Leseraufruf Lebensmittel Meldung

test.de berichtete über Lebensmittel, die nicht sind, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Prominentes Beispiel: Analog-Käse - ein Käse, der gar kein Käse ist. Der Bericht endete mit dem Aufruf an test.de-Leser, ihre Erfahrungen zum Thema per Mail mitzuteilen. Vielen Dank für Ihre zahlreichen Zuschriften!

Große Resonanz

test.de dankt allen Lesern, die an unserem Aufruf teilgenommen haben!
Ihre Zuschriften haben eines gezeigt: Die Nutzer von test.de sind sich vollkommen im Klaren darüber, dass nicht jedes Lebensmittel hält, was es verspricht. Ihnen sind die Tücken, die die Lebensmittelindustrie für Verbraucher birgt, durchaus bekannt. Viele gaben an, genau wissen zu wollen, was sie sich in den Einkaufswagen packen und deswegen regelmäßig die Zutatenlisten zu lesen.

Lieber Bio

Etwa 20 Prozent der Schreiber setzen ganz bewusst auf Bio. Das nötige Kleingeld darf in diesen Fällen natürlich nicht fehlen. Manch einer baut Salat und Obst auch einfach selbst an und fühlt sich so auf der sicheren Seite. Dazu ein test.de-Nutzer: „Wir erzeugen seit 30 Jahren unsere Gemüse, Kräuter, Bohnen, Salate, Erdbeeren und so weiter selbst in unserem kleinen Garten ökolo­gisch. Die übrigen Lebensmittel kaufen wir konsequent beim Biobauern oder im Bioladen. Das Risiko, dort mit derartigen Produkten wie Analog-Käse betrogen zu werden, ist mit Sicher­heit viel geringer als im konventionellen Handel.“

Lange Einkäufe

Einige test.de-Leser sind verärgert darüber, dass sie heute sehr viel länger für ihren Einkauf brauchen als noch vor ein paar Jahren. Das Studium der klein gedruckten, meist umfangreichen Zutatenlisten kostet Zeit. So schrieb eine test.de-Leserin: „Danke, daß Sie sich um das Thema Etikettenschwindel kümmern. [...] Zusammen­fassend kann ich sagen, daß es mir immer mehr gewaltig auf den Geist geht, daß man dem ersten Eindruck bei Lebensmitteln kaum mehr vertrauen kann. Einkaufen wird zur wissenschaftlichen Tätigkeit, ich stehe oft ewig vor den Regalen, um die zunehmend klein gedruckten Dinge zu lesen, die 'Erst-Eindrucks-Waren­kenn­zeich­nung' dient immer öfter der Vorspiegelung falscher Tatsachen. Und der Gesetzgeber machts mit – unterstützt die Sache. Dranbleiben bitte!!!“

Knifflige Deklarationen

Die Aufruf-Teilnehmer berichteten über die verschiedensten Produkte, die nicht halten, was sie versprechen. Einige Leser waren sogar so verärgert, dass sie sich direkt an die Hersteller gewandt haben - ohne Erfolg. In den meisten Fällen handelt es sich um nicht ganz eindeutige, jedoch nicht falsche Deklarationen der Produkte. Welche Inhaltsstoffe die jeweiligen Lebensmittel enthalten oder nicht enthalten, erfuhren die Schreiber häufig erst beim Lesen der Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung. Leider war es der Stiftung Warentest nicht möglich, alle Produkte auch im Labor zu untersuchen. Aber test.de hat sich die Verpackungen genau angesehen. In diesem Zusammenhang be­son­ders interessant: verschiedene Zitronenkuchen, ein Schoko-Bananen-Brot­auf­strich und ein Orange-Mango-Ananas-Bananen-Saft.

Zitronenkuchen ohne Zitrone

Alle Zitronenkuchen tragen auf den Vorderseiten der Verpackungen genau diese Bezeichnung. Kunden könnten also davon ausgehen, dass auch Zitrone drin ist. Die klein gedruckten Zutatenlisten aber verraten: In keinem der Zitronenkuchen ist Zitrone. Lediglich Citronensäure - die allerdings synthetisch hergestellt wird - und Aroma sind enthalten. Daher auch Zitronengeruch und -geschmack. Die Hersteller haben trotzdem richtig deklariert: Die Zitronenkuchen heißen auf der Rückseite im Kleingedruckten 'Rührkuchen mit Zitronengeschmack'.

Schoko-Bananen-Brotaufstrich ohne Banane

Der Schoko-Bananen-Brotaufstrich im Glas sieht ganz nach Schoko und Banane aus. Gelbe und braune Streifen der süßen Masse sollen Appetit machen. Auch die Vor­der­seite des Produktaufdrucks zeigt Schokolade und Banane in ganzen Früchten und Stücken. Aber auch hier sagt die Zutatenliste auf der Rückseite etwas Anderes: Dieser Aufstrich ist niemals mit Bananen in Kontakt gekommen. Mit Aroma schmeckt und riecht er trotzdem nach Banane.

Orange-Mango-Ananas-Bananen-Saft mit 37% Apfelsaft

Der Orange-Mango-Ananas-Bananen-Saft ist auf der Vorderseite der Verpackung als solcher deklariert. Fruchtgehalt: 100 Prozent. Die Zutatenliste auf der Rückseite listet den Anteil der genannten Früchte auf - und überrascht: Neben den im Produkt­namen genannten Früchten enthält der Saft 37% Apfelsaft - und macht damit immer­hin mehr als ein Drittel des Inhalts aus.
Im Vergleichstest von Smoothies (test 11/2008) - das sind kleine Flaschen pürier­tes Obst oder Gemüse - gab es ähnliche Ergebnisse. Zwölf Smoothies waren falsch deklariert. Beispiel: Was sich Beeren-Smoothie nennt, muss auch über­wie­gend Beeren enthalten.

Lesen, lesen, lesen

Die zahlreichen Berichte der Leser von test.de beweisen erneut: Woraus genau ein Lebensmittel zusam­men­gesetzt ist, erfahren Verbraucher häufig nur, wenn sie die klein gedruckte Zutaten­liste lesen. Bewusstes Einkaufen erfordert dann auch mehr Zeit.

Tipp: Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) kann Ihren Einkauf vielleicht etwas verkürzen - zumindest wenn Sie vermeiden wollen, dass Analog-Käse ( Alles Käse?) in Ihrem Einkaufswagen landet. Sie hat jetzt aktuell eine Liste mit Analog-Käse-Produkten auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Weitere Leser-Reaktionen

  • Verlust an Ethik. „Danke für Ihre stets aktuellen interessanten Berichte und Tipps, ich lese Ihren Newsletter gern. [...] Für 'meinen Geschmack' steht die Deklarations­pflicht für Lebensmittel in Deutschland noch weit am Anfang, weil ich nicht mehr glaube, was ich auf der Verpackung lese. Ich bedauere den Verlust an Ethik und Verantwortung von Lebensmittel-Produzenten für unser täglich Brot.“
  • Verbraucherschutz aufgeweicht.„Informieren Sie doch bitte noch häufiger über die 'Analog-Käse-Kriminellen' – und informieren Sie doch bitte auch sämtliche EU-Parla­men­tarier über deren Treiben. Europa sollte ja eigentlich – demnächst sind Wahlen – ein Europa des Verbraucherschutzes werden. Tatsächlich wird der Verbraucherschutz – entgegen mancher treuherzigen Beteuerungen – weiter aufgeweicht.“
  • Kryptische Bezeichnungen. „Vielen Dank für Ihre Bemühungen für eindeutigere Angaben auf den Lebens­mitteln und Ihre Aufklärung! Ich versuche selbst möglichst auf Inhalts­stoffe bei den Lebensmitteln zu achten, aber als normaler Mensch kommt man ja kaum hinterher bei den teilweise sehr kryptischen Bezeich­nungen auf den Verpackungen. Und ich bin noch nicht auf die Idee gekommen, dass Käse kein Käse sein könnte. Das ist (mal wieder) er­schreckend!“
  • Zum Schmunzeln. „Andere empörende Beispiele sind: Katzenzungen von Sarotti, Mohrenköpfe von Dubler, Kinderschokolade von Ferrero, Jägerschnitzel ... Da freut man sich auf einen leckeren Jäger, und dann ...“

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