Lernportale Test

Im Mitmachweb lernen Nutzer von- und miteinander. Fremd­sprachenportale versprechen so schnelle Erfolge. EF Eng­lishtown liefert sie am besten.

Soll der Ehren­gast beim Bankett neben dem Chef sitzen oder ihm gegen­über? Die Gruppe diskutiert das auf Eng­lisch. Das klappt ausgezeichnet, lobt Lehrer Sean aus Südafrika. Seine Schüler sind in aller Welt verstreut – und über ihre Computer in das virtuelle Klassen­zimmer von EF Eng­lishtown einge­loggt. Sie verständigen sich mit Maus, Kopf­hörer und Mikrofon.

„Jeder übt für sich – und ist doch nicht allein am Rechner“, erklärt E-Learning-Expertin Anne Thillosen vom Leibniz-Institut für Wissens­medien das Prinzip der Lernportale. Sie stellen Übungen mit einer Mischung aus Bild-, Audio- und Video­material online zur Verfügung, die die Nutzer im Allein­gang absol­vieren. Sie bringen sie aber auch mit der Community, der Lerner­gemeinschaft, in Kontakt – über Chats zum Beispiel. Auf manchen Webseiten gehört außerdem ein von einem Lehrer gestalteter und begleiteter Unter­richt zum Service.

Anbieter versprechen mit dieser Mischung schnelle Lern­erfolge. Aber ist das Mitmachnetz wirk­lich ein guter Lehr­meister? Um das heraus­zufinden, haben sich die Tester auf fünf Portalen angemeldet: bei Babbel, Busuu.com, EF Eng­lishtown, Live­mocha und Rosetta Stone. Fazit: Als Sprach­training sind die Portale für Erwachsene geeignet, die sich beim Lernen selbst organisieren können und einen Hang zu sozialen Netz­werken haben.

Dass Onlinen­utzer von- und miteinander lernen, verleiht dem Sprach­studium eine spannende Facette: Es locken Kontakte rund um den Erdball und das Gelernte wird sofort angewendet. Die Schüler freunden sich – ähnlich wie bei Facebook – an und unterstützen sich. Dieses Learning bei chatting ist effektiv, wenn die Community sinn­voll in den Sprach­unter­richt einge­bettet ist. Das ist etwa bei Busuu.com und Live­mocha der Fall. Auf diesen Portalen gehört zu den Lektionen, dass die Nutzer gegen­seitig kleine Schreib­aufgaben korrigieren.

Einen Haken hat das Lernen von Lernern: Die Sprach­schüler sind keine Dozenten, sie über­sehen Falsches bisweilen. Das passiert etwa bei Kommaset­zung, Tipp- und Recht­schreib­fehlern. Einige gehen die Passagen zwar gründlich durch, begründen ihre Änderungen aber nicht. „Kritisch bleiben, um sich nicht die Fehler der anderen anzu­trainieren“, rät Anne Thillosen deshalb.

Manko Mono­tonie

Die Übungs­einheiten der Portale haben unterschiedliche Vorzüge: Mit EF Eng­lishtown lässt sich Sprechen, Schreiben, Hören und Lesen gut trainieren. Andere, wie Babbel, haben Stärken im Wort­schatz­training. Insgesamt­sind alle Seiten inhalt­lich und didaktisch ausbaufähig, sie könnten für mehr Abwechs­lung sorgen.

Die Lektionen sind nach Schema F aufgebaut – mit der Zeit wirke das mono­ton, kritisierten Fach­gut­achter und Nutzer. Die Lern­freude versiegt, wenn Schüler das x-te Mal Bildern die richtige Vokabel zuordnen oder die übers Head­set gehörten Worte eintippen sollen.

Vom Manko Mono­tonie bleibt selbst Testsieger EF Eng­lishtown nicht verschont. Gut konzipierte Lektionen halfen hier aber am besten beim Lernen – durch Videos mit Mutter­sprach­lern und lebens­nahes Eng­lisch. Zum Paket gehören auch 30 Stunden im virtuellen Klassenraum.

Plötzlich scheint die Sonne

Lernportale Test

Zur Belohnung für bestandene Tests scheint bei Busuu.com die Sonne.

Lernportale sollten die Nutzer bei Laune halten. Die meisten beglück­wünschen die Lerner nach erfolg­reich abge­schlossenen Lektionen. Busuu.com lobt am kreativsten: Lern­fort­schritte werden im symbolischen Sprach­garten dokumentiert. Er wächst nach bestandenen Tests stetig. Plötzlich flattert ein Schmetterling durchs Bild, die Sonne scheint oder ein Schaf betritt die Szenerie – das macht Lust auf mehr.

Klauseln, die Kunden benach­teiligen

Was die Motivation betrifft, können sich die Konkurrenten also etwas von Busuu.com abschauen. Dass das Portal im Test am schlechtesten abschneidet, liegt vor allem an den sehr deutlichen Mängeln in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB). „Das Portal behält sich beispiels­weise eine frist­lose Kündigung des Abos ohne triftigen Grund vor und das Recht, die AGBs während des laufenden Vertrags zu verändern, ohne den Kunden in Kennt­nis zu setzen. Das benach­teiligt die Abonnenten in unzu­lässiger Weise“, erläutert der Gutachter, der die Verträge untersucht hat.

Trotz mancher Schwächen: Mit Lernportalen lässt sich eine Sprache flexibel und günstig trainieren. Die Inhalte sind ab 10 Euro pro Monat zu haben. Ergänzend zu anderen Lernformen sind sie allemal zu empfehlen. Mit Schülern aus aller Welt und Lehrern wie Sean kann EF Eng­lishtown sogar fast mit einem Präsenzkurs mithalten.

Übrigens hat sich die Gruppe auf EF Eng­lishtown geeinigt: Der Ehren­gast soll dem Chef gegen­über sitzen. Doch auf das Ergebnis kam es weniger an als auf die lebhafte Diskussion.

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