Lenovo Yoga Book Schnelltest

Hybrid­rechner. Das Lenovo Yoga Book gibt es wahl­weise mit einem von zwei Betriebs­systemen: Die Android-Variante kostet rund 500 Euro, für das Wind­ows-Modell sind rund 600 Euro fällig (jeweils ohne einge­bautes Mobil­funk­modem).

Ein mobiler Computer mit Tastaturfläche, aber ohne physische Tasten darauf: Das Lenovo Yoga Book eignet sich mit seiner berührungs­empfindlichen Fläche besonders für alle, die oft hand­schriftliche Zeichnungen oder Notizen anfertigen. Sie können digital per Eingabestift oder analog mit Papier und Tinte zeichnen, kritzeln oder mitschreiben – das Gerät über­nimmt die Aufzeichnungen dann direkt. Wir haben den inno­vativen Rechner geprüft.

Für kleine Notizen und große Kunst­werke

Mobile Rechner mit einer berührungs­empfindlichen Fläche zum Zeichnen gibt es schon länger. Bei solchen Grafik-Tablets „malt“ der Nutzer mit einem digitalen Eingabestift auf der Touch­fläche. Ein kompatibles Programm – die Malsoftware – über­nimmt die Zeichnungen, sodass sie als Datei gespeichert und bearbeitet werden können. Bei anderen Modellen muss der Nutzer dabei meist auf den Bild­schirm blicken, um seine Kreation zu sehen. Das Lenovo Yoga Book bietet zusätzlich die Option, mit Tinte auf Papier zu arbeiten. Dafür setzt der Besitzer in den mitgelieferten Eingabestift eine der ebenfalls mitgelieferten Schreibminen ein. Dann legt er den im Liefer­umfang vorhandenen Papier­block auf die Zeichenfläche, wo er von Magneten fest­gehalten wird. Bringt der Zeichner nun mit einer der Minen etwas auf das Papier, so sieht er sein Werk in Tintenform auf dem Blatt und der Rechner über­nimmt es zugleich in das verwendete Programm. Farbe, Strich­breite und andere stilistische Merkmale lassen sich über die jeweilige Software variieren. Statt Zeichnungen können auch hand­schriftliche Notizen digitalisiert werden – etwa bei Vorlesungen oder Sitzungen.

Zusatz­kosten für Material-Nach­schub

Sind alle Blätter des Notiz­blocks aufgebraucht, kann der Nutzer einfach selbst Papier zurecht­schneiden oder neue Vorlagen kaufen (rund 10 Euro). Befindet sich in den Minen keine Tinte mehr, muss er neue bestellen, denn die Über­tragung analoger Aufzeichnungen in Computer­programme klappt nur mit den mitgelieferten Spezialminen (rund 10 Euro für 3 Stück). Auch der Stift selbst kann nachgekauft werden (rund 50 Euro). Das mag durch­aus mal nötig sein, schließ­lich gibt es am Rechner keinerlei Aufbewahrungs­möglich­keit für den Stift, sodass er leicht verloren gehen kann.

Kaum Tipp­fehler mit der virtuellen Tastatur

Über eine Umschalt­taste lässt sich die Zeichenfläche in eine virtuelle Tastatur verwandeln. Per Hintergrund­beleuchtung werden Buch­staben, Zahlen und andere Symbole einge­blendet. Für Nutzer von Desktop-PCs und Laptops, die an dreidimensionale, bewegliche Tasten gewöhnt sind, ist das zunächst eine Umstellung. Trotz der ungewöhnlichen Tastatur gab es bei unserem Schnell­test über­raschend wenige Tipp­fehler. Das mag unter anderem daran liegen, dass virtuelle Tastaturen dank Smartphones und Tablets nichts Neues mehr sind.

Hybrid­rechner im Doppeltest

Das Lenovo-Gerät ist weder Fisch noch Fleisch. Der Hersteller vermarktet es als Tablet, eigentlich entspricht seine Bauform jedoch eher einem Convertible, da es sich wie ein Laptop aufstellen lässt, aber auch so umge­klappt werden kann, dass es als Tablet fungiert. Hinzu kommt, dass es das Yoga Book mit zwei verschiedenen Betriebs­systemen gibt: mit Android und mit Wind­ows 10. Wir haben das Android-Modell als Tablet geprüft und die Wind­ows-Version als Notebook. Die Android-Variante ist die güns­tigere Wahl: Sie kostet rund 500 Euro, während für das Wind­ows-Modell zirka 600 Euro anfallen. Diese Preise beziehen sich auf die „WiFi-“Modelle ohne Mobil­funk­empfang. Wünscht der Kunde zusätzlich ein einge­bautes Mobil­funk­modem, zahlt er etwas mehr: Zwischen rund 520 und 600 Euro für das Android-Gerät und etwa 700 Euro für die Wind­ows-Variante.

Die Android-Variante als Tablet

Unser Schnell­test zeigt: Das Gerät gehört zu den besten bisher von uns geprüften Tablets. Lediglich mit einigen Topmodellen von Samsung kann es nicht ganz mithalten. Dafür punktet es mit seiner enormen Vielseitig­keit. Hierbei stechen insbesondere die berührungs­empfindliche Fläche zum Zeichnen und Mitschreiben sowie die flexible Bauweise hervor, durch die es wahl­weise als Laptop oder als Tablet einge­setzt werden kann. Mit 688 Gramm ist es wesentlich leichter als andere Convertibles oder Tablets mit Tastatur, die meist mehr als ein Kilo auf die Waage bringen. Befinden sich andere Convertibles im Tabletmodus, stören oft die Tasten der umge­klappten Tastatur, wenn der Nutzer das Gerät in den Händen hält. Da das Yoga Book keine physischen Tasten hat, entfällt dieses Problem.

Groß­zügige Ausstattung

In puncto Rechen­leistung über­raschen die hervorragenden Ergeb­nisse beim Härtetest mit grafisch aufwendigen Tablet-Spielen. Das Display über­zeugt ebenfalls: Seine Diagonale beträgt 25,6 Zenti­meter (10,1 Zoll) – damit gehört das Gerät zu den größeren Tablets. Mit 1 920 x 1 200 Pixeln bietet der Bild­schirm etwas mehr als Full-HD-Auflösung. Auch der Akku ist stark: Er hält rund zehn Stunden lang durch. Generell ist die Ausstattung des Yoga Book groß­zügig: Im Vergleich zu den meisten Tablets bietet es mit 64 Gigabyte einen recht großen internen Speicher – per microSD-Karte kann die Kapazität um bis zu 32 Gigabyte erweitert werden. 4 Gigabyte Arbeits­speicher sind ebenfalls ein hoher Wert inner­halb der Produkt­gruppe Tablets. Die zwei Kameras bieten hohe Auflösungen: 8 Megapixel sind es bei der hinteren und 2 Megapixel bei der vorderen Kamera. Das Yoga Book kann im WLan auf die oft störungs­ärmeren 5-Gigahertz-Kanäle zugreifen. Die Notiz-App „Note Saver“ ist vorinstalliert – sie kann hand­schriftliche Aufzeichnungen von der Touch­fläche über­nehmen.

Das Wind­ows-Modell als Notebook

Unter den von uns geprüften Notebooks würde das Yoga Book hingegen einen der hinteren Plätze belegen. Dies über­rascht nicht, da die Anforderungen an Notebooks deutlich höher sind als an Tablets. Mit seiner geringen Displaygröße, den wenigen Anschlüssen und der fehlenden physischen Tastatur kann das Yoga Book ein Notebook nicht voll­wertig ersetzen. Auch die Rechen­leistung ist kein High­light, unter anderem weil das Gerät einen recht lahmen Prozessor verwendet. Das zeigt sich beispiels­weise bei 3D-Spielen, die das Yoga Book oft nur mit starkem Bild­ruckeln darstellen kann. Verglichen mit anderen aktuellen Notebooks bietet das Gerät einen relativ kleinen Arbeits­speicher von 4 Gigabyte. Der interne Speicher ist mit 64 Gigabyte geradezu mick­rig für ein Notebook – zusätzlich fällt auch sein nied­riges Arbeits­tempo negativ auf. Viel­schreiber dürften sich im täglichen Gebrauch zudem öfter eine herkömm­liche physische Tastatur wünschen.

Bauform bietet Flexibilität

Das Display hingegen ist besser als bei vielen anderen Notebooks: Es hat eine hohe Auflösung, ist leucht­stark und bietet einen sehr großen Betrachtungs­winkel, sodass auch beim Blick von der Seite alles gut erkenn­bar bleibt. In einigen Prüf­punkten profitiert das Yoga Book zudem von seiner Bauweise: Es ist wesentlich flacher und leichter als herkömm­liche Notebooks – dadurch lässt es sich deutlich besser trans­portieren. Aufgrund seines sehr geringen Strom­verbrauchs hält es unterwegs auch recht lange durch: Der Akku schafft beim Abspielen von Videos fast 11 Stunden. Allerdings dauert das Aufladen eine gefühlte Ewig­keit: Rund sechs Stunden nimmt sich das Yoga Book dafür. Weitere Plus­punkte des Geräts sind die Berührungs­empfindlich­keit des Bild­schirms und die flexible Bauform, die eine Nutzung im Tablet-Modus ermöglicht. Auch das lautlose Arbeiten hebt sich positiv ab im Vergleich zu vielen Notebooks, die beim Rechnen mitunter laut­stark lüften. Für die Digitalisierung hand­schriftlicher Notizen und Zeichnungen sind zwei Programme vorinstalliert: Microsofts One Note und eine Test­version der Malsoftware Artrage Lite.

Fazit: Guter Hybrid­rechner für Zeichner und Mitschreiber

Mit der Leistungs­fähig­keit und Ausstattung von Notebooks kann das Lenovo Yoga Book zwar nicht mithalten. Es gehört aber zu den besten Tablets, die wir je getestet haben. Insbesondere mit seiner berührungs­empfindlichen Fläche, die zum Tippen oder zum Digitalisieren hand­schriftlicher Zeichnungen und Notizen genutzt werden kann, fällt es positiv auf. Gerade für Grafiker, Kreative und Studenten ist es damit ein sehr vielseitiges Misch­wesen aus Laptop und Tablet.

Das beste Tablet für Sie

Alternativen zum Lenovo Yoga Book finden Sie in unserem Produktfinder Tablets. Unsere Daten­bank zeigt Test­ergeb­nisse, Ausstattungs­details und Preise für 56 aktuell lieferbare Tablets.

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