Lehman-Brothers-Zertifikate Meldung

Die Targobank (früher Citibank) muss Anlegern Schadenersatz wegen Falschberatung zahlen. Die Bank hatte einem Ehepaar im Jahr 2007 Lehman-Zertifikate empfohlen. Mit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers vor drei Jahren waren die Papiere nahezu wertlos. Die Targobank muss dem Ehepaar das Geld zurückzahlen, entschied das Landgericht Hannover in erster Instanz.

Risikoprofil der Anleger missachtet

Ein Ehepaar hatte auf Grund der Empfehlung ihres Bankberaters von der Targobank im Jahr 2007 Lehman-Zertifikate im Wert von rund 41 000 Euro gekauft. Mit diesem Kauf überstiegen die Eheleute aber das Risikoprofil ihres Wertpapierdepots, das sie bei der Bankberatung schriftlich mit dem Bankangestellten vereinbart hatten. Dort war ausdrücklich vermerkt, dass die Anleger nicht mehr als 55 Prozent ihres Depotwertes in Risikopapiere stecken wollten. Doch der Bankberater setzte sich über den ausdrücklichen Kundenwunsch hinweg. Mit den Lehman-Zertifikaten betrug der Risikoanteil des Anleger-Ehepaars volle 100 Prozent.

Software ändert Kundenwunsch automatisch

Das Risikoprofil ihrer Anleger einfach zu ändern, war für den Berater kein Problem. Das Computersystem der Targobank dokumentierte den Kauf der riskanten Lehman-Zertifikate mit dem Eintrag auf „ausdrücklichen Kundenwunsch“. Das heißt, der Bankberater empfiehlt Wertpapiere, die der Kunde auf Grund seines Risikoprofils nicht haben will. Zugleich lässt er sich aber vom Kunden bestätigen, dass es auf seinen eigenen Wunsch geschieht. „Hätte wirklich ein gezielter ausdrücklicher Kundenwunsch vorgelegen, hätte die Verantwortung sicherlich bei den Kunden gelegen. Wenn aber bei Risikoüberschreitung automatisch ein ‚ausdrücklicher Kundenwunsch‘ in der Order vermerkt wird, kann dies nur als Versuch der Targobank gewertet werden, die Verantwortung im Zweifel auf die Kunden abzuwälzen und die Berater bei Falschberatungen automatisch zu schützen“, sagt Rechtsanwalt André Ehlers aus Bremen, der das Ehepaar vor dem Landgericht Hannover vertrat.

Richter sehen keinen „ausdrücklichen Kundenwunsch“

Zwar räumte die Targobank ein, dass sie durch die empfohlenen Papiere den gewünschten Risikoanteil im Kundenprofil überschritten habe. Die Bank verteidigte sich damit, dass diese Überschreitung „ausdrücklicher Kundenwunsch“ gewesen sei. Die Richter sahen das nicht so und verurteilten die Targobank auf Rückzahlung der 41 000 Euro plus Zinsen. Die Targobank kann sich nun überlegen, ob sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegt.

Jeder fünfte Lehman-Anleger hat Geld bekommen

Im Jahr 2009 hatte die Targobank, die damals noch Citibank hieß, Lehman-Anlegern mit besonderen Härten ein Vergleichsangebot gemacht. Das gestaffelte Konzept für eine Teilentschädigung hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit ausgearbeitet. Nach ihren Angaben hatten 17 100 geschädigte Lehman-Anleger bei der Targobank einen Antrag auf Rückzahlung gestellt. Ein Angebot der Bank haben nur 3 736 Kunden erhalten. Das ist etwa jeder fünfte. 93 Prozent haben es angenommen. Insgesamt zahlte die Targobank 21,5 Millionen Euro zurück.
Landgericht Hannover, Urteil vom 01.09.2011, noch nicht rechtskräftig
Aktenzeichen: 8 O 96/10

Dieser Artikel ist hilfreich. 885 Nutzer finden das hilfreich.