Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Ist Mineral­wasser wirk­lich so toll, wie die Werbung verspricht? Und stimmt die Qualität unseres Trink­wassers? Wenn ja: Lohnt es sich über­haupt, Geld für abge­fülltes Wasser auszugeben und mühsam selber Kisten zu schleppen? In unserem großen Wasser­check haben wir 30 stille Mineralwässer und Trinkwasser aus 28 deutschen Städten und Gemeinden untersucht. Unser Vergleichs­test zeigt, welches Wasser besser ist.

Test­ergeb­nisse für Mineral­wasser

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Die Test­ergeb­nisse der aktuell getesteten 30 stillen Mineralwässer und zusätzlich die aktualisierten Test­ergeb­nisse Mineralwässer der Sorten Classic und Medium erhalten Sie im Produktfinder Mineralwasser. Insgesamt bietet der Produktfinder Urteile für 77 Mineralwässer. Dazu erhalten Sie Zugriff auf sämtliche PDFs zu allen Mineralwassertests der Stiftung Warentest seit 2011, darunter auch den aktuellen Vergleichs­test.

Test­ergeb­nisse für Trink­wasser

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Hier geht‘s zum aktuellen Test Trinkwasser aus test 8/2016. Wenn Sie den Test frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf die Test­ergeb­nisse für Leitungs­wasser aus 28 Orten in Deutschland. Außerdem steht Ihnen das 15-seitige PDF aus test 8/2016 zum Download zur Verfügung. Es enthält zusätzlich die Test­ergeb­nisse für 30 natürliche Mineralwässer.

Video: So testet die Stiftung Warentest Wasser

Stilles Mineral­wasser ist im Kommen

Die Deutschen lieben natürliches Mineral­wasser. Die Brunnen­betriebe bewerben es als „ursprüng­lich rein und unver­fälscht frisch“, „voll­kommen in seiner Reinheit“ oder „natürlich erfrischend“. 2015 tranken die Bundes­bürger so viel wie nie: jeder im Schnitt 147 Liter. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 waren es noch 12,5 Liter. Am stärksten wächst das Segment der stillen Mineralwässer. Dabei kommt Wasser ohne Kohlensäure doch aus jedem Wasser­hahn.

Klare Plus­punkte für Leitungs­wasser

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Der Test von Trink­wasser­proben aus ganz Deutsch­land belegt: Leitungs­wasser hat eine gute Qualität. Außerdem: Sein Preis schlägt klar den von Mineral­wasser. Und die lästige Schlepperei von Flaschen entfällt. Auch die Umwelt profitiert. Wasser aus dem Hahn muss nicht abge­füllt, verpackt und trans­portiert werden.

Wann der Griff zur Mineral­wasser­flasche sinn­voll ist

Mythos Mineralstoffe. Natürliches Mineral­wasser dagegen wird vielfach über­schätzt. Vor allem Mineralstoffe im Mineral­wasser sind ein Mythos, in doppelter Hinsicht: zum einen, dass sie in hohen Mengen drin sind, zum anderen, dass sie eine wesentliche Mineral­stoff­quelle für den Menschen darstellen.

Gezielte Versorgung. In einigen Fällen ist der Griff zur Flasche aber sinn­voll. So kann kalziumreiches Mineral­wasser zum Beispiel laktos­eintolerante Menschen und Milchmuffel mit Kalzium versorgen. Von viel Sulfat können Menschen mit Verstopfung profitieren. Wer in einer Gegend mit intensiver Land­wirt­schaft wohnt und Baby­nahrung zubereitet, sollte sich bei seinem Wasser­versorger über die Nitrat­gehalte informieren und im Zweifel ein für die Zubereitung von Säuglings­nahrung ausgelobtes Mineral­wasser verwenden. Im Produktfinder Mineralwasser finden Sie mit einem Klick entsprechende Wässer.

Freie Wahl. Vielleicht entscheidet auch der Geschmack. Wem das Trink­wasser an seinem Wohn­ort nicht schmeckt, der kann es nicht wechseln – das Mineral­wasser schon.

Leitungs­wasser wird strenger kontrolliert als natürliches Mineral­wasser

Wasser­versorger müssen ihr Wasser regel­mäßig unter­suchen. Im Hinblick auf Keime gilt das für große Betriebe mehr­mals täglich. Somit ist es das am strengsten kontrollierte Lebens­mittel in Deutsch­land. Es muss von so guter Qualität sein, dass jemand es sein Leben lang täglich trinken kann, ohne davon krank zu werden. Für Wasser aus der Leitung gelten deutlich mehr Vorschriften als für Mineral­wasser: etwa Grenz­werte für Pestizide und Uran.

Mineral­wasser wird kaum aufbereitet

Leitungs­wasser kommt aus Grund­wasser, Flüssen, Seen und Talsperren sowie aus Quell­wasser. Es ist unerwünschten Stoffen aus der Umwelt ausgesetzt. In der Regel bereiten Wasser­werke es auf, bevor die Menschen es trinken. Natürliches Mineral­wasser hingegen fördern Brunnen­betriebe aus unter­irdischen Quellen. Die Quelle muss durch eine von Natur aus kaum wasser­durch­lässige Boden­schicht vor Verunreinigungen geschützt und das Wasser „ursprüng­lich rein“ sein. Die Brunnen­betriebe dürfen es praktisch nicht aufbereiten. Erlaubt ist nur, einige Stoffe wie Eisen zu entfernen. Sind alle Voraus­setzungen erfüllt, wird das Wasser amtlich anerkannt.

Vermieter müssen für einwand­freie Leitungen im Haus sorgen

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Bis zum Haus­anschluss liegt die Verantwortung für Keime und kritische Substanzen beim Wasser­versorger, zwischen Anschluss und Wasser­hahn beim Eigentümer des Gebäudes. Vermieter sind etwa verpflichtet, alte Rohre aus Blei zu entfernen, damit das nervenschädigende Schwer­metall nicht ins Wasser übergeht. Ein Risiko besteht vor allem in teil- und unsanierten Altbauten im Norden und Osten Deutsch­lands, die vor 1973 errichtet wurden. Vermieter müssen Trink­wasser alle drei Jahre auf Legionellen über­prüfen, wenn sich in ihrem Haus eine Groß­anlage zur Erwärmung des Wassers befindet und es zum Beispiel durch Duschen vernebelt wird.

Glyphosat in keinem der Wässer gefunden

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Pflanzen­schutz­mittel und ihre Abbau­produkte, sogenannte Metabolite, sickern vom Feld aus in die Tiefe. Sie können ins Grund­wasser gelangen, aber auch in Mineral­wasser­quellen, wenn diese nicht ausreichend geschützt sind. Das zurzeit stark diskutierte Unkraut­vernichtungs­mittel Glyphosat ist eines der am häufigsten einge­setzten Pestizide welt­weit. Meldungen über Nach­weise von Glyphosat in Bier und Muttermilch machten jüngst Schlagzeilen. Wir haben es weder in den Trink­wasser­proben noch in einem Mineral­wasser in unserem Test gefunden.

Unbe­denk­liche Rück­stände von Ampa

In drei Mineralwässern fanden wir jedoch Rück­stände von Ampa: Amino­methylp­hosphonsäure. Ampa ist das Haupt­abbau­produkt von Glyphosat, kann aber auch aus Phosphonaten von Wasch­mitteln entstehen. Außer auf Glyphosat und Ampa prüften wir auch auf weitere Pestizide und ihre Metabolite. In rund jeder zweiten Trink­wasser­probe, aber nur in drei Mineralwässern fanden wir solche Rück­stände – alle in so geringen Gehalten, dass sie kein gesundheitliches Risiko darstellen.

Den Nitrat-Grenz­wert über­schreitet keines der Wässer

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Grund­wasser belastet. Für Trink­wasser gilt ein Nitrat-Grenz­wert von 50 Milligramm pro Liter. Wird er über­schritten, müssen Wasser­versorger unbe­lastetes Wasser zumischen oder das Trink­wasser speziell aufbereiten. Nitrat gelangt haupt­sächlich über Gülle und Kunst­dünger, die Land­wirte auf ihren Feldern und Wiesen ausbringen, in den Boden und sickert ins Grund­wasser. Wegen der anhaltenden Verunreinigung deutscher Gewässer durch Nitrat hat die Europäische Kommis­sion Deutsch­land im April vor dem Gerichts­hof der EU sogar verklagt.

Keines bedenk­lich. 27 der 28 Trinkwässer unserer Stich­probe enthalten Nitrat, der höchste Gehalt liegt bei knapp 30 Milligramm pro Liter. Alle halten also den Grenz­wert ein, ebenso alle Mineralwässer im Test. Der höchste Gehalt eines geprüften Flaschen­wassers beträgt 15 Milligramm pro Liter. Das Mineral­wasser im Test enthält im Schnitt weniger Nitrat als das Trink­wasser.

Arznei­mittel­rück­stände in einigen Trink­wasser­proben nachgewiesen

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Über Abwässer gelangen Rück­stände von Medikamenten oder Röntgen­kontrast­mitteln in den Wasser­kreis­lauf. In einigen Trink­wasser­proben haben wir Spuren von beidem gefunden. Die Konzentrationen sind so gering, dass sie Menschen nicht gefährden. In den 80 Mineralwässern, die wir seit 2014 auf Arznei­mittel­rück­stände untersucht haben, sind wir dagegen noch nie auf Spuren von Medikamenten und Röntgen­kontrast­mitteln gestoßen, auch nicht im aktuellen Test.

Östrogene und Acetaldehyd im Wasser kein Problem

Östrogene. Der Mensch scheidet neben natürlichen Hormonen auch künst­liche aus, etwa aus der Antibabypille. In Abwässern sind sie in Spuren zu finden. Im Trink­wasser sind sie kein Problem. „Wir konnten Östrogene bisher in keinem Trink­wasser nach­weisen“, sagt Chemiker Thomas Ternes von der Bundes­anstalt für Gewässer­kunde. In Mineral­wasser haben Studien in einigen Fällen hormonell aktive Substanzen nachgewiesen – aber zehn­tausend­fach weniger als von Natur aus in Milch, Bier (Hopfen) und Rotwein vorkommen. Wie hormon­ähnliche Substanzen in Mineral­wasser gelangen könnten, ist unklar. Das Bundes­institut für Risiko­be­wertung geht nicht davon aus, dass sie aus PET-Flaschen übergehen.

Acetaldehyd. Ein anderer Stoff kann aus PET ins Wasser wandern: Acetaldehyd. Es lässt sich vermeiden, wenn der Flaschen­hersteller Acetaldehyd­blocker einsetzt. In wenigen Mineralwässern im Test war der Stoff nach­weisbar. Die Gehalte sind unkritisch, können sich aber sensorisch bemerk­bar machen: Ein Mineral­wasser schmeckt leicht fehler­haft fruchtig süß nach Acetaldehyd.

Kein Risiko durch Uran, ein sehr geringes durch Chrom (VI)

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Chrom. Das Wasser rinnt durch Gesteins­schichten, die von Natur aus Uran oder Chrom enthalten können – abhängig von den geologischen Gegebenheiten. Chrom (VI) ist wasser­löslich und krebs­er­regend. Einen Grenz­wert gibt es bislang nicht. Wir haben es im Leitungs­wasser von 23 der 28 Orte gefunden und auch in 21 der 30 Mineralwässer – jeweils in so geringer Konzentration, dass das gesundheitliche Risiko sehr gering ist.

Uran. In 8 der 28 Leitungs­wässer wiesen wir Uran nach, alle unter­schreiten den Grenz­wert für Uran deutlich. Von dem Schwer­metall geht in diesen Mengen kein Risiko durch Radio­aktivität aus, auch eine nierenschädigende Wirkung ist nicht zu befürchten. Mineral­wasser testen wir auch auf Radium-Isotope. Grenz­werte für Uran und Radium in Mineral­wasser gelten nur für Produkte, die für die Zubereitung von Säuglings­nahrung ausgelobt sind. Dennoch unter­schreiten alle Mineralwässer im Test diese Werte.

Säuglings­nahrung kann mit Leitungs­wasser zubereitet werden

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Ohne Risiko. Prinzipiell lässt sich Baby­nahrung mit Wasser aus der Leitung zubereiten. Die Wasser­versorger müssen für Trink­wasser Grenz­werte einhalten, die ein gesundheitliches Risiko ausschließen. Der Nitrat-Grenz­wert von Trink­wasser, so das Umwelt­bundes­amt, schützt alle Bevölkerungs­gruppen, Säuglinge inbegriffen.

Strenge Anforderungen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet Mineral­wasser, das laut Etikett für die Zubereitung von Säuglings­nahrung geeignet ist. Sechs Produkte im Test loben das aus. Solche Mineralwässer müssen besonders strenge Anforderungen erfüllen. Sie dürfen etwa nur 10 Milligramm Nitrat pro Liter enthalten – weniger als Trink- und normales Mineral­wasser. Im Produktfinder Mineralwasser finden Sie mit einem Klick Wässer, die zur Bereitung von Baby­nahrung geeignet sind.

Wasser abkochen. Steril sind aber beide Wasser­arten nicht. Zum Schutz vor Keimen empfehlen wir, sie vor der Zubereitung von Baby­nahrung abzu­kochen. Das ist auch wichtig für immun­schwache Menschen wie Krebs­patienten.

Nicht jedes Mineral­wasser liefert mehr Mineralstoffe als Trink­wasser

Anders als der Name erwarten lässt, muss Mineral­wasser nicht mineral­stoff­reich sein. Ein Gehalt von 1 000 Milligramm gelöster Mineralstoffe pro Liter war nur bis 1980 Pflicht. Die EU kippte diese Vorgabe. Seither dürfen sich auch mineral­stoff­arme Wässer Mineral­wasser nennen. Den geringsten Gehalt im Test hat das Wasser Black Forest mit 57 Milligramm je Liter. Da kann Leitungs­wasser locker mithalten, wie die Analysewerte der Wasser­betriebe zeigen.

Rinteln hat das mineral­stoffs­reichste Leitungs­wasser

In der Harz­stadt Goslar fließt mit 78 Milligramm pro Liter das mineralstoffärmste Wasser unserer Stich­probe aus dem Hahn, in Rinteln im Weser­berg­land mit 786 Milligramm das mineral­stoff­reichste. Nur 8 der 30 stillen Mineralwässer über­treffen den Gehalt des Rintelner Leitungs­wassers. Das Trink­wasser im Test enthält im Schnitt rund 380 Milligramm Mineralstoffe pro Liter, die Mineralwässer kommen auf rund 790 Milligramm. Mit 2 606 Milligramm bietet Ensinger Sport am meisten, vor allem Magnesium, Kalzium und Sulfat.

Wasser schmeckt nicht immer gleich

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Salzig oder bitter. Natrium und Chlorid lassen Mineral­wasser salzig schme­cken, viel Sulfat kann für eine bittere Note sorgen. Die Mineral­stoff­zusammenset­zung bestimmt seinen Geschmack. Das gilt auch für Leitungs­wasser: Je mehr Kalzium und Magnesium es enthält, desto härter ist es.

Weich oder hart. Weiches Trink­wasser stammt häufig aus Oberflächen­wasser, hartes vor allem aus Regionen mit Sand- und Kalk­stein. Laut dem Forum Trink­wasser schneidet hartes bei Blind­verkostungen oft besser ab als weiches, wenn es kalt getrunken wird. Lieb­haber des Heiß­getränks Tee schwören hingegen auf weiches Wasser.

Chlor ist erlaubt. Die Trink­wasser­ver­ordnung erlaubt den Einsatz von Chlor, um Wasser aufzubereiten. Knapp jede dritte Trink­wasser­probe im Test enthielt Stoffe, die eine Chlorbe­hand­lung anzeigen. Zu schme­cken sind die geringen Gehalte aber nicht.

Ein Liter Leitungs­wasser kostet rund einen halben Cent

Leitungs­wasser und Mineral­wasser Test

Leitungs­wasser ist unschlagbar günstig. Für einen Liter wird inklusive Abwasser­kosten rund ein halber Cent fällig. Mit diesem Preis kann Mineral­wasser nicht mithalten: Das güns­tigste im Test kostet 24 Cent pro Liter, das teuerste 70 Cent.

Alle Test­ergeb­nisse

Produktfinder Mineralwasser mit Test­ergeb­nissen für 77 Mineralwässer der Sorten Classic, Medium und Still inklusive aller PDFs von Wasser­tests.
Test Trinkwasser inklusive des gesamten PDFs zum Vergleichs­test Leitungs­wasser – Mineral­wasser aus test 8/2016.

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