Leichte Butter und Co. Test

Auf Knäckebrot zeigen sich die Unterschiede in Streich­fähig­keit und Farbe.

Butt­riger Geschmack, leicht zu streichen, gesundes Fett, weniger Kalorien – so präsentieren sich viele der neuen Produkte als Konkurrenz zu Butter und Margarine. Wir prüften 24 Produkte. Jedes zweite ist gut.

Lieber Butter oder Margarine aufs Brot? Diese Frage entfacht Diskussionen an deutschen Frühstücks­tischen. Lieb­haber von Butter beschwören deren unver­wechsel­baren Geschmack und die natur­nahe Herstellung. Margarine-Fans kontern mit besserer Streich­fähig­keit, gesunden Fett­säuren für Herz und Hirn. Im ewigen Zwist ums beste Fett mischen neuerdings auch moderne Varia­tionen mit. Die Spann­breite dieser Produkte ist weit: Sie reicht von Halb­fett­butter bis zu Mischungen, die aus Butter, Rahm und Jogurt, Rapsöl oder Pflanzen­fett kreiert sind. Ihr kleinster gemein­samer Nenner: Die meisten versprechen, nach Butter zu schme­cken und gut streich­bar zu sein. Der Verkauf legt von Jahr zu Jahr zu. Viele Produkte tragen das Logo bekannter Butter- oder Margarinemarken wie Kerry­gold oder Frau Antje, Rama oder Deli Reform. Auch die Discounter führen sie. Eine 250-Gramm-Packung gibt es dort schon ab 99 Cent, klassische Marken kosten mehr. Haben die neuen Streich­fette Vorteile gegen­über Butter und Margarine? Wir haben 24 Produkte getestet. Insgesamt sind 13 gut, 3 mangelhaft, 1 ist ausreichend, der Rest befriedigend.

Mit Pflanzenöl im Vorteil

Manche Butter-Rapsöl-Kombination dürfte tatsäch­lich eine Konkurrenz für klassische Butter und Margarine darstellen: Die besten test-Qualitäts­urteile sahnten die beiden Milfina Streichfein von Aldi (Süd) ab. Ihre Urteile verdanken sie insbesondere dem frischen Buttergeruch und -geschmack. Andere Butter-Pflanzenöl-Kombinationen über­zeugten mit einer guten ernährungs­physiologischen Note. In der Gruppe Halb­fett­butter und Varianten gab es keine ernährungs­physiologisch guten Produkte. Der Grund: Sie enthalten kein Pflanzenöl, sondern nur Milch­fett aus Butter, Butterr­einfett, Rahm, Jogurt oder Buttermilch. Der Fett­gehalt variiert je nach Produkt zwischen 75 und 25 Prozent. Er liegt damit unter dem traditioneller Butter und Margarine (mindestens 80 Prozent).

Frisch und mit Butter­geschmack

Über die Aufmachung sind manche Produkte nur schwer von klassischer Butter zu unterscheiden. Denree, Homa­Gold, Meggle und Rama sind butter­typisch einge­wickelt: 250-Gramm-Quader mit metall­beschichtetem Papier. Werbeaussagen wie „viel frische Butter“, „feinste Butter“ oder „beste Butter“ lassen auf Butter­geschmack hoffen, den viele so lieben. Aber kommen die inno­vativen Streich­fette an ihn heran?

Geschulte Prüf­personen verkosteten jedes Produkt und beschrieben für 21 der 24 Marken zumindest einen leichten Butter­geschmack. Acht davon rochen und schmeckten sogar frisch und deutlich nach Butter. Doch für ein Sehr gut in der sensorischen Beur­teilung reichte es nur bei Meggle Joghurt Butter, Milfina von Aldi (Süd) mit und ohne Salz sowie Die Gute (Bio) von Söbbeke. Die Misch­streich­fette bestehen über­wiegend aus Butter, einer ordentlichen Portion Rapsöl, etwas Jogurt.

„Schmeckt nach Butteraroma“

Leichte Butter und Co. Test

Nicht korrekt. Statt des ausgelobten natürlichen Aromas wiesen wir bei Deli Reform synthetische Aromen nach.

Bei acht Produkten steht im Zutaten­verzeichnis, dass natürliches Aroma oder Aroma zugesetzt ist. Beides soll dem Butter­geschmack auf die Sprünge helfen. Bei Norma, Lidl, Rama und Smanta ließ sich sensorisch nicht auf Aroma­zusätze schließen. „Schmeckt nach Butteraroma“, hieß es allerdings bei Homa­Gold und Deli Reform. Die Leichte von Du darfst enthielt zwar „Aroma“, hatte aber nichts Butter­ähnliches.

Die Feine von Deli Reform nicht fein

Steht einfach nur Aroma im Zutaten­verzeichnis, muss es nicht natürlichen Ursprungs sein. Es darf auch synthetisch hergestellt sein. Natürliches Aroma hingegen muss aus natürlichen Quellen der Pflanzen- und Tier­welt stammen. Es kann durch physika­lische, enzymatische oder biologische Verfahren gewonnen werden. Das angeblich „natürliche Aroma“ in der Feinen von Deli Reform entpuppte sich als Täuschung. Wir wiesen Aroma­stoffe nach, die nicht natürlich sind. Die Feine ist mit dieser Aromaangabe nicht verkehrs­fähig und insgesamt mangelhaft.

Nicht alle gut streich­fähig

Leichte Butter und Co. Test

Streich­fähig auf Misch­brot. Fast alle Produkte lassen sich kühl­schrankkalt gut verstreichen. Nur Küsten­land nicht.

„Gekühlt streich­bar“ – damit zielen viele Streich­fette auf einen wunden Punkt von Butter. Kommt sie aus dem Kühl­schrank, hat der Verbraucher seine liebe Not: Das harte Fett lässt sich schlecht verteilen.

Sind die Produkte im Test da besser? Wir haben sie kühl­schrankkalt auf empfindlichem Knäckebrot sowie auf Roggen­misch­brot verstrichen. Die meisten glitten gut über die Scheiben und bedeckten sie gleich­mäßig. Die Halb­fett­butter von Kerry­gold und die fett­arme Frau Antje ließen sich am schlechtesten verteilen: Sie ballten zusammen, etwas Wasser setzte sich ab. Kerry­gold wirbt auch nicht mit Streich­fähig­keit, Frau Antje schon. Küsten­land zeigte sich bei 6 Grad Celsius als zu fest, weckt aber auch keine falsche Hoff­nung. Auf der Packung steht: „gut streich­fähig bei 12–18 °C“. Und das trifft tatsäch­lich zu.

Omega-3-Fett­säuren aus dem Rapsöl

13 der 17 Butter-Pflanzenöl-Kombinationen nennen Rapsöl als Zutat. Zwischen 5 und 29 Prozent sind angegeben. Rapsöl ist gesund. Seine Fett­säuren setzen sich mustergültig zusammen: wenig gesättigte Fett­säuren, reichlich von der einfach ungesättigten Ölsäure und viel der mehr­fach ungesättigten Fett­säuren Linol- und Alpha-Linolensäure. Ihr Verhältnis zueinander ist ideal. Davon profitiert der Mensch, der sie mit der Nahrung zu sich nehmen muss. Alpha-Linolensäure ist die wichtigste Omega-3-Fett­säure. Sie bringt vor allem Vorteile für das Herz-Kreis­lauf-System und die Hirn­leistung.

Kann aber das Rapsöl aus Streich­fetten einen Beitrag zur Versorgung mit Omega-3-Fett­säuren leisten? Durch­aus. Bei fünf Produkten steuern schon 20 Gramm – das entspricht einer Frühstücks­portion in Hotels – mindestens 40 Prozent zur täglich empfohlenen Zufuhr bei. Es sind Arla Kærgården gesalzen und ungesalzen, Deli Reform, Rama und Ravens­berger.

Thise täuscht Verbraucher

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Zu wenig. 29 Prozent Rapsöl steht im Zutaten­verzeichnis von Thise Bio Blume, wir fanden nur 19 Prozent.

Die zwei Thise-Bio-Streich­fette aus Dänemark gaukeln mehr Rapsöl vor, als sie enthalten. Statt 29 analysierten wir nur 19 Prozent. Die Produkte werfen weitere Fragen auf: Aus den deklarierten Zutaten ergibt sich kein Gesamt­fett­gehalt von 75 Prozent. Auch die Fett­säuren in der aufgedruckten Nähr­wert­tabelle summieren sich statt auf 75 nur auf 64 Prozent. Das alles täuscht die Verbraucher und ist mangelhaft.

Gesättigte Fett­säuren aus der Butter

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Zum Braten geeignet. Sieben Produkte loben das aus. Die Brat­fähig­keit verdanken sie Fett­gehalten über 60 Prozent – bei weniger spritzt es. Je höher der Ölanteil, desto hitze­stabiler ist das Fett.

Die Produkte ohne Rapsöl schneiden in der ernährungs­physiologischen Beur­teilung insgesamt etwas schlechter ab als die mit Rapsöl. Dabei kam es uns auf die Kalorien, die Fett­menge sowie den Anteil an gesättigten und mehr­fach ungesättigten Fett­säuren an. Klar, dass Produkte, die entweder viel Fett oder nur Milch­fett enthalten, hier nicht glänzen können. Denn Milch­fett besteht über­wiegend aus gesättigten Fett­säuren. Die sind zwar kurz- bis mittel­kettig und daher gut verdaulich, aber dennoch können einige das schlechte LDL-Cholesterin im Blut erhöhen. Keines der sechs Produkte aus der Gruppe Halb­fett­butter und Varianten schaffte in der ernährungs­physiologischen Beur­teilung ein Gut – selbst bei Fett­gehalten um 40 Prozent nicht.

Jedes Produkt im Test enthält auch Trans­fett­säuren, aber keine lang­kettigen aus der Fett­härtung. Nur sie sind kritisch, da sie schlechtes Cholesterin erhöhen und gutes senken. Die kurz- und mittel­kettigen Trans­fett­säuren aus Milch­fett, die natürlich im Kuhmagen entstehen, gelten heute als unkritisch. Wir bewerteten sie nicht.

Das Salz schadet nicht

Sechs Produkte weisen sich als gesalzen aus. Soll man sie meiden, um sein Salz­konto nicht zu über­lasten? Nicht nötig. Die Salz­gehalte fallen nicht ins Gewicht. Mit 20 Gramm Streich­fett nimmt man maximal 0,24 Gramm Kochsalz zu sich. Als vertret­bar gelten 6 Gramm pro Tag.

„Joghurt-leicht“ ist zweideutig

Leicht oder light – nach den recht­lichen Vorgaben dürften sich Streich­fette nur so nennen, wenn sie höchs­tens 41 Prozent Fett enthalten. Diese Vorgabe erfüllen alle fünf Produkte im Test, die als leicht oder light ausgelobt sind. Anders sieht es mit der Meggle Joghurt-Butter aus: „Joghurt-leichter Butter Genuss” steht auf der Packung. Das ist doppeldeutig – lässt sich als Geschmacks­versprechen und auch als Nähr­wert­angabe verstehen. Der Hinweis „20 Prozent weniger Fett als normale Butter“ trifft zwar zu. Bei einem Light-Produkt müssten es aber mindestens 30 Prozent sein, so die Health-Claims-Verordnung.

Gerade bei dieser recht neuen Produkt­gruppe braucht der Verbraucher eine verläss­liche und gut lesbare Kenn­zeichnung. Manche Produkte sind da eine Heraus­forderung. Um die kleine Schrift und die verstreuten Angaben zu Zusammenset­zung, Nähr­wert und das Mindest­halt­barkeits­datum lesen zu können, wären eine Lupe und ein Kompass von Nöten.

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