Lehman Brothers insolvent Meldung

Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Spareinlagen von Kunden sind gesichert. Verluste drohen allerdings bei Zertifikaten, die Lehman ausgegeben hat. test.de klärt auf.

Geldeinlagen sind sicher

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat über die Lehman Brothers Bankhaus AG ein Moratorium verhängt. Das heißt: Die Bank ist geschlossen. Sie darf kein Geld auszahlen und auch keines annehmen. Die Lehman Brothers Bankhaus AG ist Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken. Nach Angaben der Bafin sind pro Kunde Einlagen bis zu einer Höhe von rund 309 Millionen Euro geschützt. Einlagen sind Geld auf Girokonten, Sparkonten, Tagesgeld oder Festgeld. Betroffene müssen von sich aus nichts unternehmen. Sie bekommen Post von der Entschädigungseinrichtung, wenn es soweit ist.

Investmentfonds sind geschützt

Anleger, die ihr Geld in Lehman-Investmentfonds gesteckt haben, sind gut vor einer möglichen Pleite geschützt. Ihr Anlage-Kapital ist als Sondervermögen rechtlich getrennt von den übrigen Vermögensbeständen der Bank. Es fließt deswegen nicht in die Insolvenzmasse ein. Fonds-Anteile stehen unter einem besonderen rechtlichen Schutz. Handelt es sich allerdings um Aktienfonds, werden sie von den Turbulenzen an den Börsen mit nach unten gerissen. Das gilt für alle Aktienfonds. Besonders betroffen sind Aktionäre, die Papiere von Lehman haben.

Lehman-Zertifikate wackeln

Nicht vom Einlagensicherungsfonds gedeckt sind allerdings die Zertifikate, die Lehman ausgegeben hat. Die deutschen Börsen haben den Handel mit Lehman-Zertifikaten teilweise ausgesetzt. Nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, DSW, ist Emittentin der hierzulande gehandelten Zertifikate das deutsche Lehman Brothers Bankhaus. Geht die Bank tatsächlich Pleite, kann es sein, dass die Inhaber der Zertifikate nur noch einen Teil oder gar nichts mehr von ihrem Geld zurück bekommen. Davon dürften kaum Anleger betroffen sein, denn Lehman ist in der deutschen Zertifikatebranche ein Nischenanbieter.

[Update: 19.09.2008]

Wie die DSW heute bekanntgab, hat Lehman in Deutschland rund 170 verschiedene Produkte im Gegenwert eines zweistelligen Millionen-Euro-Betrages emittiert. „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Anleihen und Zertifikate bei Endfälligkeit nicht – oder zumindest nicht vollständig – zurückgezahlt werden“, so Carsten Heise, Geschäftsführer der DSW. Es ist völlig offen, ob die Ansprüche zu einem späteren Zeitpunkt doch noch reguliert werden können. Allerdings brauchen Inhaber solcher Zertifikate nicht einfach machtlos abwarten. Ob und welche Ansprüche Privatanleger eventuell haben, hängt entscheidend vom Einzelfall ab.
Tipp: Bei der Überprüfung bietet Ihnen die DSW ihre Hilfe an. Sind Sie Inhaber von Lehman-Papieren können Sie sich telefonisch unter der Nummer 02 11/66 97 02 melden. [Update: Ende]

Rettung noch nicht in Sicht

Die Besitzer von Lehman-Zertifikaten können noch hoffen: Es kann nämlich sein, dass die Bank wieder aus der Insolvenz herausfindet. Möglich ist auch eine Übernahme durch eine andere Bank, wie im Fall der Investmentbank Bear Stearns, die in diesem Frühjahr in einer Notaktion von der US-Bank J.P. Morgan übernommen wurde. J.P. Morgan hat auch die Verbindlichkeiten von Bear Stearns übernommen. Das heißt: Wer Zertifikate von Bear Stearns hat, braucht um sein Geld nicht zu fürchten. Das gilt auch für die Zertifikate, die die US-Investmentbank Merrill Lynch ausgegeben hat. Merrill Lynch ist von der Bank of America übernommen worden.

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