Steuern sparen – Geld vom Finanz­amt

Leitfaden Weiterbildung finanzieren Special

Kurs­gebühr, Anreise, oft auch Über­nachtungs­kosten: Die Höhe der Ausgaben schreckt viele davon ab, auf eigene Kosten eine Weiterbildung zu buchen. Doch oft ­zahlen Kurs­teilnehmer unterm Strich deutlich weniger als befürchtet – die Steuer­erklärung bringt ­ihnen einen Teil des Geldes zurück.

Wer kann mit einer Weiterbildung Steuern sparen?

Sowohl Arbeitnehmer als auch Selbst­ständige, die eine erste Berufs­ausbildung abge­schlossen haben und sich nun auf eigene Kosten weiterbilden. Auch Eltern in Eltern­zeit und Arbeits­lose, die die berufliche Auszeit zur Weiterbildung nutzen, können das Finanz­amt an den Ausgaben beteiligen. Steuern sparen kann aber nur, wer eine Steuererklärung einreicht.

Was wird gefördert?

Steuern lassen sich zum Beispiel mit den Ausgaben für ein Seminar, einen Lehr­gang oder ein Zweitstudium sparen. Auch Ausgaben für Studien-, Sprach- oder Kongress­reisen können einen Vorteil beim Finanz­amt bringen. Dazu müssen die Veranstaltungen aber straff organisiert sein und die beruflichen Interessen klar im Vordergrund stehen.

Tipp: Um dies zu belegen, sollten Sie dem Finanz­amt eine Über­sicht zum Ablauf der Reise vorlegen.

Welche Ausgaben lassen sich beim Finanz­amt abrechnen?

Neben der Teil­nahme­gebühr erkennt das Finanz­amt unter anderem Fahrt-, Verpflegungs- und Über­nachtungs­kosten an. Auch Ausgaben für Fach­literatur, Internetnut­zung sowie Kopien können Sie abrechnen. Dasselbe gilt für Kreditzinsen und -gebühren, wenn die Weiterbildung per Kredit finanziert wird.

Tipp: Welche Posten bringen noch einen Steuer­vorteil? In welcher Höhe werden Reise­kosten und Aufwendungen für Verpflegung anerkannt? Fragen zum Thema beant­wortet das Finanztest Spezial Steuern 2017. Es ist für 8,80 Euro im test.de-Shop erhältlich ist.

Wie können sich Berufs­tätige den Steuer­vorteil sichern?

Arbeitnehmer tragen ihre Bildungs­kosten in der Anlage N zur Steuererklärung ein. Die Ausgaben zählen zu den Werbungs­kosten, die sich ohne Ober­grenze geltend machen lassen.

Für Selbst­ständige sind Bildungs­kosten Betriebs­ausgaben. Bei einem Jahres­einkommen von bis zu 17 500 Euro führen sie die Ausgaben für die Weiterbildung in einer formlosen Gegen­über­stellung ihrer Betriebs­einnahmen und -ausgaben auf. Ist das Jahres­einkommen höher, füllen sie mit der Steuererklärung die Anlage EÜR aus und rechnen die Weiterbildung darin ab.

Wie rechnet das Finanz­amt?

Für Selbst­ständige zählen Bildungs­kosten ab dem ersten Euro als Betriebs­ausgaben. Je höher die Ausgaben sind, desto nied­riger ist der steuer­pflichtige Gewinn und desto weniger Steuern sind letzt­lich zu zahlen.

Für Arbeitnehmer setzt das Finanz­amt auto­matisch eine Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro im Jahr an. Mit jedem Euro, den sie zusätzlich für den Job ausgeben, sparen sie weiter Steuern. Sind die 1 000 Euro bereits komplett ausgeschöpft – etwa durch die Ausgaben für den Arbeitsweg oder einen berufs­bedingten Umzug – macht sich der Steuer­vorteil durch die Weiterbildung voll bemerk­bar: Dann bekommt zum Beispiel ein Angestellter, der 800 Euro für eine Weiterbildung ausgegeben hat und einen Steu­ersatz von 25 Prozent hat, 200 Euro zurück.

Wie gehen Teilnehmer einer Weiterbildung vor, die derzeit nicht arbeiten?

Auch sie können sich mit Hilfe der Steuererklärung einen Vorteil sichern, eventuell aber erst mit Verzögerung.

Besucht beispiels­weise eine junge Mutter auf eigene Kosten ein Wochen­endseminar, sollte auch sie ihre Ausgaben beim Finanz­amt abrechnen. Hat sie keine oder nur geringe Einnahmen und liegen die Bildungs­kosten höher, ermittelt das Amt einen steuerlichen Verlust. Diesen verrechnet es soweit möglich im selben Jahr mit anderen Einkünften – zum Beispiel mit denen ihres Ehemannes, wenn das Paar eine gemein­same Steuererklärung abgibt.

Gibt es nichts zu verrechnen, kann der Verlust in der Steuererklärung von Jahr zu Jahr vorgetragen werden. Ist irgend­wann wieder ausreichend Einkommen da, macht er sich steuer­mindernd bemerk­bar.

Tipp: In Jahren ohne Einkommen gilt die Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro nicht. Rechnen Sie daher auch kleine Posten konsequent ab: Die Ausgaben helfen, ab dem ersten Euro Steuern zu sparen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 138 Nutzer finden das hilfreich.