Weiterbildung finanzieren

Steuern sparen – Geld vom Finanz­amt

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Kurs­gebühr, Anreise, Über­nachtung: Die Kosten schre­cken viele davon ab, eine Weiterbildung zu buchen. Doch die Steuer­erklärung kann einen Teil des Geldes zurück­bringen.

Inhalt

Wer kann mit einer Weiterbildung Steuern sparen?

Sowohl Arbeitnehmer als auch Selbst­ständige, die eine erste Berufs­ausbildung abge­schlossen haben und sich nun auf eigene Kosten weiterbilden, können ihre Kosten von der Steuer absetzen. Auch Eltern in Eltern­zeit und Arbeits­lose, die die berufliche Auszeit zur Weiterbildung nutzen, können das Finanz­amt an den Ausgaben beteiligen. Steuern sparen kann aber nur, wer eine Steuererklärung einreicht.

Was wird gefördert?

Steuern lassen sich zum Beispiel mit den Ausgaben für ein Seminar, einen Lehr­gang oder ein Zweitstudium sparen. Auch Ausgaben für Studien-, Sprach- oder Kongress­reisen können einen Vorteil beim Finanz­amt bringen. Dazu müssen die Veranstaltungen aber straff organisiert sein und die beruflichen Interessen klar im Vordergrund stehen.

Tipp: Um dies zu belegen, sollten Sie dem Finanz­amt eine Über­sicht zum Ablauf der Reise vorlegen.

Welche Ausgaben lassen sich beim Finanz­amt abrechnen?

Neben der Teil­nahme­gebühr erkennt das Finanz­amt unter anderem Fahrt-, Verpflegungs- und Über­nachtungs­kosten an. Auch Ausgaben für Fach­literatur, Internetnut­zung sowie Kopien können Sie abrechnen. Dasselbe gilt für Kreditzinsen und -gebühren, wenn die Weiterbildung per Kredit finanziert wird.

Tipp: Welche Posten bringen noch einen Steuer­vorteil? In welcher Höhe werden Aufwendungen für Verpflegung anerkannt? Fragen zum Thema beant­wortet das Finanztest Spezial Steuern 2022. Es ist für 10,90 Euro als PDF im test.de-Shop erhältlich, für 12,90 Euro als Heft.

Wie können sich Berufs­tätige den Steuer­vorteil sichern?

Arbeitnehmer tragen ihre Bildungs­kosten in der Anlage N zur Steuererklärung ein. Die Ausgaben zählen zu den Werbungs­kosten, die sich ohne Ober­grenze geltend machen lassen. Selbst­ständige tragen sie in der Anlage EÜR bei den Fort­bildungs­kosten ein.

Wie rechnet das Finanz­amt?

Für Selbst­ständige zählen Bildungs­kosten ab dem ersten Euro als Betriebs­ausgaben. Je höher die Ausgaben sind, desto nied­riger ist der steuer­pflichtige Gewinn und desto weniger Steuern sind letzt­lich zu zahlen.

Für Arbeitnehmer setzt das Finanz­amt auto­matisch eine Werbungs­kostenpauschale von 1 200 Euro im Jahr an. Mit jedem Euro, den sie zusätzlich für den Job ausgeben, sparen sie weiter Steuern. Sind die 1 200 Euro bereits komplett ausgeschöpft – etwa durch die Ausgaben für den Arbeitsweg oder einen berufs­bedingten Umzug – macht sich der Steuer­vorteil durch die Weiterbildung voll bemerk­bar.

Tipp: Wie viel Sie mit Ihrer Weiterbildung konkret sparen, können Sie mithilfe unseres Steuerspar-Rechners ganz einfach ausrechnen.

Wie gehen Teilnehmer einer Weiterbildung vor, die derzeit nicht arbeiten?

Auch sie können sich mit Hilfe der Steuererklärung einen Vorteil sichern, eventuell aber erst mit Verzögerung.

Besucht beispiels­weise eine junge Mutter auf eigene Kosten ein Wochen­endseminar, sollte auch sie ihre Ausgaben beim Finanz­amt abrechnen. Hat sie keine oder nur geringe Einnahmen und liegen die Bildungs­kosten höher, ermittelt das Amt einen steuerlichen Verlust. Diesen verrechnet es soweit möglich im selben Jahr mit anderen Einkünften – zum Beispiel mit denen ihres Ehemannes, wenn das Paar eine gemein­same Steuererklärung abgibt.

Gibt es nichts zu verrechnen, kann der Verlust in der Steuererklärung von Jahr zu Jahr vorgetragen werden. Ist irgend­wann wieder ausreichend Einkommen da, macht er sich steuer­mindernd bemerk­bar.

Tipp: In Jahren ohne Einkommen gilt die Werbungs­kostenpauschale von 1 200 Euro nicht. Rechnen Sie daher auch kleine Posten konsequent ab: Die Ausgaben helfen, ab dem ersten Euro Steuern zu sparen.

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wolfie am 24.01.2022 um 15:20 Uhr
Weiterbildungsscheck Sachsen ist ausgelaufen

Die aktive Förderphase der ESF-Förderperiode 2014-2020 endete zum 31. Dezember 2020. Die finanziellen Mittel für die Förderung der individuellen (WBSi) und betrieblichen (WBSb) Weiterbildung wurden vollständig verausgabt.
Seit dem 15. September 2021 können Sie das Förderprogramm „Berufliche Weiterbildung Sachsen (ReactEU)“ in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite zur individuell berufsbezogenen Weiterbildung.
Siehe https://www.sab.sachsen.de/f%C3%B6rderprogramme/sie-planen-ihre-mitarbeiter-oder-sich-selbst-weiterzubilden/weiterbildungsscheck-individuell.jsp
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Plum, InfoWeb Weiterbildung www.iwwb.de

wolfie am 24.01.2022 um 15:18 Uhr
Das Förderprogramm Bildungsprämie ist ausgelaufen

Das Förderprogramm Bildungsprämie des Bundes ist am 31.12.2021 ausgelaufen, der Text im Leifaden sollte angepasst werden. Siehe dazu https://www.bildungspraemie.info/
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Plum, InfoWeb Weiterbildung www.iwwb.de

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.08.2019 um 16:22 Uhr
Förderung für Freiberufler

@website-connection.de: Finanzierungsmöglichkeiten von Weiterbildungen für Freiberufler sind uns leider nicht bekannt. (TK)

website-connection.de am 11.08.2019 um 08:13 Uhr
Förderung für Freiberufler

Hallo,
es gibt einige Konferenzen und Workshops z.B. ist eine demnächst für Suchmaschinenoptimierung. die kosten an die 1000 €. Ich als kleiner Freiberufler kann mir das leider nicht leisten. Gibt es auch Förderung für Freiberufler die man für solche Weiterbildungen beantragen kann.
Vielen Dank im Voraus.

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.08.2018 um 14:34 Uhr
EU-Förderprogramme

@Deee: Dazu können wir leider nichts sagen. Die EU-Programme haben wir nie dargestellt, das würde den Rahmen bei weitem sprengen. (TK)