Weiterbildung finanzieren

Wie finde ich den richtigen Kurs?

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Weiterbildung finanzieren - Diese Fördermittel gibts für Wissens­durs­tige
Aufstiegs­pläne. Wer beruflich weiterkommen möchte braucht mehr Wissen. © Getty Images / Peshkova

Wir sagen, worauf Sie bei den Kurs-Angeboten achten sollten. Helfen können unabhängige Berater und ein paar gute Argumente, um den Chef von Ihrem Projekt zu über­zeugen.

Welche Zusatz-Qualifikation bringt mich beruflich voran?

Ziel setzen. Klären Sie, was Sie beruflich erreichen wollen und welche Qualifikationen Ihnen dafür fehlen: tech­nisches Wissen, soziale Kompetenz, Fremd­sprachen? Beschäftigte können sich beraten lassen, etwa beim kostenlosen bundes­weiten Infotelefon für Weiterbildung unter 0800 / 201 79 09.

Beraten lassen. Auch in den Bundes­ländern gibt es unabhängige Beratungs­stellen. Die Kontakt­daten finden Sie auf der Seite der jeweiligen regionalen Weiterbildungs­daten­bank. Das Hamburger Wisy etwa bietet ein „Weiterbildungs­telefon“, wdb-berlin.de einen Über­blick über die städtischen Beratungs­stellen. Auch Industrie- und Handels­kammern und Handwerks­kammern beraten.

Lernform wählen. Über­legen Sie, wie Sie lernen möchten und wie viel Zeit Sie in die Weiterbildung investieren können. Es gibt Voll­zeit­kurse und berufs­begleitende Lehr­gänge. Möglich sind neben Präsenz­kursen vor Ort auch Fern­unter­richt und Online­kurse. In Präsenz­kursen können Sie Kontakt zu Teilnehmern knüpfen und lernen gemein­sam. Fern­kurse bieten zeitliche Flexibilität, fordern aber mehr Lern­disziplin.

Kurse sichten. Verschaffen Sie sich mithilfe von Weiterbildungs­daten­banken einen Über­blick über das Kurs­angebot. In Frage kommen dafür beispiels­weise wis.ihk.de, springest.de, emagister.de, semigator.de oder seminarboerse.de sowie iwwb.de, kursnet und kursfinder.

Regionale Angebote. Praktisch sind die unabhängigen Such­portale der Bundes­länder wie Wisy, sie zeigen vorrangig Kurse aus der Region. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten die Lehr­gänge der Volkshochschulen. Über Fern­unter­richt informiert zfu.de. Filtern Sie passende Angebote heraus und vergleichen Sie diese.

Woran erkenne ich einen guten Kurs?

Genug Informationen. Die Kurs­beschreibung sollte klare Angaben machen zu Zielgruppe, notwendigen Vorkennt­nissen, Kursinhalten und -zielen sowie zu Kursort, Dauer und Preis inklusive Prüfungs­kosten und Arbeits­material.

Geschulter Dozent. Die Lehr­kräfte sollten nicht nur auf fachlichem Gebiet fit sein, sondern auch didaktisch geschult. Fragen Sie nach, wie der Dozent Ihres Kurses ausgebildet ist.

Lernform erfragen. Erkundigen Sie sich nach den Lehr­methoden. Gruppen­arbeit und praktische Übungen helfen, den Lern­erfolg zu erhöhen. Wichtig ist eine Beschränkung der Teilnehmerzahl. Je nach Kursinhalt können meist bis zu 15 Personen mitmachen.

Teil­nahme­beleg. Zum Abschluss des Kurses sollten Sie ein aussagekräftiges Dokument erhalten, das Ihre Teil­nahme und gegebenenfalls erbrachte Leistungen, zum Beispiel Prüfungen, dokumentiert.

Vertrag abschließen. Klären Sie offene Fragen mit dem Anbieter Ihrer Wahl, bei teuren und längeren Kursen am besten persönlich vor Ort. Seriöse Anbieter nennen im Vertrag Kosten und Zahlungs­bedingungen. Zudem bieten sie akzeptable Rück­tritts- und Kündigungs­bedingungen. Ein möglicher Corona-Ausfall sollte geregelt sein. Schließen Sie den Vertrag erst ab, wenn die Konditionen mit Ihrem Chef geklärt sind.

Wann informiere ich meinen Arbeit­geber?

Kein gesetzlicher Anspruch. Beschäftigte haben nicht grund­sätzlich einen Anspruch auf Weiterbildung. Es gibt Ausnahmen: In Arbeits­vertrag, Betriebs­ver­einbarung oder Tarif­vertrag kann es Bestimmungen zur Weiterbildung geben, etwa über die zulässige Dauer oder die Beteiligung an den Kurs­kosten. Einige Firmen bieten Weiterbildungs­optionen sogar als Anreiz.

Chancen ausloten. Ist beides nicht der Fall, loten Sie im Gespräch mit Ihren Vorgesetzten aus, wie die Chancen auf ein OK stehen. „Es spricht viel dafür, den Chef möglichst früh ins Boot zu holen“, sagt Ulla Mesenholl von der gemeinnützigen W.H.S.B. Weiterbildung Hamburg, die Beschäftigte berät.

Kosten und Dauer. Informieren Sie sich vor dem Gespräch über schon mal ungefähr über Kosten, Fördermöglich­keiten und Dauer. Wollen Sie sich in Abend­kursen oder Wochen­endseminaren weiterbilden, müssen Sie die Firma nur dann fragen, wenn Sie einen Zuschuss haben möchten.

Wie über­zeuge ich den Chef von der Weiterbildung?

Firma profitiert. Haben Sie alle Infos in der Tasche? Dann sprechen Sie mit Ihrem Arbeit­geber! Günstig ist es, wenn Sie darstellen können, dass die Investition mit Zeit und Geld sich lang­fristig auch für das Unternehmen lohnt. Dass Ihre neuen Kennt­nisse dem ganzen Team zugute kommen und die Firma von Ihrer höheren Qualifikation profitiert.

Auswahl begründen. Vielleicht kommt eine Nach­frage, warum Sie gerade diesen Kurs ausgewählt haben und nicht einen, der weniger lange dauert oder preis­werter ist. Darauf sollten Sie eine Antwort parat haben.

Daumen hoch oder runter? Unterstützt Sie die Firma, kann sie eine bezahlte Frei­stellung oder einen Zuschuss zu den Kosten gewähren. Vielleicht reagiert Ihr Arbeit­geber aber desinteressiert oder abge­neigt, weil Sie durch die Weiterbildung für eine Zeit ausfallen, oder er hinter Ihrem Weiterbildungs­wunsch Jobwechsel-Pläne vermutet. Dann sollten Sie Ihre berufliche Zukunft eventuell unabhängig vom jetzigen Arbeit­geber planen, empfiehlt Beraterin Ulla Mesenholl.

Geld zurück bei Kündigung. Bewil­ligt Ihr Arbeit­geber nur eine unbe­zahlte Frei­stellung, müssen Sie die Einkommens­lücke in dieser Zeit selbst ausgleichen. Das kann sich lohnen, wenn danach bessere Jobs in Aussicht stehen. Finanziert Ihre Firma Ihre Weiterbildung, sind Sie oft anschließend für eine Zeit an die Firma gebunden. Kündigen Sie vor der Frist, wird eine anteilige Rück­zahlung fällig. Das regelt Ihr Arbeit­geber mit Ihnen in einem Rück­zahlungs­vertrag.

Bildungs­urlaub nutzen. Dauert ein Kurs nur ein bis zwei Wochen, können Sie je nach Bundes­land auch Ihren bezahlten Bildungsurlaub dafür verwenden. Darauf haben Sie einen recht­lichen Anspruch.

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wolfie am 24.01.2022 um 15:20 Uhr
Weiterbildungsscheck Sachsen ist ausgelaufen

Die aktive Förderphase der ESF-Förderperiode 2014-2020 endete zum 31. Dezember 2020. Die finanziellen Mittel für die Förderung der individuellen (WBSi) und betrieblichen (WBSb) Weiterbildung wurden vollständig verausgabt.
Seit dem 15. September 2021 können Sie das Förderprogramm „Berufliche Weiterbildung Sachsen (ReactEU)“ in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite zur individuell berufsbezogenen Weiterbildung.
Siehe https://www.sab.sachsen.de/f%C3%B6rderprogramme/sie-planen-ihre-mitarbeiter-oder-sich-selbst-weiterzubilden/weiterbildungsscheck-individuell.jsp
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Plum, InfoWeb Weiterbildung www.iwwb.de

wolfie am 24.01.2022 um 15:18 Uhr
Das Förderprogramm Bildungsprämie ist ausgelaufen

Das Förderprogramm Bildungsprämie des Bundes ist am 31.12.2021 ausgelaufen, der Text im Leifaden sollte angepasst werden. Siehe dazu https://www.bildungspraemie.info/
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Plum, InfoWeb Weiterbildung www.iwwb.de

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.08.2019 um 16:22 Uhr
Förderung für Freiberufler

@website-connection.de: Finanzierungsmöglichkeiten von Weiterbildungen für Freiberufler sind uns leider nicht bekannt. (TK)

website-connection.de am 11.08.2019 um 08:13 Uhr
Förderung für Freiberufler

Hallo,
es gibt einige Konferenzen und Workshops z.B. ist eine demnächst für Suchmaschinenoptimierung. die kosten an die 1000 €. Ich als kleiner Freiberufler kann mir das leider nicht leisten. Gibt es auch Förderung für Freiberufler die man für solche Weiterbildungen beantragen kann.
Vielen Dank im Voraus.

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.08.2018 um 14:34 Uhr
EU-Förderprogramme

@Deee: Dazu können wir leider nichts sagen. Die EU-Programme haben wir nie dargestellt, das würde den Rahmen bei weitem sprengen. (TK)