Lehman-Zertifikate Meldung

Die Citibank Deutschland will Kunden entschädigen, die wertlose Papiere der amerikanischen Bank Lehman Brothers haben. Die Kulanzlösung hat die Verbraucherzentrale NRW mit ausgearbeitet. Doch voraussichtlich nur jeder vierte Lehman-Anleger wird Geld sehen.

Nur Härtefälle werden entschädigt

Die Citibank will die Kunden entschädigen, die besonders hart von der Pleite der amerikanischen Investmentbank getroffen sind. Das ist rund ein Viertel aller Kunden, die von der Citibank Lehman-Papiere gekauft haben. „Insgesamt sind es einige tausend Kunden“, sagte ein Citibank-Sprecher test.de. Deutlicher wollte er sich nicht äußern. Rund 27 Millionen Euro will die Citibank für ihre freiwillige Kulanzregelung ausgeben.

Punktesystem bemisst die Entschädigungssumme

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) hat die Citibank ein transparentes Punktesystem für die Entschädigung ausgearbeitet. Als Kriterien für die Punktvergabe fallen ins Gewicht:

  • das Alter zum Zeitpunkt des Kaufes der Lehman-Papiere
  • die nach einer Bankberatung festgelegte Anlagestrategie des Kunden
  • der Depotanteil von Lehman-Zertifikaten bei der ersten Börsennotierung des Papiers
  • das Barvermögen bei der Citibank per 31.08.2008
  • das Datum der Zeichnung
  • die Risikoüberschreitung zum Zeitpunkt der Zeichnung

Bei Falschberatung gibt es höchsten Anteil

Jede Bank ist laut Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet, Kunden, die Wertpapiere kaufen wollen, vorher zu beraten. In einem Formular, dem Wertpapiererfassungsbogen, muss der Citibank-Berater dokumentieren, ob der Kunde eine sichere, eine konservative, eine ausgewogene oder ertragreiche Anlagestrategie wählt. Einem Kunden, der auf Sicherheit aus war, hätte die Citibank wohl keine Lehman-Papiere verkaufen dürfen. Hat sie es aber getan, hat die Bank falsch beraten. Entsprechend erhält der Geschädigte volle drei Punkte. Kunden, die eine risikoreiche Strategie gewählt haben, erhalten nach dem System einen Punkt. Das gleiche gilt für das Merkmal „Risikoüberschreitung zum Zeitpunkt der Zeichnung“. Besonders wenn die Citibank noch im Jahr 2008 Lehman-Papiere an Kunden verkauft hat, als sich bereits Risikoanzeichen verstärkten, ist Falschberatung anzunehmen.

Entschädigungen bis zu 80 Prozent

Anleger, deren Verluste in der Summe aller Kriterien mit 2,1 bis 2,5 Punkten bewertet werden, erhalten den geringsten Entschädigungssatz von 30 Prozent der ursprünglich investierten Summe. Wer 11,6 Punkte sammelt, erhält 80 Prozent seines in Lehman-Zertifikate investierten Geldes. Die Citibank erwartet, dass Kunden im Schnitt die Hälfte ihrer Verluste zurückbekommen. Erfahrene Anleger werden von der Kulanz aber nicht profitieren ebenso wie Fälle, die mehr als drei Jahre zurückliegen. Sie sind verjährt.

Hinweis: Wer sich auf dieses Kulanzverfahren einlässt, verzichtet damit automatisch auf das Durchsetzen weiterer Ansprüche.

Tipp: Wenn Sie falsch von der Citibank beraten worden sind, steht Ihnen die volle Anlagesumme zu. In diesem Fall sollten Sie sich so bald wie möglich von einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht beraten lassen.

So melden Kunden Ansprüche an

Lehman-Anleger müssen sich bis zum 31. Dezember 2009 registrieren. Die Citibank will die Angaben dieser Kunden prüfen und sie schriftlich über das Ergebnis informieren. Wer sich bereits bei der Verbraucherzentrale NRW beschwert hat, muss sich nicht registrieren lassen. Die dort eingegangen Einsprüche prüfen die Citibanker auch.
Tipp: So können Sie sich registrieren lassen:

  • Telefon: Die Citibank hat für Kundenanfragen eine kostenlose Hotline (Montag − Freitag 8:00 − 20:30 Uhr) eingerichtet: 0 80 0 0 11 33 55 77
  • Brief: Briefe senden Bankkunden an folgende Anschrift:
    Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA,
    „Kulanzlösung“,
    Postfach 10 02 14,
    47002 Duisburg,
  • Fax: Anfragen per Fax senden Bankkunden an:
    Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA
    „Kulanzlösung“
    Fax: 02 03 − 347 16 07 0
  • Internet: Kontaktformular unter www.citibank.de

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