Eile ist geboten: Die Frist für das Insolvenzverfahren der US-Investmentbank Lehman Brothers läuft aus. Geschädigte Anleger haben nur noch bis zum 23. Oktober Zeit, ihre Forderungen anzumelden.

Ansprüche im Insolvenzverfahren anmelden

Zeichner von normalen Anleihen der Lehman Brothers Holdings Inc. und von Zertifikaten mit Garantien der Lehman Brothers Holdings Inc. sollten sich den 23. Oktober und den 2. November 2009 im Kalender rot markieren. Wichtig ist die Teilnahme am Insolvenzverfahren für fast alle Betroffenen. Ob das Verfahren für die Zertifikatekäufer hierzulande etwas bringt, und wenn ja wie viel, steht allerdings im Augenblick noch in den Sternen.

Tipp: Sollten Sie sich bislang noch nicht gekümmert haben, nehmen Sie unverzüglich mit der Bank Kontakt auf, bei der Sie Lehman-Zertifikate gekauft haben. In das Anmeldeformular für das Insolvenzverfahren muss nämlich unter anderem eine Sperrnummer eingetragen werden. Diese Sperrnummer erhalten Sie über die Bank, bei der die Zertifikate im Depot liegen. Die Bank muss den Antrag auf Mitteilung der Sperrnummer bei den Verwahrstellen Euroclear und Clearstream spätestens bis 23. Oktober 2009, 23 Uhr, gestellt haben.

Antrag muss bis 2. November in New York sein

Bis zum 2. November muss das Anmeldeformular für das US-Insolvenzverfahren in New York eingetroffen sein. Darauf weist der Anlegeranwalt Bernd Jochem von der Münchner Kanzlei Rotter hin. Weitere Unterlagen wie zum Beispiel Kaufabrechnungen müssten zunächst nicht eingereicht werden, sagt Rotter. Der Insolvenzverwalter kann sie aber später anfordern.

Tipp: Das Anmeldeformular gibt es nur in englischer Sprache. Unterstützung beim Ausfüllen kann nicht schaden. Bitten Sie zunächst Ihre Bank, also zum Beispiel die Citibank oder die Dresdner Bank, Ihnen beim Ausfüllen des Anmeldeformulars zum Insolvenzverfahren zu helfen. Lassen Sie sich nicht darauf ein, wenn die Bank Sie dazu auffordert, auf eventuelle Ansprüche gegen Lehman zu verzichten. Auch die Verbraucherzentralen helfen beim Ausfüllen der Anträge. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass Sie eine Gebühr für die Beratung bezahlen müssen. Professionelle Hilfe gibt es auch bei Anwälten. Die Anwaltskammer kennt die Adressen von Fachanwälten.

Fristen gelten für Lehman-Anleihen und -Zertifikate

Die Fristen gelten für alle normalen Anleihen der Lehman Brothers Holdings Inc. und diejenigen Zertifikate, für die die Lehman Brothers Holdings Inc. eine Garantie übernommen hat. Das ist dann der Fall, wenn diese Anleihen oder Zertifikate auf der sogenannten Lehman Programs Securities List aufgeführt sind. Das können auch Zertifikate sein, die von der niederländischen Lehman-Tochter, Lehman Brothers Treasury Co. B.V. ausgegeben worden sind.

Tipp: Sie können auf dieser Lehman Programs Securities List selbst herausfinden, ob Sie das Insolvenzverfahren etwas angeht. Beachten Sie in der Liste des Gerichts nur die Wertpapierkennnummern. Diese sind unter der Abkürzung „ISIN“ aufgelistet. Alle weiteren Angaben seien im Augenblick mit Vorsicht zu genießen, sagt Michael Rützel von der internationalen Anwaltskanzlei White & Case. Das Fälligkeitsdatum (maturity date) und Währungen seien in der Liste an manchen Stellen falsch aufgeführt.

Entschädigte Kunden der Frankfurter Sparkasse

Anleger, die von Ihrer Bank aus Kulanzgründen bereits entschädigt worden sind, wie zum Beispiel einige Kunden der Hamburger und der Frankfurter Sparkasse, können am Insolvenzverfahren nur dann teilnehmen, wenn die Zertifikate noch in ihrem Besitz sind. Kunden, die von der Frankfurter Sparkasse voll entschädigt worden sind, haben die Zertifikate an die Sparkasse abgetreten. Aber Anleger, die nur zum Teil entschädigt worden sind, haben noch Rechte an ihren Zertifikaten. Angenommen, ein Kunde hat aus Kulanz von der Sparkasse Frankfurt 30 Prozent des in Lehman-Zertifikate investierten Kaufpreises erstattet bekommen. Jetzt stellt der Insolvenzrichter eine Quote von 80 Prozent fest. Zusammen ergäbe das 110 Prozent des ursprünglich investierten Betrages. Der Kunde müsste dann der Sparkasse Frankfurt die überzähligen 10 Prozent zurückzahlen, sobald er sein Geld hat.

Kanzlei meldet Anlegerforderungen an

Für Kunden zahlreicher Sparkassen übernimmt die internationale Kanzlei White & Case die Anmeldung ihrer Forderungen in den Niederlanden und den USA Voraussetzung ist, dass sie der Kanzlei persönlich ein Mandat erteilt haben. Die Frankfurter Sparkasse übernimmt für ihre Kunden die hiermit verbundenen Kosten. White & Case weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kanzlei im Klagefall weder den Kunden gegen die jeweilige Sparkasse noch die Sparkasse gegen den Kunden vertritt.

Klage wegen Beratungsfehler vor Gericht

Haben Anleger gegen ihre Bank geklagt oder sich vorgenommen, das zu tun, ist die Teilnahme am Insolvenzverfahren ebenfalls wichtig. Kunden haben nämlich die Pflicht, den Schaden soweit zu mindern, wie das in Ihrer Macht steht. Unterlassen sie es, ihre Ansprüche beim Insolvenzverfahren anzumelden, kann die Bank dies bei einem eventuellen Verfahren gegen sie verwenden.

Tipp: Nehmen Sie am Insolvenzverfahren teil. Wenn Sie darauf hoffen, auf dem Klageweg von Ihrer Bank eine Entschädigung zu erhalten, haben Sie ein zweites Eisen im Feuer. Haben Sie vor Gericht ohnehin wenig Aussichten, wahren Sie Ihre Chance, wenigstens aus der Insolvenzmasse ein bisschen von Ihrem Geld wiederzusehen.

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