Lernsoftware Test

Ob im Beruf oder auf Reisen, Englischkenntnisse werden fast überall gebraucht. Sprachkurse für den Computer helfen beim Lernen – wir haben drei „gute“ gefunden.

„Very good“, lobt Tutor Tim begeistert, wenn der Englischschüler den Lückentext fehlerfrei ausgefüllt hat. „You are a genius“, sagt er bei der Aussprache eines „th“, die einem Muttersprachler Konkurrenz machen könnte. Tutor Tim führt durch das Lernprogramm Interak­tive Sprachreise. In den kurzen Videosequenzen, die auf jede Übung folgen, hat er immer einen munteren Kommentar auf den Lippen. Das Selbstlernprogramm für den Computer ist im Test mit „gut“ bewertet worden – ebenso wie noch zwei weitere Sprachkurse.

Geprüft wurden insgesamt 14 Lernsoftwareprogramme für Fortgeschrittene. Neben den drei „guten“ Produkten haben gleich sechs andere mit „befriedigend“ abgeschnitten. Die Kurse sind überwiegend auf CD-Rom für den Computer gespeichert, manchmal liegen zusätzlich Audio-CDs oder Lernbücher dabei. Elektronisch unterstütztes Lernen mithilfe von Computertechnik, E-Learning genannt, soll dabei helfen, Sprachkenntnisse aufzupolieren und zu verbessern.

E-Learning macht flexibel

Die Vorteile liegen auf der Hand. Wer zum Lernen nur den eigenen Computer braucht, spart sich den Weg zur Sprachenschule und kann mit dem Notebook im Park oder während der Bahnfahrt lernen. Es gibt keine Stundenpläne, keine festen Lernzeiten. Tutor Tim steht notfalls auch mitten in der Nacht auf, ein Lehrer aus Fleisch und Blut würde das nie tun.

Weiteres Plus: Beim E-Learning muss der Nutzer die ganze Zeit aufmerksam sein – nicht nur, wenn der Lehrer ihn auffordert. Das Programm läuft häufig nur weiter, wenn der Lernende zum Beispiel die Fragen des fiktiven Gesprächspartners beantwortet, indem er laut und deutlich in sein Mikrofon spricht. Über kleine Patzer bei der Aussprache lacht beim E-Learning auch nicht der ganze Kurs, sondern allenfalls der Partner, der gerade zufällig den Raum betritt.

Hörverstehen ist wichtiges Lernziel

Ein paar der getesteten Produkte haben neben diesen Vorteilen noch einiges mehr zu bieten: gut gewählte Lerninhalte und eine ausgeklügelte didaktisch-methodi­sche Gestaltung. Besonders hervorgetan hat sich hier neben den drei mit der Gesamtnote „gut“ bewerteten Programmen der Kurs von Langenscheidt, der wegen der schwierigen Installation knapp ins Mittelmaß abrutschte.

Die besten Programme im Test zeichnen sich inhaltlich dadurch aus, dass sie Hör- und Leseverstehen, Sprechen und Schreiben als Lernziele ausreichend berücksichtigen. Die in den Kursen angebotenen Übungen decken die gesamte Palette ab. Der „gute“ Kurs aus dem Klett Verlag übt Hörverstehen beispielsweise so: Drei Personen unterhalten sich, der Nutzer hört konzentriert zu. Kaum ist das letzte Wort gesprochen, muss er zahlreiche Fragen zu dem Gespräch beantworten. Hatte Erin früher glattes oder lockiges Haar? Und hat Andrew zugenommen oder ist er dünner als zuvor?

Alltagsgespräche kommen oft zu kurz

Beim Bewerten der Lerninhalte ging es auch um die Frage, ob sich Wortschatz und Grammatik des Nutzers mithilfe des Programms verbessern. Bei Tell me More von Auralog übt er unter anderem mit Lückentexten oder löst Kreuzworträtsel. Einige Kurse setzen aber ihren Schwerpunkt auf das Wortschatztraining, und das Üben von Gesprächen, die sich aus alltäglichen oder beruflichen Situationen ergeben, kommt dann häufig zu kurz. Sehr vokabellastig sind der Tulox Sprachtrainer von Gekko, das inhaltlich gleiche Produkt aus dem Trend-Verlag namens Lingomaxx und der Kurs von Online Media World.

Small talk Englisch von bhv Software ist inhaltlich sogar so schlecht, dass das test-Qualitätsurteil auf „mangelhaft“ abgewer­tet wurde. Der Kurs wendet sich an Fortgeschrittene – aber mit Me­­thoden, die der Zielgruppe nicht entsprechen. Die Zahlen bis hundert lernt der Nutzer zum Beispiel auf kindliche Weise in einem Bingospiel. Dabei kreuzt er die Zahlen nur auf dem fiktiven Bingozettel an. Das ist auf Dauer langweilig.

Computertechnik soll genutzt werden

Für ein erfolgreiches Lernen kommt es auch darauf an, wie die Programme didaktisch ausgestaltet sind. Eine gut durchdachte Software sollte die Möglichkeiten, die ein Computer bietet, umfassend nutzen. Dazu gehört, dass Fehler des Nutzers vom Programm korrigiert werden oder Übungen zur Aussprache aufge­zeichnet und wieder abgespielt werden können. Im besten Fall wird die Aussprache sofort bewertet. Testsieger Auralog tut das beispielsweise mit einer Punkteskala. Ist die Aus­sprache perfekt, spendiert er sieben Punkte. Der Nutzer kann ganze Sätze oder auch nur einzelne Wörter gezielt üben, indem er sie so oft wiederholt, wie er möchte: Do you have apple tart, do you have apple tart ...?

Der „ausreichende“ Kurs von Online Media World bietet keine Möglichkeit, die Aussprache aufzu­nehmen. Stattdessen lau­tet der lapidare Vorschlag des immerhin 40 Euro teuren Programms: „Wenn Sie ein Aufnahmegerät zur Verfügung haben, lesen Sie den Text der Lektion laut vor und nehmen Sie sich dabei auf.“

Selbstdisziplin gehört dazu

Die Verwendung eines „guten“ Produkts wie Tell me More von Auralog macht allein aber auch noch keinen Meister. Der Lernerfolg hängt entscheidend davon ab, ob sich der Nutzer mit Selbstdisziplin immer wieder an den Computer setzt. Notfalls muss er sich zu seinem Glück zwingen und selbst dann weiterlernen, wenn die Lust am Lernen einmal nachgelassen hat.

Kleiner Trick: Beim E-Learning soll ein gemütliches Umfeld für Motivation sorgen. Vielleicht trägt ja eine Tasse Earl Grey mit einem Schuss Milch zu einer guten Laune und Lernatmosphäre bei.

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