Checkliste: Zertifikate erkennen und bewerten

Viele Zertifikate sind ausgeklügelt ­konstruiert, taugen aber kaum als Geldanlage. Wir zeigen, wie Anleger sinnvolle und wenig sinnvolle Wertpapiere erkennen können.

  • Anhaltspunkt 1: Der Name. „Zertifikat“ taucht im Namen oft nicht auf. Die Papiere kommen häufig als Anleihen daher. Je blumiger der Name, desto genauer sollten Anleger hinschauen. Skeptisch sollten sie sein, wenn der Anlagezweck aus dem ­Namen nicht ersichtlich ist – wie bei der Espresso-Anleihe und den Anleihen mit Namen Sunshine, Oktoberfest, Colibri, Cobold, Zinshamster oder Nikolaus. Das alles sind Papiere, die unsere Leser im Depot haben.
  • Anhaltspunkt 2: Lockzinsen. Häufig sind die Papiere mit hohen Zinsen ausgestattet. Oft ist dieser Zins für das erste Jahr garantiert, manchmal auch für das zweite, danach hängt er von der Entwicklung verschiedener Aktien oder Börsenindizes ab.
    Unserer Erfahrung nach geht die Wette selten gut für den Anleger aus. Und immer gilt: Je höher der Zins, desto höher das Risiko – auch wenn es noch so gut versteckt ist.
  • Anhaltspunkt 3: Kapitalgarantie. Viele Papiere sind mit einer Kapitalgarantie ausgestattet – ein wichtiges Verkaufsargument. Wer aber nach fünf Jahren Laufzeit gerade mal sein Geld wiederbekommt, hat nach ­Abzug der Inflation Verlust gemacht. Trotzdem bleibt vielen Käufern im Moment nichts anderes übrig, als bis zur Fälligkeit zu warten, wenn sie ihr Geld zurückwollen.
    Papiere mit Kapitalgarantie sind nicht völlig sicher. Während der Laufzeit kann der Kurs stark schwanken. Das sollten Anleger, die zwischendurch an ihr Geld kommen wollen, beachten. Als Alternative zu Festgeld taugen die Produkte nicht.
  • Anhaltspunkt 4: Die Laufzeit hängt von einer Wette ab. Das gilt vor allem für Expresszertifikate und Bonus-Expresszertifikate. Wenn ein festgelegtes Ereignis in einem bestimmten Zeitraum eintritt, gibt es das Geld plus satten Zinsen zurück. Das Ereignis kann zum Beispiel sein, dass eine Aktie bis zum Stichtag ein Jahr später auf einen bestimmten Kurs steigt. Tritt das Ereignis nicht ein, läuft das Zertifikat ein Jahr weiter.
    Das Spiel wiederholt sich drei- oder viermal, dann läuft das Zertifikat aus. Ist das Papier mit Kapitalschutz ausgestattet, bekommt der Anleger sein Geld zurück, aber keinen Zins.
    Gibt es keine Kapitalgarantie, drohen ihm Verluste. Das ist häufig bei Bonus-Expresszertifikaten der Fall. Hier gibt es nur eine Sicherheitsschwelle. Wird sie verletzt, ist sogar ein Totalverlust möglich.
  • Anhaltspunkt 5: Verständlichkeit. Viele Zertifikate und strukturierte ­Anleihen sind schwer verständlich. Je länger es dauert, ehe man die Funktionsweise kapiert hat, desto eher lässt man die Finger davon.

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