Lernsoftware für Wirtschaftsenglisch Test

In Englisch verhandeln, telefonieren, E-Mails schreiben – das bringt Pluspunkte im Job. Computerprogramme machen dafür fit. test empfiehlt vier „gute“.

Das Gesicht des Geschäftsführers Peter Marriner zieht sich zusammen, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Argwöhnisch fragt er die Bewerberin aus Deutschland, ob er richtig verstanden habe. Hatte sie tatsächlich auf die Höflichkeitsfloskel „How do you do“ mit der Frage „How do I do what?“ geantwortet?

Nur gut für die Bewerberin, dass Peter Marriner ein virtueller Geschäftsführer ist – im Lernprogramm Career Strategies. Sie kann also einfach zurückklicken, richtig antworten und hoffen, das Bewerbungsgespräch noch zu bestehen und Karriere zu machen – zunächst in der fiktiven Firma des Programms und, wenn ihr Englisch besser geworden ist, vielleicht auch im wirklichen Leben.

Mit Spaß im Büro

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Motivierend und lustig: In Career Strategies wird der Nutzer angesprochen.

Wie Career Strategies katapultieren die meisten Programme die Benutzer in realitätsnahe Jobsituationen: Sie müssen telefonieren, Treffen verabreden, präsentieren, verhandeln. Moderne Technik hilft dabei, mit Videos und vertonten Bilderge­schichten. Meist kann man mit den Programmen das Gehörte nachsprechen und aufnehmen, zum Teil wird es sogar nach einer Spracherkennung bewertet. Einige Programme legen mehr Wert auf Verstehen und Sprechen, andere wiederum (auch) auf schriftlichen Ausdruck.

Wir haben getestet, welche Lerninhalte in welcher Qualität enthalten sind und wie sie vermittelt werden. Das haben Experten und Nutzer – Studenten mit Schulkenntnissen in Englisch – beurteilt. Eine Voraussetzung ist natürlich, dass die Programme auf den Betriebssystemen, die der Hersteller angibt, auch lauffähig sind. Das haben wir vorher geprüft und für alle bestätigt.

Talkmaster werden dank Tim

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Dialoge verfolgen und nachsprechen mit digital publishing: Tim (oben links) hilft.

Im Test hat der digital publishing Intensivkurs Business English am besten abgeschnitten. Mit ihm lässt sich eine fast perfekte Kommunikation in Englisch erlernen, vom Smalltalk bis zum knallharten Verhandeln. In einer Übung erfahren die Nutzer zum Beispiel, wie sie in einer Diskussionsrunde andere Teilnehmer geschickt unterbrechen und den eigenen Standpunkt durchsetzen. Toll ist die Spracherkennung. Man kann beispielsweise die fehlenden Wörter eines Lückentextes einsprechen oder Vokabeln nachsprechen und an einer Prozentanzeige erkennen, wie nah dies der richtigen Aussprache kommt. Ein Videotutor mit Namen Tim korrigiert die Nutzer. Und Tim macht lautstark auf sich aufmerksam, wenn lange nichts gesagt wurde. Sicher ist die Spracherkennung noch nicht perfekt und es ist möglich, Tim auszutricksen, indem man zum Beispiel sehr ähnliche Worte spricht. Aber es funktioniert schon erstaunlich gut. Nicht ganz so gut klappt das bei Tell me more. Da muss man vor allem den richtigen Zeitpunkt und das Tempo fürs Einsprechen treffen, sonst gibt es trotz richtiger Aussprache eine Fehlermeldung. Etwas irritierend ist das Sonogramm, das ein Bild vom Ton erstellt. Der Nutzer will ein vorgegebenes Sonogramm nachahmen, was ihm schon wegen unterschiedlicher Stimmlagen oft nicht gelingen kann.

Der meiste Spaß mit Tell me more

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Spracherkennung Tell me more: Wirkt anschaulich, aber bewertet zum Teil falsch.

Die Studenten hatten mit Tell me more den meisten Spaß. Sie lobten vor allem die Vielfalt der Themen („sehr umfangreich, viele Übungen“, „viele Themen, von Grammatik bis zur Landeskunde“), das Design („großer Bildschirm, Gestaltung ansprechend“) und die einfache Bedienung („sehr übersichtlich, einfache Navigation, klar strukturiert“). Das Niveau ist eher anspruchsvoll, die Lernenden brauchen mindestens ein paar Jahre Schulenglisch als Vorwissen. Für Anfänger sind die Übungen zu schwer, obwohl der Anbieter auf der Verpackung auch sie anspricht, beziehungsweise die Zielgruppen missverständlich formuliert sind. Digital publishing, ebenfalls eher für Fortgeschritte geeignet, spricht auf der Packung nur von einem Lernjahr als Vorbedingung. Mängel wiesen auch die Produkt­infos von Langenscheidts Expresskurs auf. Darin wird zum Beispiel zu wenig über den Umfang des Programms gesagt, auch kaum etwas über die notwendigen Vorkenntnisse.

Briefe, E-Mails & Co.

Ein Vorteil von Tell me more gegenüber digital publishing ist: Es trainiert auch das Leseverstehen und den schriftlichen Ausdruck. Formschreiben, etwa für Anfragen oder Angebote, finden sich darin aber kaum. Anders in MultiLingua von United Soft Media, einem Programm speziell für Geschäftskorrespondenz. Schade nur, dass der Anbieter die Möglichkeiten von Software – etwa durch den Einsatz von Videos – kaum nutzt. Die Schüler hatten dementsprechend wenig Spaß. Einer resümiert: „Eher langweilig – das würde ich nur benutzen, um Briefvordrucke zu haben.“

Auf die Didaktik kommt es an

Drei Experten haben für uns geprüft, wie die Programme die Lerninhalte vermitteln. Am besten war wieder digital publishing. Die Experten fanden vor allem gut, dass ein Protokoll über die bewältigten Übungen immer abrufbar ist und die Fehler bei manchen Übungen erläutert werden – von Tim oder als kleine Nachricht auf dem Bildschirm. Solche Erklärungen haben sie zum Beispiel bei Tell me more vermisst. Didaktisch besser als Tell me more beurteilten sie Klett Pons – ein Programm, das vor allem für Lerner mit wenig Vorkenntnissen geeignet ist – und Career Strategies. Hier macht schon die Gestik der Gesprächspartner auf den Fehler aufmerksam. Wie das zerknirschte Gesicht des Geschäftsführers Peter Marriner im Bewerbungsgespräch. Gleichzeitig erklärt ein Textfeld: Wer „How do you do“ sagt, will nicht wirklich wissen, wie es seinem Gegenüber geht (oder was er macht). Richtig wäre, darauf auch bloß mit „How do you do“ zu antworten.

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