Therapien: Motivieren, fördern, trainieren

Der Markt an außerschulischer Legasthenieförderung ist riesig, nicht alles ist seriös. Nur ein Bruchteil der angebotenen Therapien ist wissenschaftlich überprüft. Eltern sollten zunächst darauf achten, dass

  • die Therapeuten eine pädagogische oder psychologische Ausbildung sowie spezielle Weiterbildung zur Therapie und Diagnostik von Legasthenie haben,
  • eine umfassende Diagnostik angeboten wird,
  • am besten Einzelförderung angeboten wird und bei Gruppenangeboten nicht mehr als vier Kinder teilnehmen, die alle in etwa das gleiche Förderniveau benötigen,
  • Eltern in die Förderung einbezogen werden und angeboten wird, mit der Schule zusammenzuarbeiten,
  • nicht zu lange Vertragslaufzeiten eingegangen werden müssen, kurze Kündigungsfristen bestehen,
  • eine Finanzierung der Therapie über das Jugendamt im Rahmen der Eingliederungshilfe möglich ist.

Jede Förderung sollte an den Stärken der Kinder ansetzen. Oft geht es erst einmal darum, durch Erfolgserlebnisse neu zum Lernen zu motivieren, den Spaß am Lernen wiederzubringen. Hier wird oft spielerisch gefördert, auch mithilfe des Computers.

Diese Programme haben sich bewährt:

Wichtigster Baustein jeder Legasthenie-Therapie ist das Training von Lesen und Schreiben. Dabei haben sich spezielle Programme bewährt, die den Kindern Schritt für Schritt Lese- und Rechtschreibstrategien vermitteln: Beim Lernen mit Lautgebärden begleiten die Kinder Laute mit bestimmten Bewegungen. So prägen sie sich Buchstaben besser ein. Bewährt hat sich auch, beim Sprechen rhythmisch zum Takt von Silben zu tanzen. Beim Schreiben und Lesen zeichnen die Kinder kleine Bögen unter die Silben, um die Gliederung der Schriftsprache zu trainieren. Erst später geht es darum, orthographische Regeln zu lernen. Geeignet ist das Programm von der ersten bis zur sechsten Klasse. Das Marburger Rechtschreibtraining vermittelt mit bunten Lernkarten wesentliche Regeln der Schriftsprache.

In der Regel sind zwei Stunden pro Woche über mindestens zwei Jahre erforderlich, um Erfolge zu sehen. Lese-Rechtschreib-Therapie ist teuer, oft werden bis zu 50 Euro pro Stunde fällig. Meist müssen Eltern das Geld aus eigener Tasche zahlen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Legasthenietherapie nicht. Das Jugendamt kann im Rahmen der Eingliederungshilfe Therapiekosten übernehmen, wenn das Kind aufgrund der Legasthenie „seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht“ ist – sofern eine Diagnose vom Kinder- und Jugendpsychiater vorliegt.

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