Lernprogramme Tastaturschreiben Test

Mit einem Tipp-Programm zum Download oder als Onlinekurs kann jeder das Zehnfingersystem einfach lernen. Teure Lernprogramme schwächeln, der Testsieger ist kostenlos.

10-Finger-Tippen schont Gelenke

Es spart Zeit, mit zehn Fingern zu schreiben. Nach bis zu vier Wochen regelmäßigen Übens waren unsere Testpersonen in der Lage, mit deutlich weniger Tippfehlern zu schreiben als mit ihren bisherigen Schreibgewohnheiten. Weniger Tippfehler sind eine Erleichterung, denn die Tester bleiben so im Schreibfluss und müssen seltener Fehler korrigieren. Auch müssen sie beim Schreiben nicht auf die Tastatur sehen. Ihre Finger gehen kurze Wege und treffen die Tasten ohne prüfenden Blick. Außerdem schont das Tippen mit zehn Fingern die Gelenke, berichtet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Mühsamer Anfang

Doch die ersten Schritte mit zehn Fingern sind mühsam. Unsere Tester brauchten eine Weile, um ihr altes Tempo wieder zu erreichen. Gute Tipp-Programme aus dem Internet erleichtern den Umstieg. Mit den Programmen können die Zehn-Finger-Novizen jederzeit zwischendurch üben und sich das Lernen frei einteilen. Unterricht in einem Kurs ist oft gar nicht notwendig (siehe Tipps).

Tester übten bis zu vier Wochen lang

Im Test waren zehn Tipp-Programme, die im Internet per Download erwerbbar oder online nutzbar sind (siehe So haben wir getestet). Jeweils fünf Testpersonen im Alter zwischen 20 und 52 Jahren haben die Programme nach einer Einführung am Prüfinstitut bis zu vier Wochen lang zuhause ausprobiert und anschließend in einem Fragebogen bewertet. Außerdem beurteilten drei Experten, wie gut Anfänger und Fortgeschrittene mit den Angeboten lernen können. Auch die Bedienbarkeit haben sie untersucht. Ein technischer Gutachter prüfte Kriterien wie Lauffähigkeit und Installation, ein Rechtsgutachter untersuchte die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter.

Sechsmal gutes Lernkonzept

Ein gutes Programm sollte den Nutzer von Anfang bis Ende beim Lernen begleiten. Es sollte etwa das Tippen schrittweise in übersichtlichen Lerneinheiten vermitteln, abwechslungsreich sein, die Schwächen der Nutzer erkennen und darauf eingehen können. Das wurde im „Lernkonzept“ bewertet (siehe Tabelle). Ergebnis: Sechs von zehn Programmen lösen das mindestens gut. Maschinenschreiben Deluxe ist als einziges Programm sehr gut im Lernkonzept, unter anderem die Fehleranalyse ist überzeugend. Tipp10 fällt mit vielen Einstellungsmöglichkeiten auf, der Tippmaster erklärt das Zehnfingersystem besonders gut. Mit einigen Abstrichen folgen der Schreib-Trainer von Andreas Breitschopp, der Schreibtrainer 3.7c von Neuber und Emo2Type von Emolearn.

Nur Tipp10 sehr gut bedienbar

Die Programme wurden von kleinen Softwareschmieden oder auch von einzelnen Personen entwickelt. Viele sind optisch nicht auf der Höhe der Zeit, unübersichtlich und schwer bedienbar. So erscheint etwa der Tippmaster im alten Design. Maschinenschreiben Deluxe verwirrt den Neuling während des Tippens mit vielen farbigen Anzeigen, an die Bedienung müssen sich die Nutzer erst gewöhnen. Der Schreibtrainer von Neuber enthält Rechtschreibfehler, die Menüführung ist unübersichtlich, das Fenster kann nicht vergrößert werden. Lediglich Tipp10 überzeugt mit seinem schlichten und übersichtlichen Design und als einziges Angebot auch einer eingängigen Bedienbarkeit. Weil auch das Lernkonzept gut ist, setzt es sich als Testsieger durch. Es ist das einzige kostenlose Programm im Test.

Teure Programme enttäuschen

Zwei Tipp-Trainer fallen durch ihr kreatives Konzept auf. Emo2Type und Tippen360 verbinden die einzelnen Tasten mit Assoziationen – von A wie Agent (Emo2Type) oder Ameise (Tippen360) bis Z wie Zeigefinger oder Zelt. Beide Programme richten sich damit vor allem an Anfänger, die mit der Tastatur bisher nicht gut umgehen können. Mit 37 und 35 Euro sind sie die teuersten Angebote im Test. Doch beide Lernprogramme fallen im Test zurück. Das gilt besonders für Tippen360. Das Programm fordert den Nutzer auf, mit geschlossenen Augen zu beruhigender Musik die einzelnen Buchstaben mit dem richtigen Finger ohne Tastatur auf dem Bein zu tippen – und das Handy dabei auszumachen. Doch das Tippen lässt sich mit dem Programm nur eingeschränkt üben. Die Nutzer können nur wenige Wörter trainieren, längere Übungstexte fehlen. Selbst für Anfänger sei das Programm „keine Herausforderung“, meinte eine Testperson.

Falsches Leistungsversprechen

Die Entwickler von Emo2Type haben sich einen Krimi ausgedacht, um die Bilder zu den Tasten mit einer Geschichte zu verbinden. Das Tippen können Nutzer danach wie mit anderen Programmen gezielt üben. Im Expertenurteil erhält es die Note „gut“. Das Leistungsversprechen dürfte das Programm aber kaum einhalten können. In einer „sagenhaften Weltrekordzeit von nur zwei Stunden“ will es das Tippen vermitteln. In dieser Zeit lernen Anfänger allenfalls die Belegung der Tastatur. Ungewöhnlich für ein Angebot, das ausschließlich online im Internet genutzt wird: Das Lernprogramm Emo2Type speichert den Lernfortschritt nur auf dem Computer, von dem es genutzt wird. Der Hersteller empfiehlt sogar, zur Nutzung des Lernprogramms die Sicherheitsstufe der Firewall auf „Mittelstufe“ zu stellen. Das sollten Nutzer besser nicht tun. Sie riskieren ansonsten womöglich einen Angriff aus dem Internet.

Abwertung um eine Note

Schließlich benachteiligen etliche Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Kunden. So lässt der Anbieter Emo­learn seinen Kunden nur eine Woche Zeit, um von dem Vertrag zurückzutreten. Das Gesetz sieht dagegen zwei Wochen vor. Auch verlangt der Anbieter bei zu später Zahlung ungewöhnlich hohe Verzugszinsen oder schließt die Haftung für Schäden weitgehend aus. Wegen dieser und anderer Klauseln haben wir das Programm Emo2Type um eine Note abgewertet.

Üben ist der Schlüssel zum Erfolg

Wie gut Umsteiger das Tippen lernen, hängt nicht allein vom Programm ab. Auch Testpersonen, die mit einem schlechteren Lernprogramm üben mussten, erzielten in unserer Untersuchung Fortschritte. Erfolgreich waren vor allem Testpersonen, die regelmäßig übten und auch im Alltag sehr früh mit zehn Fingern tippten. Und das klappte selbst mit dem schlechtesten Programm im Test: Oggisoft. Das fantasielose Programm ermöglicht lediglich das Abtippen eigener Texte und bietet keine aufeinander aufbauenden Übungen. Dennoch lernte unser Tester dazu. Ohne die Untersuchung hätte er wohl nie mit dem Programm gelernt, bekannte der Student hinterher. So aber biss er sich durch – und schrieb nach vier Wochen schneller als zuvor. Der Leiter am Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI), Wilfried Hendricks, weiß, worauf es beim Tippen ankommt. „Es ist wie beim Tanzen“, sagt er, „wer das Tippen mit zehn Fingern nicht regelmäßig übt, lernt es nie.“ Das kann auch das beste Programm nicht übernehmen.

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