Lernprogramme: Word, Excel, PowerPoint Test

Übung macht den Meister, heißt es. Aber von den getesteten Lernprogrammen bietet nicht einmal jedes zweite Übungen. Und nur 4 der 14 CD-Roms sind wirklich gut.

Erleben Sie Ihren Lehrer live und hautnah auf Ihrem Bildschirm – so, als säße er direkt neben Ihnen. Was er Ihnen zeigt, können Sie sofort selbst ausprobieren.“ So preist der Anbieter Franzis seinen Video-Trainer Peter Biet gleich in der Einleitung an. Was der Nutzer nicht so schnell erfährt: Um Word, Excel oder Powerpoint mit der Lern-CD-Rom üben zu können, muss er die Programme Word, Excel oder Powerpoint erst einmal selbst haben und auf seinem Rechner installieren. Dafür nervt Peter Biet von Beginn an mit Versprechern – ein allzu großer Livecharakter.

Die getesteten Lernprogramme für Microsoft Word, Excel und Powerpoint, die mit Ausnahme der CD-Roms vom WG Verlag nur auf dem PC und nicht auch auf dem Mac laufen, sind echte Sparproduktionen. Gut fürs Portmonee, dafür überwiegend schlicht in optischer wie inhaltlicher Gestaltung. Nur 4 von 14 schnitten „gut“ ab, die übrigen nur „befriedigend“ oder „ausreichend“.

Größtes Manko: Obwohl sich alle CD-Roms an Anfänger richten, enthalten nur 6 von 14 Übungen. Davon wiederum nur Learnkey (Programm identisch mit SPC TEIA) und Sybex in angemessenem Umfang und mit Inhalten von guter bis sehr guter Qualität (siehe „Unser Rat“). Das sahen auch die privaten Nutzer so. Sie haben die CD-Roms zusätzlich zu den Lernsoftware-Experten getestet: Freunden würden sie nur Learnkey und Sybex guten Gewissens weiterempfehlen.

Preiswerte Alternative zu einem Kurs

Lernprogramme: Word, Excel, PowerPoint Test

Die Schulbank drücken: Mit Lern-CD-Roms auch bequem von zu Hause aus möglich.

Lernprogramme können Bücher und Kurse sinnvoll ergänzen oder sogar eine preiswerte Alternative sein – aber natürlich nur, wenn sie gut sind. Dann haben sie sogar Vorteile: Sie sind zeitlich und örtlich flexibel einsetzbar. Nachteile: Der Tutor und der Austausch mit der Gruppe fehlen. Um das auszugleichen sollten sie inhaltlich und methodisch-didaktisch gut aufgebaut sowie mediengerecht gestaltet sein. Ihr Vorteil gegenüber Handbüchern liegt in Hilfestellung, Rückmeldung und Motivation, die ein virtueller Trainer leisten kann. Und in Übungen, mit denen der Nutzer das Gelernte gleich anwenden kann. Leider boten das nur wenige Programme.

Videos mit nervenden Trainern

Nicht nur der Inhalt, auch die mediengerechte Gestaltung ist – mit Ausnahme von Learnkey und Sybex – äußerst dürftig: „ausreichend“ bis „mangelhaft“. Jedes zweite Lernprogramm, sprich alle CD-Roms von Franzis, Media und Topos, sind als Videos aufgenommen. Mit Videos im Sinne von Filmen haben sie aber wenig zu tun. Überwiegend handelt es sich um animierte Screenshots – Bildschirmoberflächen wie sie auch in Benutzerhandbüchern abgebildet sind.

So grinst auch Franzis-Trainer Peter Biet nur von Fotofolgen, sodass kaum ein Lernender den Eindruck hat, „als säße er direkt neben ihm“. Da ist Berufskollege Peter Möller von Media beweglicher, nervt aber mit Werbesprüchen wie „Ja, und auf diesen Kurs hat ja die Fachwelt lange drauf gewartet  ... und es gibt tatsächlich jede Menge Neuerungen“. Leider konnte er weder mit Inhalten („befriedigend“) noch mit mediengerechter Gestaltung („ausreichend“) oder Interaktivität („mangelhaft“) überzeugen.

Mit CDs zum Computerführerschein

Die 14 getesteten Lernsoftwareprodukte richten sich alle an Anfänger – auch wenn sich einige für Anfänger wie für Profis anpreisen (zum Beispiel Topos). In den Word-Kursen lernt der Nutzer beispielsweise Texte zu formatieren, Kopf- und Fußzeilen einzusetzen und Serienbriefe zu erstellen. Bei Excel steht Zellen formatieren, mit Formeln rechnen und Tabellen erstellen auf dem Programm. Präsentationen mit Zeichnungen, Grafiken und Organigrammen bietet Powerpoint.

Diese Fertigkeiten werden auch für den Europäischen Computerführerschein (European Computer Driving Licence, ECDL) verlangt. Das ist ein standardisiertes, in vielen Ländern Europas anerkanntes Zertifikat, das aus Modulen zu Informationstechnik, Computerbenutzung und Betriebssystemfunktionen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken, Präsentation und Grafik, Internet besteht (Informationen dazu unter www.ecdl-portal.de). Mit guten Lern-CD-Roms kann sich der Nutzer auch selbst auf die Prüfung vorbereiten.

Technik mit anfänglichen Tücken

Aber bevor Anfänger loslegen können, müssen sie technische Hürden nehmen: Der Rechner darf nicht veraltet, mindestens Windows 95 sollte installiert und Sound- und Grafikkarten vorhanden sein. Stimmen die Voraussetzungen, gilt es nach Einlegen der CD-Rom nur noch das Lernprogramm zu finden. Fast alle starten automatisch oder erscheinen sichtbar auf dem Bildschirm. Nur Learnkey muss für die Installation erst einmal umständlich im Explorer gesucht werden.

Beim Test-Sieger Learnkey stellten zudem auch technische Pannen unsere Tester auf die Probe. Zwar schneiden die Word- und Excel-Übungen von Learnkey inhaltlich und didaktisch am besten ab, aber auf unseren eingekauften Word-CD-Roms waren die falschen Übungen, nämlich für Excel. Erst bei der zweiten Nachfrage schickte der Anbieter die richtigen Dateien vollständig per E-Mail zu.

Die Word- und Excel-Übungen von Sybex sind inhaltlich ebenfalls gut, aber Nutzer und Experten empfanden sie als ziemlich kleinschrittig. Dafür hat Sybex einen großen Vorteil für Anfänger: Die Übungen sind in das Lernprogramm integriert. Die Programme Word oder Excel müssen im Unterschied zu Learnkey nicht extra installiert werden. Die wenigen Übungen auf den Word- und Excel-CD-Roms von Topos wiederum reichten weder Experten noch Nutzern. Die übrigen CDs bieten gar keine Übungen.

Pech mit Powerpoint

Aus der Reihe tanzte der WG Verlag mit Word, Excel und Powerpoint. Sie entpuppten sich erst im Test als Nachschlagewerke, auf der Verpackung waren sie aber nicht als solche ausgeschrieben. Deshalb haben wir sie an denselben Maßstäben wie die Lernprogramme gemessen. Das reichte bei allen drei nur für ein „Ausreichend“. Wer also Powerpoint lernen möchte, dem bleibt von den getesteten Produkten nur der Lernkurs von Franzis. Dann muss er sich aber auch mit Videotrainer Peter Biet abfinden.

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