Leser gegen Straßenlärm: Jeder Zehnte hat Erfolg

Wer es selbst versucht hat, weiß es: Der Kampf um mehr Ruhe ist eine mühsame Angelegenheit. Darum kann sich die Bilanz unserer Leseraktion Straßenlärm sehen lassen. Drei von zehn Teilnehmern haben im Kampf um mehr Ruhe zumindest ein wenig Erfolg gehabt, jeder Zehnte war überwiegend oder gar sehr erfolgreich. Und das lässt sich erreichen:

Neue Fenster. Das einfachste Mittel gegen Lärm von draußen ist, tief in die Tasche zu greifen und Schallschutzfenster selbst zu bezahlen. 20 Prozent der knapp 400 Teilnehmer, die unseren Fragebogen beantworteten, taten das. Nur jeder Zehnte davon erhielt Zuschüsse, dann aber meist einige Tausender.

Hintergrund: Ein Recht auf Lärmschutz gibt es nur im Rahmen der so genannten Lärmvorsorge, die an neuen und wesentlich geänderten Straßen (im Westen seit 1974, im Osten seit 1991) greift. Sonst winkt Geld lediglich als freiwillige Leistung bei hohen Pegeln. Diese Lärmsanierung gibt es an Bundesstraßen ­ außerdem auch an Landestraßen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.

Es können aber auch andere Geldquellen erschlossen werden. In einem Fall steuerte die Wohnungsbaugenossenschaft etwas bei. Und steht sowieso eine Sanierung des Hauses an, baut der Vermieter viel eher Schallschutzfenster ein. Gleich mehrere Teilnehmer erreichten das. Schließlich droht bei Dauerlärm Mietminderung.

Lärmschutzwälle. Ein Wall hilft gegen den Schall. Fast 50 Teilnehmer regten Baumaßnahmen an, zwei hatten Erfolg. Zwei weitere schritten auf eigenem Grundstück selbst zur Tat. Vorsicht: Schon kleine Fehler bei der Planung machen den Schallschutz zunichte. Rat von Fachleuten lohnt sich.

Tempolimits. Jeder Bürger kann bei der Verkehrsverwaltung wegen Lärm und Abgasen Tempolimits oder Fahrverbote für Lkws beantragen. Rund 30 Prozent der Teilnehmer taten das. Paragraph 45 der Straßenverkehrsordnung machts möglich. Haken dabei: Der 1997 eingeführte Absatz 9 macht den Paragraphen zahnlos. Nur noch wenn das "allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung" erheblich überstiegen wird, darf der Verkehr gebremst werden. Trotzdem geht es, wenn das Amt mitspielt: Auch hier erreichte etwa jeder Zehnte etwas, ob Tempo 30, Nachtfahrverbot für Laster oder eine neue Ampel. Allgemeine Klage gibt es allerdings über ignorante Raser. Da helfen nur Blitzanlagen, wie sie mehrere Teilnehmer durchsetzten. Damit der Papierkrieg in Zukunft einfacher wird, haben wir ein Formschreiben für Sie vorbereitet.

Lärmminderungspläne. 350 Kommunen in Deutschland haben schon einen Lärmminderungsplan. Gleich bei zwei Teilnehmern lässt die Stadt nun im Rahmen eines solchen Planes untersuchen, wo der Verkehr am lautesten ist und was man dagegen tun kann. Auch hierfür haben wir einen entsprechenden Antrag vorbereitet .

Grundsteuersenkung. Wenn schon Lärm, dann wenigstens die Wertminderung von Amts wegen anerkennen lassen. Bei ungewöhnlich starker Beeinträchtigung durch Verkehrslärm kann das Finanzamt den Einheitswert des Grundstücks mindern und damit auch die Steuer. Zwei Teilnehmer meldeten Grundsteuersenkungen um fünf und zehn Prozent (aus Pfaffenhofen und Tübingen).

Detailliertere Informationen erhalten Sie mit unserem Gutachten. Ein Gratis-Infopaket zum Lärmschutz können Sie beim Umweltbundesamt, ZAD, PF 33 00 22, 14191 Berlin, anfordern. Dort gibt es im Internet auch individuelle Beratung zu Lärmproblemen (www.umweltbundesamt.de, Stichwort Lärmprobleme).

Dieser Artikel ist hilfreich. 390 Nutzer finden das hilfreich.