Früher hieß es Wandern, heute Walking, Hiking oder Trekking – egal: Auf Wanderschuhe warten viele Bewährungsproben. Nicht alle im Test haben sie bestanden.

Wenn sich die Bundeswehr im Kosovo, in Kundus oder Kempten auf die Socken macht, tut sie das in Stiefeln, die vor der Auslieferung an die Truppe einen harten Test im Gehsimulator bestehen mussten. Der Bundeswehrmethode haben auch wir uns bedient, um die Wasserdichtheit von Wanderschuhen für den zivilen Einsatz zu überprüfen.

Aber natürlich standen auch ausge­dehnte Wanderungen auf dem Programm. Nicht schön für unsere drei Testerinnen und vier Tester, aber gut für den Test: Tagelanger Dauerregen stellte nicht nur die gute Laune, sondern auch das Schuhwerk auf eine harte Probe und trennte die (wenigen) Schönwettermodelle von jenen, mit denen man durch dick und dünn gehen kann. Für den Test haben wir uns leichteres Schuhwerk ausgesucht. Steigeisenfeste, gletschertaugliche Alpin-Wanderstiefel für Extremtouren im Hochgebirge blieben genauso außen vor wie klassische Trekkingschuhe für tagelange Gebirgswanderungen.

Der Haupteinsatzbereich von Leichtwanderschuhen sind befestigte Forstwege (auch mit Schotteroberfläche), dünn asphaltierte Wanderwege oder planierte Forststraßen in ebenem bis hügeligem Gelände. Trotzdem sollte man mit einem Leichtwanderschuh auch auf mäßig geneigten Waldsteigen, Wiesen oder Natursteinplatten nicht ins Rutschen kommen und bei kurzen Wegen über Schotter und Geröll keine Probleme haben. Als Si­cherheitsre­ser­ve muss er außerdem so viel Profil zeigen, dass er nach Wetterstürzen bei entsprechender Vorsicht auch schwierigeres Gelände bewältigt. Und nicht zuletzt sollte man sich in Leichtwanderschuhen auch auf normalen Straßen wohl fühlen, wenn es zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten am Wegesrand geht. Wegen ihrer meist guten Passform werden diese Schuhe übrigens auch gern im Alltag getragen.

Zur Bewährungsprobe traten 16 dieser Allroundmodelle zu Preisen zwischen 100 und 150 Euro an. Alle sind knöchelbedeckend und – von der Ausnahme Garmont Vegan abgesehen – mit einer speziellen Membran (meist Gore Tex) ausgerüstet, die atmungsaktiv und gleichzeitig wasserdicht wirken soll. Weiter bestehen sie aus Kunststoffgewebe (meist Cordura-Nylon), das mit Lederaufsätzen an Fußspitze, Ferse und Seiten verstärkt wird (Ausnahme wieder Garmont Vegan). Die Textil-Leder-Kombination macht diesen Schuh leicht und komfortabel. Eine profilierte Gummisohle gibt Halt. Die Grenze zu Sportschuhen ist fließend. Sämtliche Modelle sind für Männer und Frauen erhältlich, die Ergebnisse übertragbar.

Wer einkaufen geht, sollte sich nicht von den Bezeichnungen irritieren lassen: Im Handel heißen sie Hiking, All Terrain, ATC Trail, Active Day oder Allrounder. Wir nennen sie Leichtwanderschuhe, wobei mit „leicht“ das Gelände gemeint ist. Aber bedeutend weniger als die früher gebräuchlichen Lederstiefel wiegen die modernen Wanderschuhe auch noch.

Im Endergebnis haben sich die meisten der 16 Leichtwanderschuhe und die beiden zu Vergleichszwecken mitgeprüften Halbschuhe und Bergstiefelrecht ordentlich geschlagen. 13 „gute“ Qualitätsurteile sprechen für ein insgesamt relativ hohes Qualitätsniveau. Erfreulich: Auch billigere Modelle, wie beispielsweise Jack Wolfskin All Terrain für 100 Euro, sind unter den „Guten“.

Vier trocknen nur schwer ab

Umso stärker fallen einige Ausreißer auf: Vier Modelle waren entweder nicht ganz wasserdicht (Columbia Daypack) oder sie trockneten nur schwer ab (Raichle Scout, Hanwag Banks, Garmont Vegan). Allein der Garmont Vegan ist zumindest für die feuchten Füße entschuldigt, weil er als einziges Modell keine wasserhemmende Membran eingebaut hat und somit zwangsläufig in diesem Prüfpunkt zu den Verlierern gehören würde. Deshalb haben wir die Wasserdichtheit hier nicht bewertet. In diesem Schuh sind keinerlei Leder oder sonstige Produkte verarbeitet, die von toten Tieren stammen könnten – der Produktname „Vegan“ deutet darauf hin: Veganer sind ganz besonders strenge Vegetarier und rigorose Tierschützer.

Im Wasserbad

Ob die Schuhe wasserdicht sind, haben wir hauptsächlich nach der Bundeswehrmethode ermittelt. Die Schuhe kommen dabei auf einen Leisten mit beweglichen „Zehen“ und werden in einen Behälter mit Wasser gestellt. Die Zehenwippe besorgt das Abrollen der Zehen und Knicken der Sohle. 1 024 Hübe mussten alle Wanderschuhe überstehen, was einem Fußmarsch von fünf Kilometern in sechs Zentimeter tiefem Wasser entspricht. Dann sahen wir nach, ob sie auch dicht gehalten haben. Bei den meisten war das so. Nur beim Garmont Vegan gab es aus den geschilderten Gründen im Schuhinneren einen kleinen See zu besichtigen.

Beim Columbia Daypack trat Feuchtigkeit am Zungenansatz auf – wahrscheinlich wegen nicht ganz wasserdichter Nähte. Ähnliches passierte beim VauDe Airstream, der aber gegen Wasser von außen sehr viel besser geschützt war.

Ärgerlich ist es auch, wenn der Schuh bei Nässe außen und innen nicht trocknen will und der Wandersmann den nächsten Tag mit feuchtem Schuhwerk antreten muss. Damit ist beim Raichle Scout, Hanwag Banks und wieder besonders beim Garmont Vegan zu rechnen – diesmal ganz unabhängig von der fehlenden Membran. Aber auch Adidas Kintup, Merell Pulse und VauDe Airstream könnten hier noch verbessert werden.

Keine Fehler beim Trocknen machen

Auch wenn der Wanderer an den Füßen stark geschwitzt hat, sollte das am nächsten Tag nicht mehr bemerkbar sein. Aber nicht immer liegt es am Schuh, wenn Restfeuchte den Spaß verdirbt. Viele Wandersleute machen auch Fehler beim Trocknen, indem sie beispielsweise die feuchten Einlegesohlen nicht herausnehmen und extra trocknen lassen. Hilfreich ist es auch, die Schuhe mit Zeitungspapier auszustopfen. Keinesfalls sollten sie aber an der Heizung oder am Lagerfeuer getrocknet werden.

Übrigens: Alle Probanden trugen Funktionssocken (Thorlo) – zu ihrer vollen Zufriedenheit. Generell sind Socken aus Kunstfaser den Baumwollsocken haushoch überlegen: Während sich Baumwolle mit Schweiß und Wasser voll saugt, leiten Funktionssocken die Feuchtigkeit in die nächste Schicht ab.

Für prima Klima im Schuh sollen feine Kunststoffmembranen sorgen, die ins Schuhmaterial eingearbeitet sind. Ihr Wirkprinzip: Die Poren der Membran sind so fein, dass sie Wasser von außen nicht ins Schuhinnere durchlassen. Sie sind aber noch groß genug, um umgekehrt den Wasserdampf von innen nach außen „diffundieren“ zu lassen. Die Theorie bestätigte sich in der Praxis. Das Schuhklima sämtlicher Testkandidaten war in Ordnung: Von den Ausnahmen abgesehen, waren die Membranen absolut wasserdicht und auch der Feuchtetransport vom Fuß durch den Schuh klappte weitgehend. Hier hat jedoch die Physik Grenzen gesetzt: Bei feuchtem, warmem Außenklima kann nicht mehr viel Wasser beziehungsweise Schweiß verdampfen.

Erfreulich gut bewerteten die Testläufer auch Passform sowie An- und Ausziehen. Nur am Salomon Expert bemängelten die meisten Druckstellen im Knöchel- und Schaftbereich. Die machten sich beim Wandern unangenehm bemerkbar und können auf längeren Touren unter Umständen zu schmerzhaften Blasen führen.

34 Millionen Deutsche wandern in Urlaub und Freizeit, sagt der Deutsche Wanderverband und spricht geradezu von einer Renaissance.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3672 Nutzer finden das hilfreich.