Die meisten Lehman-Zertifikate haben die Citibank, die Frankfurter Sparkasse 1822 und ihr Direktbankableger, die Hamburger Sparkasse (Haspa) und die Dresdner Bank vermittelt. Die Institute lehnen eine pauschale Entschädigung aller Anleger ab.

Hamburger Sparkasse

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Die Haspa hat nach eigenen Angaben sechs unterschiedliche Lehman-Zertifikate in den Jahren 2006 und 2007 an etwa 3 700 Kunden verkauft. „Es gab ­risikobereite, aber auch eigentlich konservative Käufer von Lehman-Papieren“, räumt Unternehmenssprecherin Stefanie von Carlsburg ein. Alle sollen Unterstützung erhalten, sobald es nötig ist, Ansprüche in einem Insolvenz­verfahren anzumelden. 
Der Fall jedes Kunden werde geprüft. „Sollten wir bei der Einzelfallprüfung feststellen, dass ein Beratungsfehler vorliegt, werden wir das in Ordnung bringen“, verspricht von Carlsburg.
Die Haspa soll bereits mehrere Anleger außergerichtlich entschädigt haben. Dabei soll es sich laut Informationen des Norddeutschen Rundfunks um ­gute Kunden handeln, welche die Sparkasse nicht verlieren will. Die gesetzliche Verjährungsfrist von drei Jahren hat die Haspa von sich aus auf fünf Jahre verlängert.

Frankfurter Sparkasse 1822

Die Sparkasse arbeite derzeit die Daten von rund 5 000 möglicherweise betroffenen Kunden auf, sagt Unternehmenssprecher Sven Matthiesen. Sie hätten zwischen 5 000 und 15 000 Euro angelegt. Die Käufer von Lehman-Zertifikaten würden gefragt, ob sie ihre Forderungen in den Insolvenzverfahren durch ­einen von der Sparkasse beauftragten Anwalt vertreten lassen wollen. Die ­Anwaltskosten in diesem Sammel­verfahren werde die Frankfurter Sparkasse wahrscheinlich übernehmen.

1822 direkt: Viele Kunden der Sparkasse 1822 direkt, Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse 1822, sind von Beratern telefonisch beim Kauf von Lehman-Zertifikaten beraten worden. Solche Gespräche werden aufgezeichnet, bestätigt Unternehmenssprecher Sven Matthiesen.
Bislang habe kein Kunde die Abschrift eines Beratungsgespräches verlangt, sagt Matthiesen. Bei „berechtigtem ­Interesse“ könne er eine bekommen. Die Gespräche würden „mindestens sechs Monate“ gespeichert, „nach oben“ sei die Speicherdauer offen.
Die Sparkasse will die Kunden nach Aufwand zur Kasse bitten. Es könne ­einen ganzen Tag dauern, ein Gespräch im Datenspeicher zu suchen, sagt Sven Matthiesen. Mit anderen Worten: Es kann teuer werden.

DAB-Bank

Die DAB-Bank hat eigenen Angaben zufolge das Lehman-Zertifikat „4 x 6 % Deutschland Garant Anleihe“ an weniger als 200 Kunden verkauft. Das Angebot lief vom 23. Juni bis zum 31. Juli 2008. Die Bank biete keine Beratungsleistungen an, die Kunden zeichneten die Produkte direkt, teilt DAB-Sprecher Jürgen Eikenbusch mit. In ihren Produktinformationen weise die Bank stets auf das Emittentenrisiko hin – auf das Risiko, dass der Herausgeber einer Geldanlage pleite gehen kann.
Die DAB-Bank wird ihre Kunden nicht bei der Registrierung für die Insolvenzverfahren unterstützen. Entschädigungen schließt der Unternehmenssprecher ebenfalls aus.

Citibank

Bei der Citibank Deutschland scheint es zahlreiche Betroffene zu geben, möglicherweise mehr als bei den anderen Banken. Auskünfte dazu hat die Bank trotz Nachfrage nicht gegeben.
Ob Citibank-Kunden Hilfe im Insolvenzverfahren erhalten werden, ist unsicher. Das werde derzeit geprüft, teilt Pressesprecher Ingo Stader mit.

Postbank

Die Postbank gibt an, Lehman-Zertifi­kate überwiegend über die mobilen ­Finanzexperten der Postbank Finanz­beratung an vermögendere Kunden verkauft zu haben. In den Filialen seien keine Lehman-Zertifikate vertrieben worden, sagt ein Postbank-Sprecher.

Dresdner Bank

Die Dresdner Bank macht keine Angaben zum Umfang ihrer Geschäfte mit Lehman-Zertifikaten. Die Kunden seien angeschrieben worden, teilt Banksprecher Martin Halusa mit. Die Bank prüfe, ob sie Kunden per Sammelvertretung im Insolvenzverfahren durch einen ­Anwalt vertreten lassen werde.

Auf eigene Faust

Anleger, die auf eigene Faust versuchen wollen, in den Insolvenzverfahren etwas wiederzubekommen, haben es mit mehreren Ansprechpartnern zu tun.
Die meisten Zertifikate hat die holländische Lehman Brothers Treasury Co. B.V. herausgegeben. Das Insolvenz­verfahren war bei Redaktionsschluss am 6. November noch nicht eröffnet.
Besitzer von Zertifikaten dieser Lehman-Tochter können sich per E-Mail ­unter info.lbtreasurybv@houthoff.com registrieren lassen. Per Post geht dies an: Houthoff Buruma N.V., Attn. Messrs. F. Verhoeven and M. F. Horck, P.O. Box 75505, NL-1070 AM Amsterdam, The Netherlands.
Die Anleger können zusätzlich auf die US-amerikanische Mutter, die Investmentbank Lehman Brothers Holding Inc. hoffen. Sie hat Garantien für die Zertifikate der holländischen Tochter übernommen. Möglicherweise zahlt auch die amerikanische Entschädigungseinrichtung SIPC (www.sipc.com) einen Teil ihrer Anlage zurück.
Bei Redaktionsschluss war es noch nicht möglich, bei der US-Bank oder der SIPC Ansprüche anzumelden. Sobald dies möglich ist, sollten Anleger umgehend aktiv werden.

Tipp: Verfolgen Sie die Berichterstattung auf test.de: Finanzkrise: Wer vor Verlusten sicher ist.
Wer mehr Infos zum Insolvenzverfahren möchte, kann sich auch an die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wenden (Tel. 02 11/66 97 02 oder per E-Mail an dagmar.lutter@dsw-info.de).

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