Leseraktion Inflation Special

Mehr als 180 Leser haben uns nach unserem Aufruf zum Thema „Geschäfte mit der Inflationsangst“ geschrieben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Mein Berater hat mir den Fonds DWS Sachwerte angeboten. „Damit sind Sie auch bei Inflation gut aufgestellt“, steht in der Broschüre. Was halten Sie von dem Produkt?

Den Fonds (Isin DE 000 DWS 0W3 2) gibt es erst seit einem Jahr. Deshalb ist eine seriöse Bewertung der Qualität noch nicht möglich. Wir bewerten Fonds erst, wenn sie mindestens fünf Jahre alt sind.

Fondsmanager Klaus Kaldemorgen investiert in Aktien, Immobilien, inflationsindexierte Anleihen sowie Rohstoffe und Edelmetalle. Offene Immobilienfonds, Immobilienaktien und inflationsindexierte Anleihe müssen mindestens 51 Prozent des Fondsvermögens ausmachen.

Ein guter Mix von Anlageklassen ist ein guter Schutz vor Inflation. Allerdings investiert der Fonds auch in riskante Papiere und ist als sichere Anlage daher nicht geeignet.

Mein Freund und ich wollen in fünf Jahren bauen. Zwei Bausparkassen wollten mir bei einer monatlichen Rate von 600 Euro eine Bausparsumme von bis zu 400 000 Euro verkaufen. Meine Einwände, dass damit auch die Darlehensgebühr steige, haben die Berater als „kleinlich in Anbetracht der drohenden Inflation“ abgetan.

Ein solches Angebot ist eine Frechheit. Nicht nur die Darlehensgebühr, auch die Abschlussgebühr würde steigen. Bei einer Bausparsumme von 400 000 Euro würden Sie 4 000 Euro an den Berater zahlen, bevor auch nur ein Cent Ihren Vertrag erreicht.

Zudem müssen Sie in den meisten Tarifen 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme angespart haben, ehe das Darlehen zugeteilt werden kann. Das wären in Ihrem Fall 160 000 bis 200 000 Euro. Sie hätten nach fünf Jahren aber erst 32 000 Euro eingezahlt.

Grundsätzlich ist die Idee, sich jetzt in der Niedrigzinsphase über einen Bausparvertrag ein zinsgünstiges Darlehen für später zu sichern, nicht schlecht. Allerdings sind auch Ihre Guthabenzinsen im Bausparvertrag sehr niedrig. Sollte die Inflation ansteigen, bekämen Sie keinen Ausgleich.

Zu Ihrer Sparrate und dem Plan, in fünf Jahren zu bauen, passt eine Bausparsumme von grob gerechnet 60 000 bis 80 000 Euro. Die optimale Summe hängt vom Tarif ab. Künftige Angebote können Sie mit unserem Bausparrechner im Internet überprüfen (www.test.de/bausparrechner).

Warum stehen Sie Gold so negativ gegenüber? Sie können doch nicht leugnen, dass Gold einen Schutz vor Inflation bietet!

Das tun wir auch nicht. Wir raten lediglich, Gold nur als Beimischung zu nutzen. Das tun viele andere übrigens auch. Nur unseriöse Anbieter empfehlen Ihnen, Ihre Ersparnisse zu „retten“, indem Sie alles in Gold tauschen sollen.

Gold wird tatsächlich niemals wertlos sein, anders als es Ihnen mit einer Aktie passieren kann. Aber es ist eben auch keine sichere Anlage. Der Goldpreis schwankt aber stark und es kann sein, dass Sie einen großen Teil Ihres Geldes damit verlieren.

Die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Inflationsrate ist irreführend. Wegen der großen Spaltung der deutschen Bevölkerung nach Einkommen und Vermögen ist eine gemeinsame Inflationsrate schlicht erlogen. Warum machen Sie da mit?

Im Warenkorb des Statistischen Bundesamtes sind die Güter und Dienstleistungen, die die Deutschen im Durchschnitt brauchen. Kaum jemand wird wirklich so einkaufen wie der Durchschnitt, doch anders kann man des Problems statistisch nicht Herr werden. Wir wüssten auch nicht, ob wir in unseren Texten etwa lieber die Inflation für Mieter oder die für Vermieter angeben sollten oder die für junge Leute oder Rentner.

Sie können Ihre eigene Inflationsrate aber durchaus ausrechnen, und zwar im Internet unter www.destatis.de. Klicken Sie auf „Konjunkturindikatoren“, dann auf „Preise“.

Die Commerzbank bietet uns für je 20 000 Euro folgende Anlagen an, über die wir angeblich jederzeit verfügen können: den Dachfonds Premium Management Immobilien-Anlagen und einen Geldmarktfonds von Nordea in norwegischen Kronen. Wie sicher sind diese Anlagen?

Nicht sicher genug für ein Basisinvestment. Sie sollten allenfalls einen kleinen Teil Ihres Geldes dort anlegen.

Der Geldmarktfonds Nordea Norwegian Kroner Reserve (Isin LU 007 881 282 2) ist sogar eher riskant. Er investiert in kurz laufende Anleihen, die auf norwegische Kronen lauten. Fällt der Euro gegenüber der Krone, dürfen Sie hohe Renditen erwarten. Passiert das Gegenteil, können Sie hohe Verluste machen. Richtig ist zumindest, dass Sie jederzeit über Ihr Geld verfügen können.

Beim Kauf eines Immobilienfonds ist nicht sicher, dass Sie jederzeit an Ihr Geld kommen. Der Premium Management Immobilien-Anlagen von Allianz Global Investors (Isin DE 000 A0N D6C 8) hält aktuell rund 90 Prozent des Fondsvermögens in offenen Immobilienfonds. Darunter sind laut Jahresbericht vom 31. März 2010 auch Fonds, die derzeit keine Anteile zurücknehmen wie zum Beispiel Fonds von SEB, Morgan Stanley oder Kanam.

Zwar bieten Immobilien als Sachwertanlagen Schutz vor Inflation. Der ist aber gefährdet, wenn es in den Fonds zu Abwertungen kommt – wie es im Fonds Morgan Stanley P2 Value bereits passiert ist.

Ärgerlich finden wir auch, dass die Fondsgesellschaft Ihnen eine Erfolgsgebühr abziehen kann, auch wenn der Fonds keinen neuen Höchststand erreicht.

Gerüchten aus dem Wirtschaftsministerium zufolge bereitet die Regierung Deutschlands den Austritt aus dem Euro vor. Ist das möglicherweise wahr und Finanztest darf darüber nicht schreiben, damit keine Panik ausbricht?

Nein, wir sind völlig frei in der Entscheidung, worüber wir schreiben. Der Vertrag über die Währungsunion sieht einen Austritt außerdem nicht vor. Abgesehen davon wäre es unklug von Deutschland, den Euro abzuschaffen. Schließlich profitiert der deutsche Export in hohem Maße von der Gemeinschaftswährung. Rund die Hälfte der Exporte gehen in den Euroraum.

Die Firma Prokon aus Itzehoe bietet hoch verzinste Genussrechte an und wirbt seit neuestem mit einem „Ausgleich des drohenden Anstiegs der Inflation als Folge der Staatsverschuldung“. Kann man der Firma vertrauen?

Zumindest der Werbung sollten Sie misstrauen. Beispielsweise schreibt die Firma auf ihrer Internetseite, dass ihre Genussrechte „ein hohes Maß an Sicherheit“ böten. Das ist falsch. Genussrechte sind riskant. Geht es dem Herausgeber der Genussrechte schlecht, kann es sein, dass Sie weniger oder keine Zinsen bekommen. Im Pleitefall ist es fraglich, ob Sie Ihr Geld wiedersehen.

Auch die Werbung mit dem Inflationsschutz ist fragwürdig. Prokon weist darauf hin, dass Windanlagen Sachwerte seien. Das stimmt zwar, aber wenn Sie Genussrechte kaufen, sind Sie an den Windanlagen nicht direkt beteiligt, Sie haben lediglich einen Zahlungsanspruch aus den Genussrechten.

Auch der Inflationsausgleich ist ein reines Zahlungsversprechen von Prokon. Er soll übrigens erst ab einer Preissteigerungsrate von mehr als 10 Prozent greifen. Momentan beträgt die Inflation 1 Prozent pro Jahr.

Ich interessiere mich für inflationsgeschützte Anleihen. Was mir dabei aber nicht klar ist: Woher kommt bei steigender Inflation das Geld, um den realen Wert des Geldes zu erhalten?

Nehmen wir inflationsgeschützte Bundesanleihen. Ihr Zinssatz und die Rückzahlung steigen, wenn die Inflation steigt. Je höher die Inflation, desto höher ist daher die Zahlungsbelastung für den Staat.

Das Geld für die Zinsen und die Rückzahlung seiner Bundesanleihen – auch derer ohne Inflationsschutz – nimmt der Staat aus seinem Haushalt. Der wiederum speist sich unter anderem aus Steuereinnahmen.

Steigt die Zinslast durch Inflation oder steigende Zinsen am Kapitalmarkt, muss der Bund mehr Geld für seinen Schuldendienst aufwenden. Reichen die Steuereinnahmen nicht aus, zwackt er das Geld an anderer Stelle ab oder verschuldet sich neu.

Sie schreiben über Sachwertanlagen und nennen Gold, Aktien und Immobilien. Wie verhält es sich aber mit unternehmerischen Beteiligungen?

Sie haben recht. Auch geschlossene Immobilienfonds, Schiffsfonds oder Wind- und Solarfonds sind Sachwertanlagen.

Doch diese Anlagen sind rechtlich kaum geregelt und hochriskant. Das Problem ist die geringe Streuung. Ein geschlossener Fonds investiert im Gegensatz zu einem offenen Fonds nur in wenige Objekte, mitunter nur in eine Immobilie oder ein Schiff.

In der Vergangenheit haben viele geschlossene Fonds enttäuscht und nicht die in Aussicht gestellten Renditen erwirtschaftet. Im übelsten Fall haben Anleger ihr gesamtes Geld verloren.

Sie sollten maximal 10 Prozent ihres Geldes in geschlossene Fonds stecken. Beachten Sie auch die lange Laufzeit.

Was halten Sie von der „Inflationsanleihe 07/10 - 07/16“ von der Royal Bank of Scotland? In den ersten drei Jahren bekommt man 3,25 Prozent pro Jahr fest, danach ist der Zins abhängig von der Inflation, beträgt aber immer noch mindestens 3 Prozent.

Wahrscheinlich sind Anleger mit einer inflationsindexierten Bundesanleihe vor Inflation besser geschützt.

Die Anleihe der Royal Bank of Scotland läuft sechs Jahre (DE 000 AA2 GJR 5). Ab dem vierten Jahr entspricht der Zinssatz der jährlichen Inflationsrate, beträgt mindestens aber 3 Prozent pro Jahr. Bei einer Inflation von 4 Prozent gibt es 4 Prozent Zins.

Das ist viel. Der Zins einer Bundesanleihe steigt nicht so stark. Hier gibt es nur einen Inflationsausgleich. Beträgt zum Beispiel der Zinskupon 1 Prozent, gibt es bei 4 Prozent Inflation 1,04 Prozent Zins.

Allerdings wird bei der Bankanleihe nur der Zins und nicht die Rückzahlung an die Inflation angepasst, bei der Bundesanleihe steigt auch der Rückzahlbetrag. Bei gleichbleibenden Inflationsraten von 2 Prozent und mehr ist das zum Beispiel besser.

Denken Sie zudem an das höhere Risiko der Bankanleihe. Eine Bank geht leichter pleite als der deutsche Staat.

Beim Thema Inflation stößt man immer mal auf den Begriff der hedonischen Preisbereinigung. Was heißt das?

Um die Inflation zu berechnen, werden Preise verschiedener Zeitpunkte miteinander verglichen. Dieser Vergleich ist nur sinnvoll, wenn man dabei Produkte gleicher Qualität gegenüberstellt. Bei Computern zum Beispiel ist das schwierig, weil die neueren Geräte leistungsfähiger sind als die alten. In der hedonischen Berechnung wird das berücksichtigt: Wenn ein Computer teurer und besser geworden ist, hat das keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Inflation.

Das Statistische Bundesamt wendet die hedonische Preisberechnung für Computer seit Juni 2002 an. Im Mai 2003 kamen Gebrauchtwagen hinzu, später schlüsselfertige Häuser, Waschmaschinen und Fernseher.

Ich habe gehört, dass eine Deflation viel wahrscheinlicher sei als eine Inflation. Was passiert denn dann?

In einer Deflation sinken die Preise kontinuierlich. Ihr Geld wird von Tag zu Tag mehr wert und Sie können sich umso mehr kaufen, je länger Sie warten. Aber wenn keiner kauft, fehlen der Industrie die Anreize zu produzieren. Dadurch kann es zu einer Wirtschaftskrise und zu fallenden Aktienkursen kommen.

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