirkend freiwil­lig eine machen. Bekommen Sie dann eine Steuererstattung, wird der Betrag verzinst – und zwar für jeden vollen Monat mit 0,5 Prozent.

Deshalb ist oft zu lesen: „6 Prozent Zinsen im Jahr kriegen Sie nirgends, also verschieben Sie die Steuererklärung, solange es geht!“ Leider ist es nicht so einfach: Erst nach dem 15. Monat nach dem Steuer­jahr, in dem die Erstattung entstanden ist, werden Zinsen gezahlt. Wenn Sie Ihre Steuererklärung für 2015 also im Juni 2017 abgeben und der Steuer­bescheid wird zum Beispiel am 18. Juli 2017 fest­gesetzt, bekommen Sie nur 1,5 Prozent (für die Monate April, Mai und Juni). Der Juli zählt nicht, weil nur ganze Monate berück­sichtigt werden. Bei 500 Euro Erstattung gibt es also Zinsen von 7,50 Euro.

Ein weiterer Haken: Der Vorteil schmilzt schnell. Denn die Zinsen, die Sie erhalten, sind Kapital­einkünfte, die Sie wiederum versteuern müssen. Letzt­lich müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie aufgrund von hohen Ausgaben lieber eine schnelle Erstattung haben wollen oder ob die Zinsen es wert sind, auf die Erstattung zu warten.

Umge­kehrt müssen Sie übrigens auch Zinsen an das Finanz­amt zahlen, wenn es Steuern nach­fordert. In diesem Fall dürfen Sie Ihre freiwil­lige Steuererklärung aber zurück­ziehen.

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