Lernsoftware Test

Eng­lisch lernen unabhängig von Zeit und Ort – Kurse auf CD oder DVD machen es möglich. Der Test zeigt leider: Vier von acht Produkten fallen durch.

„Not so grim. It´s only grammar“, scherzt Tutor Tim und lässt seine Augenbrauen spielen. Grammatik­übungen müssen nun mal sein. „This exercise should be no problem for you“, spornt er an. Mit munteren Kommentaren führt Tim einen Eng­lisch­schüler durch seine Lektionen. Nachdem der Schüler eine Aufgabe absol­viert hat, klickt er auf „Correction“ und schon meldet sich Tim wieder zu Wort. „Not a single mistake“, lobt er etwa, wenn alles korrekt ist. „Excellent.“

Tim existiert nicht wirk­lich. Er ist virtueller Trainer der Lernsoftware von Digital Publishing, dem Sieger im Test von acht Selbst­lern­programmen für Fort­geschrittene. Wem Tim bekannt vorkommt – bereits im Test 2007 gehörte die Software zum Trio der Besten.

Der Intensivkurs Eng­lisch von Digital Publishing schneidet im Test der Stiftung Warentest als einziges Lern­programm gut ab. Zum Preis von 100 Euro gehört er zwar zu den teureren Produkten in der Testreihe, aber das Geld ist gut investiert. Verbraucher erhalten ein üppiges Lernpaket mit vielfältigen Übungen.

Was gute Programme bieten müssen

Eine gute Eng­lisch-Lernsoftware hilft Nutzern dabei, sich im Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben zu verbessern. Sie schult die Grammatik, trainiert den Wort­schatz und thematisiert bestenfalls sogar kulturelle Besonderheiten des anglo-amerikanischen Raums.

Dafür muss das Programm abwechs­lungs­reiche Übungen bieten, die zudem inter­aktiv sein sollten. Das heißt: Der Nutzer sollte auf bearbeitete Aufgaben Rückmeldungen erwarten dürfen. Nur „Richtig“ oder „Falsch“ genügen nicht. Das Feedback darf schon ausführ­licher ausfallen.

Gut, aber nicht perfekt

Der Test zeigt aber leider: Wer mit Software lernen will, hat keine große Auswahl. Vor allem die vier mangelhaften Produkte im Test sind Zeit- und Geld­verschwendung. Einzig der Intensivkurs Eng­lisch von Digital Publishing erfüllt fast alle Anforderungen an ein gutes Lern­programm. Nur beim Schreibtraining fiel der Testsieger durch: Vom Nutzer verlangt er meist nicht mehr, als einzelne Wörter oder auch mal einen ganzen Satz einzutippen. Da wäre mehr drin. Zum Beispiel könnte Tutor Tim auch mal zu einem längeren Diktat bitten.

Didaktisch könnte Digital Publishing ebenfalls noch eins drauf setzen. So könnten die Foto­storys, die in jede Lektion einführen, durch Video­filme ersetzt werden. Laufende Bilder lassen auch Gestik und Mimik der Darsteller erkennen. Das hilft, die Sprache besser zu erschließen.

Plus­punkte für Einstufungs­test

Ein Plus­punkt von Digital Publishing dagegen ist der Einstufungs­test: Das Programm stuft die Eng­lisch­kennt­nisse des Nutzers ein und schlägt dann ein auf sein Niveau abge­stimmtes Übungs­programm vor. Damit sind auch längere Lern­pausen kein Problem: Wieder­einsteiger absol­vieren einfach erneut den Test und weiter gehts.

Einstufungs­tests hatten Selten­heits­wert im Test. Lediglich das befriedigende und damit zweit­platzierte Programm von Tell Me More bietet ebenfalls einen solchen Test. Wichtig ist eine Über­prüfung des Sprach­niveaus vor allem dann, wenn sich die Software an Lernende mit unterschiedlichen Vorkennt­nissen richtet. Woher sollen Fort­geschrittene sonst wissen, welche Lektionen sie zu bearbeiten haben?

Übrigens: Das Sprach­niveau sollte gleich auf der Verpackung ins Auge springen, am besten in Form der Buch­staben-Zahlen-Kürzel des Gemein­samen Europäischen Referenz­rahmens für Sprachen. A1 steht für das Können eines Anfängers, C2 ist ein fast mutterspachliches Niveau.

Vier mangelhafte Programme

Über­wiegend schlecht fallen die Urteile für die übrigen Programme im Test aus. Vier Produkte sind mangelhaft, weil sie entweder kaum mehr als Vokabeln abfragen oder zu wenige Übungen anbieten.

Bizzons eMarketing etwa verspricht „gehirn-gerechtes“ Lernen mit der sogenannten Birkenbihl-Methode. Für 89 Euro bietet das Programm nicht mehr als zehn eng­lische Texte, die der Nutzer im ersten Schritt mehr­mals anhören und gleich­zeitig in der Fremd­sprache sowie in der deutschen Über­setzung mitlesen soll. In Schritt zwei geht es darum, die Texte einfach nur nebenbei anzu­hören. So soll sich die Sprache allmählich einprägen. Fazit der Tester: Das reicht an Übungen nicht.

Sprachen­lernen24, Sybex und bhv Publishing setzen vor allem auf das Trainieren des Wort­schatzes. Doch selbst das gelingt nur ausreichend. Mit „Aufbaukurs“ oder „Sprach­kurs“ – wie auf der Verpackung versprochen – hat das nichts zu tun.

Eins muss jedem klar sein: Frei und flüssig formulieren – das lernt man selbst mit der guten Software von Digital Publishing nicht. Für spontane Gespräche ist leider auch Tutor Tim nicht programmiert. Das funk­tioniert nur im Austausch mit anderen, also zum Beispiel in einem Sprach­kurs (siehe Englischkurse: Günstig schlägt teuer aus test 10/2013).

Dank Sprach­erkennung können Nutzer aber an ihrer Aussprache feilen. Dafür nimmt sich der Schüler beim Sprechen auf. Ein Diagramm zeigt dann an, wie weit das Gesprochene von der optimalen Aussprache entfernt ist. Über Sprach­erkennungs­technik verfügten im Test nur Bizzons eMarketing, Sprachen­lernen24 und bhv Publishing nicht.

Flexibel lernen dank Software

Lernen mithilfe von Programmen für den Computer hat viele Vorteile. Lange Wege zur Sprach­schule kann sich der Nutzer sparen. Alles was er braucht, sind Computer oder Notebook und meist ein Head­set. So ausgerüstet, lernt jeder, wo er will und wann er will. Stundenpläne gibt es nicht.

Der Test zeigt: Das Produkt von Digital Publishing ist dafür durch­aus zu empfehlen. Von den übrigen Angeboten im Test mit oft eintönigen Übungen hebt es sich deutlich ab. Und dank Tim kommt der Spaß nicht zu kurz. Allerdings: Auch wer sein Eng­lisch mit Hilfe von Tim auffrischen will, benötigt Disziplin. Zum Üben muss er sich immer noch selbst aufraffen.

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